VADUZ: Die Welt fühlt digital

Wenn Gegenstände mit dem Internet vernetzt sind, miteinander intelligent ­kommunizieren, dann wird die Gesellschaft verletzlich. Werden die Vorteile überwiegen?

Jeremias Büchel und Dorothea Wurmbrand Stuppach
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Jeremias Büchel und Dorothea Wurmbrand Stuppach

jbuechel@medienhaus.li

Das Internet der Dinge, die Vernetzung von Geräten und Menschen hilft uns bereits heute im Alltag und wird uns mit der Weiter­entwicklung von Technologien noch viele Erleichterungen bringen. Jörg Eugster, Internetunternehmer, zählte an der Ligital zahlreiche Innovationen auf, die uns heute und in Zukunft zur Verfügung stehen werden. So zum Beispiel das selbstfahrende Auto. «Ford will bereits 2021 serienmässig selbstfahrende Autos auf den Markt bringen.» Auch 3D-Drucker werden uns das ­Leben erleichtern und können heute schon Verblüffendes produzieren.

Ergebnisse sollte man ­kritisch hinterfragen

Auch die Spracherkennung erleichtert uns den Alltag bereits, etwa wenn wir dem Smartphone eine SMS oder eine E-Mail dik­tieren. Über Skype kann man sich mit Menschen, die eine andere Sprache sprechen, unter­halten, und das Programm übersetzt simultan.

Nicht nur das Internet der Dinge hat Hochkonjunktur. Lernende Maschinen erleben derzeit laut Referent Markus Wagemann eine Renaissance. 1997 etwa schlug ein Schachcomputer den Schachweltmeister Garri Kasparow. «Ein Schachcomputer rechnet alle möglichen Spielzüge aus und wählt den besten. So konnte Kasparow geschlagen werden», sagte Wagemann. Doch es ist viel mehr möglich.

Computer können heute mit Daten gefüttert werden und daraus lernen, etwa Personen oder Dinge auf Bildern zu erkennen. Oder sie können von Menschen gekennzeichnete Bilder auswerten. Doch das birgt auch Gefahren, denn so kommen subjektive Daten zusammen, die zum Beispiel rassistisch oder von Vorurteilen geprägt sein können. Deshalb sollte man Ergebnisse kritisch hinterfragen.

Alfred Halbeisen ist CEO von Punkt 3 in Schaan. Als Unternehmer, aber auch privat warf er einen Blick auf die endlosen Möglichkeiten, die das Internet der Dinge mit sich bringt. IoT wird dabei auch das soziale Verhalten beeinflussen. Kann es sein, dass der Mensch künftig kaum noch über seine eigenen Bedürfnisse nachdenkt? In Zukunft werde es keine Grenze mehr zwischen Business und privat geben, davon ist Halbeisen überzeugt. Die Frage ist: Wenn neue, intelligente Technologien immer mehr für uns übernehmen, zum Assistenten werden und unserer Intelligenz auf die Sprünge helfen, bleibt dann die Evolution des Menschen stehen?

Sensoren beginnen zu fühlen

Das Internet der Dinge wird den Computer künftig ersetzen, Sensoren rücken in den Vordergrund. Auch Halbeisen hat ein Bild vor Augen, wie die Zukunft aussehen könnte: Banken könnten demnach immer weniger Filialen haben oder in dieser Form gar nicht mehr existieren. IoT werde auch die Lebensmittelbranche verändern. Halbeisen nannte das Beispiel der «connected cow» (englisch für verbundene Kuh). Kühe tragen einen Sensor, der für ­Bauern relevante Daten liefert. «Gibt es künftig keinen Bauernhof mehr?», fragte sich Alfred Halbeisen. Er wagte in seinem Referat ein Gedankenexperiment, wie die Welt durch IoT aussehen könnte, aber nicht muss. «Wie werden wir künftig unser Geld verdienen, wie werden Familien künftig entstehen, wer entscheidet, wie viele Kinder wir haben werden?»

Am Ende ist für Halbeisen aber klar: «Ich glaube, alles wird ähnlich sein wie bisher, nur mit mehr Technologie». In welche Richtung sich das Internet der Dinge weiterentwickelt, hängt schlussendlich auch von den Wertvorstellungen der Gesellschaft ab.