VADUZ: Bank Alpinum wollte Veruntreuung verheimlichen

Der Mitarbeiter der Bank Alpinum, welcher im Juni wegen Betrugs, Veruntreuung und Geldwäsche verhaftet wurde, hatte einen Vertrag mit der Bank, damit er «straffrei ausgeht».

Dorothea Alber
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Dorothea Alber

dalber@medienhaus.li

Ein leitender Mitarbeiter der Bank Alpinum sitzt in Untersuchungshaft wegen Verdachts auf Betrug, Veruntreuung und Geldwäsche. Nach Recherchen von «Wirtschaft regional» gibt es zwischen der Bank Alpinum und dem verdächtigen Banker eine Vereinbarung, die ihn straffrei halten soll. Geschäftsführer Stephan Häberle bestätigt dies auf Anfrage: «In Übereinstimmung mit dem liechtensteinischen Strafgesetzbuch schloss die Bank mit dem fehlbaren Mitarbeiter einen Vertrag ab, in dem sich dieser zur vollständigen Rückzahlung des von ihm verschuldeten Schadens verpflichtet, wodurch er straffrei ausgeht.» Es handle sich dabei um eine interne Liechtensteiner Angelegenheit. Brancheninsider reden von fünf Millionen Franken Schaden. Laut Staatsanwaltschaft sind mehrere Kunden betroffen, trotzdem wollte die Bank dies offenbar ohne Anzeige regeln.

Was wusste die Bank Alpinum?

Das wirft eine Reihe von Fragen auf: Was wusste die Bank Alpinum? Wann wurde dieser Vertrag geschlossen? Wer hat ihn von Seiten der Geschäftsleitung unterzeichnet? Dazu kann Häberle, der die Bank erst seit Mai dieses Jahres leitet, keine Auskunft geben. Er sei darin nicht involviert gewesen. Jemand bei der Bank hat aber offenbar versucht, die mutmasslichen Verfehlungen des Verdächtigen unter Verschluss zu halten.

Es war daher auch nicht die Bank, die den Stein bei den Behörden ins Rollen brachte: «Die Verhaftung des Mitarbeiters erfolgte nicht im Zusammenhang mit seinen Verfehlungen bei der Bank, sondern aufgrund anderer vermuteter Delikte», erklärte CEO Häberle schriftlich. Er wisse nicht, wann die Staatsanwaltschaft aktiv geworden sei. Brancheninsidern zufolge ist der Banker wegen Versicherungsbetrugs ins Visier der Ermittler geraten. Die Bank ist infolgedessen involviert worden. «Aufgrund unserer Kontrollsysteme haben wir betrügerische Verfehlungen eines Mitarbeiters aufgedeckt. Der betreffende Mitarbeiter ist umgehend fristlos entlassen worden. Kein Kunde kommt zu Schaden», erklärte Häberle.

Staatsanwaltschaft sieht es anders

Die Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage, dass der Geschädigte eine Vereinbarung abschliessen kann, ohne die Behörden zu informieren. Es handelt sich dabei um tätige Reue. Laut Staatsanwalt Robert Wallner liegt trotzdem kein Grund zur Strafaufhebung vor. «Die vom Beschuldigten mit seiner Arbeitgeberin abgeschlossene Vereinbarung zur Schadensgutmachung umfasst nicht den gesamten Schaden, sie ist hinsichtlich der Zahlungsfrist nicht konkret genug und sie hätte mit den einzelnen geschädigten Bankkunden abgeschlossen werden müssen», erklärt der Staatsanwalt weiter. Auch wenn die Bank zivilrechtlich für den Schaden aufkommen wird, ändere das laut Wallner nichts daran, dass die Bankkunden die unmittelbar Geschädigten waren. Ob jene davon überhaupt informiert wurden, ist nicht bekannt.

Bei der Frage, ob die Bank gegen das Sorgfaltspflichtgesetz verstossen hat, verwies Staatsanwalt Robert Wallner an die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA). Diese wiederum wollte sich dazu nicht äussern. Die Aufsicht unterstrich lediglich, erst nach der Verhaftung des Beschuldigten von der Vereinbarung erfahren zu haben. «Im Übrigen verweisen wir auf die Strafanzeige der FMA und die laufenden Untersuchungen der Strafbehörden sowie der FMA», erklärte die Aufsicht.

Dabei dürfte die FMA auf einige Ungereimtheiten stossen: Der ehemalige CEO der Bank, Urban Eberle, ist im April zum Vizepräsidenten des Verwaltungsrates gewählt worden. Doch die Wahl ist sistiert worden, wie ein ehemaliger Mitarbeiter erklärt. «Die Indi­zien zeigen, dass der ehemalige CEO Urban Eberle in den Fall involviert ist», schreibt «Wirtschaft regional».