VADUZ: «Frauenquote ist blanker Unsinn»

Am Dienstag ging der 10. Businesstag für Frauen über die Bühne. Erfrischend praktisch wurde eines der Hauptthemen für Karrierefrauen angegangen – das Netzwerk.

Dorothea Wurmbrand-Stuppach
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SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar scheute sich nicht, auch unangenehme Wahrheiten anzusprechen. (Bild: Daniel Schwendener)

SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar scheute sich nicht, auch unangenehme Wahrheiten anzusprechen. (Bild: Daniel Schwendener)

Dorothea Wurmbrand-Stuppach

und Stephan Agnolazza

redaktion@wundo.ch

Eines der vermeintlich grössten Hindernisse für Frauen auf der Karriereleiter ist neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf das Netzwerk. Der 10. Businesstag für Frauen nahm sich deshalb dem Thema «Erfolgreich vernetzt – vernetzt erfolgreich» an. Dies ist durch spannende Referentinnen gut gelungen, wie auch die Reaktionen des Publikums zeigten. Regierungsrat Mauro Pedrazzini nutzte seine Grussworte, um mit einer kurzen und prägnanten Analyse auf das schlechte Abschneiden der Frauen bei den letzten Landtagswahlen zurückzublicken. Er fordert nun auch von den Parteien mehr Engagement in der Sache.

Klare Worte von SBB- Verwaltungsratspräsidentin

Monika Ribar ist Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und eine Frau der klaren Worte. Ohne Scheuklappen zeichnete sie die Probleme von Frauen auf der Karriereleiter. Befragt von Moderatorin Monika Schärer, rief die oberste «Bähnlerin» der Schweiz die rund 500 anwesenden Frauen im Saal auf, sich mit dem nötigen Selbstvertrauen im Berufsleben zu bewegen. «Probieren Sie einfach Dinge aus, gehen Sie auch mal ein Risiko ein. Zerdenken sie nicht alles.»

Gleichzeitig liess Ribar auch keine Zweifel daran, dass Frauen und Männer sich von gewissen Illusionen befreien müssen: «Man darf sich nichts vormachen. Wenn man im obersten Management dabei sein will, liegt eine 50-Prozent-Stelle einfach nicht drin. Sie müssen vor Ort sein und am Ball bleiben.» Gleichzeitig unterstrich Ribar, dass sie von den oft geforderten Frauenquoten nichts hält. Den Anteil in einem Unternehmen gesetzlich festzulegen, sei blanker Unsinn. Stattdessen sei die Diversifikation in Führungsgremien vielmehr innerhalb der Unternehmen zu fördern.

Zum Einfluss von Vorzeige-Karrierefrauen wie Monika Ribar gehört meist ein Machtnetz. Auf Miriam Baumann scheint das aber weniger zuzutreffen. «Ich bin nicht die geborene Netzwerkerin», sagte sie am Businesstag. Die Tochter des Politikers Christoph Blocher ist stolze Besitzerin des Basler Läckerli-Huus, das sie seit 2007 leitet. Die ETH-Lebensmittelingenieurin hat dem Besitzer vom Läckerli-Huus einfach einen Brief geschrieben und darauf spekuliert, dass er einen Nachfolger sucht. Auf Anhieb klappte das nicht, aber sie blieb hartnäckig dran mit ihrem klaren Ziel, den Betrieb zu kaufen. Wenn sie ein Anliegen habe, dann sei sie sehr zielorientiert und direkt, allerdings auch nicht besonders risikofreudig.

Weirather: «Mache alles falsch»

«Ja, Social Media ist ein Muss. Heutzutage reicht es nicht mehr, nur das Logo einer Firma auf der Jacke zu tragen», erklärte Skirennfahrerin Tina Weirather. Eigentlich mache sie ja aus Unternehmersicht alles falsch: «Null Diversifikation, null Nachhaltigkeit, habe ein Ablaufdatum und dazu ein grosses Risiko», so Weirather. Risiko gehört auch für Gründer immer dazu.

Für eine dänische Unternehmerin, die ihre Geschäftsidee vorstellte, zeichnet sich aber ein etwas anderes Bild. Hier geht es nicht um den Gewinn: Mai Goth Olesen hat der Lebensmittelverschwendung mit ihrem Start-up Mealsaver den Kampf angesagt . Sie hat eine App entwickelt, damit Gastronomiebetriebe in Berlin ihre Speisen kurz vor Ladenschluss noch verkaufen können: Die Bilanz: 12 Tonnen Lebensmittel konnten sie so retten.