Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VADUZ: 130 000 Gläubiger betroffen

Italienische Fussballclubs und tausende Versicherte blicken nach Liechtenstein. Denn hier sitzt eine Firma, die Insolvenz anmelden musste. Offenbar gibt es 130 000 Gläubiger in ganz Europa.
Dorothea Alber
In dieser Liegenschaft ist der Firmensitz der Gable Insurance in Vaduz. Die Firma musste die Insolvenz anmelden. (Bild: Daniel Schwendener)

In dieser Liegenschaft ist der Firmensitz der Gable Insurance in Vaduz. Die Firma musste die Insolvenz anmelden. (Bild: Daniel Schwendener)

Dorothea Alber

redaktion@wundo.ch

Die Vaduzer Firma Gable Insurance hat eine Prelit hingelegt, die 130000 Gläubiger nach Liechtenstein blicken lässt. Zumindest vermutet das Fürstliche Landesgericht, das es so viele Betroffene gibt, die noch immer auf ihr Geld warten.

Eigentlich ist der Versicherer Gable Insurance in Liechtenstein keine gewöhnliche Firma. Es gab keine Mitarbeiter, die jeden Tag in das Gebäude in Vaduz strömten, sondern die Geschäfte liefen über Grossbritannien. Dort war das Unternehmen also operativ tätig. Dennoch kommt nun Liechtenstein ins Spiel, denn Gable sitzt in Vaduz. Deswegen war es auch die hiesige Finanzmarktaufsicht (FMA), die Gable praktisch vom Markt genommen hat. Angesichts der schlechten Zahlen mit Verlusten von umgerechnet etwa 27 Millionen Euro wurde das Neugeschäft Ende 2016 untersagt. Daraufhin blieb dem Unternehmen kein anderer Ausweg, als die Insolvenz anzumelden. Bis Ende 2017 sollten Gläubiger ursprünglich die Chance haben, ihre Forderungen anzumelden. Weil sich beim Insolvenzverwalter in Vaduz bisher erst 1900 Gläubiger gemeldet haben, wurde die Frist vom Landgericht unlängst um ein weiteres Jahr bis September 2018 verlängert.

Seitdem Gable Insurance Insolvenz angemeldet hat, gelangten immer mehr Informationen über das Unternehmen an die Öffentlichkeit.

Clubs müssen anderen Kreditgeber suchen

So konnten etwa mindestens 20 italienische Fussballclubs nur dank der Garantien, die das Unternehmen ausgestellt hatte, in die Meisterschaft aufgenommen werden. Dank dieser Verträge konnten die Clubs dem italienischen Fussball-Dachverband garantieren, zahlungsfähig zu sein und etwa die Gehälter an ihre Spieler zahlen zu können. Es gehe laut der italienischen Zeitung «L’Espresso» um 20 Policen in der Höhe von je 350 000 Euro.

Nach der Pleite des Unternehmens mussten sich die Clubs nach anderen Kreditgebern umsehen. Viele italienische Clubs sind hoch verschuldet. Auch die erste Liga (Serie A) kämpft mit roten Zahlen. Brancheninsider sprechen davon, dass sich Gable mit den Garantien in Italien verzockt habe. Der Versicherer hatte – bei nur 100 Millionen Euro Prämienumsatz – für 12 Millionen Euro Kreditgarantien für Transfers von Fussballern gegeben, berichtet «L’Espresso» weiter.

Wesentlich schwerer wiegen aber die vielen Versicherten, die nun um ihr Geld bangen müssen. Beim Unternehmen Direkt Assekuranz Service GmbH (DAss) in Deutschland, das Versicherungen der Gable in Deutschland angeboten hat, sind im Augenblick 600 Schäden von Kunden in Höhe von 1,5 Millionen Euro offen.

Doch seit der Insolvenz können keine Schadenszahlungen mehr fliessen. Daniel Wirtz, der Geschäftsführer von DAss, bestätigt den Geldstillstand. Er zeigte sich nicht sehr glücklich darüber, dass die Frist für Forderungen der Gläubiger verlängert wurde. So kann bis September kein Geld fliessen und seine Kunden müssen weiter warten.

Zahlungen sind abgeriegelt

Wie Wirtz betont, arbeite sein Unternehmen sehr gut mit dem Insolvenzverwalter zusammen. Allerdings wünsche er sich, dass der Informationsfluss etwas intensiver wäre. Die DAss versuchte für die betroffenen Kunden beim Konkursverwalter bereits zu erreichen, dass sie einen Vorschuss auf die 1,5 Millionen Euro Schadensumme bekommt und an die Kunden weitergeben kann. Doch dem Insolvenzverwalter in Vaduz sind die Hände gebunden; die Zahlungen sind abgeriegelt. Jener kann dazu nichts sagen. «Es ist nicht einfach für uns, darüber hinaus Auskunft zu geben, weil wir sowohl das Versicherungs- wie auch das Anwaltsgeheimnis brechen könnten», heisst es auf Anfrage.

Die Frage wird auch sein, wie viel Geld für die Gläubiger schliesslich noch übrig ist. Daniel Wirtz glaubt, dass noch Geld da. Nachdem die FMA das Neugeschäft untersagte, prüfte PricewaterhouseCoopers die Gable wochenlang. Das dürfte noch einiges an übrigen Geldern aufgefressen haben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.