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URAUFFÜHRUNG: Zuerst weit oben, dann tief unten

Schritt für Schritt nimmt am Theater St. Gallen die nächste Musicaluraufführung Gestalt an. «Matterhorn» von Michael Kunze und Albert Hammond will auch ein Lehrstück über unsere Beziehung zur Natur sein.
Rolf App
«Hier bin ich zu Haus»: Das ganze Ensemble stimmt Albert Hammonds «Zermatt-Lied» an. (Bild: Mareycke Frehner)

«Hier bin ich zu Haus»: Das ganze Ensemble stimmt Albert Hammonds «Zermatt-Lied» an. (Bild: Mareycke Frehner)

Rolf App

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@tagblatt.ch

Als einer von ganz wenigen ist Peter Davison nicht zur Vorstellung des Musicalprojekts «Matterhorn» am Theater St. Gallen gekommen. Handlich klein steht dafür sein Bühnenbildmodell in der Lokremise. Neben dem vollzählig aufmarschierten Ensem­ble, einem munteren Haufen junger Leute, aus dem die älteren Herren hervorstechen. Der Inder Shekhar Kapur etwa, der nach berühmten Filmen zum ersten Mal ein Musical inszeniert. Oder Albert Hammond, dessen Ruhm als Singer-Songwriter im umgekehrten Verhältnis steht zu seinem stillen Auftreten. Hammond hat viele Stile ausprobiert, aber nie ein Musical komponiert. Bis Michael Kunze ihn angefragt hat. «Ich liebe Abenteuer», sagt Hammond. Und so hat er sich ins musikalische Abenteuer gestürzt.

Von Kunze stammt die Idee, aus der Erstbesteigung des Matterhorns durch den Engländer Edward Whymper und seine Seilschaft am 14. Juli 1865 ein Bühnenstück zu machen. An Dramatik ist es kaum zu überbieten: Da ist das Wettrennen zum Gipfel gegen eine italienische Seilschaft, die von Süden her nach oben drängt. Da ist die bunt zusammengewürfelte Mannschaft, von der vier Mitglieder beim Abstieg in die Tiefe stürzen. Da ist ein Seil, das reisst und zu einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung um die Frage führt, wer Schuld trägt am Desaster. So wird Whympers Ruhm nachhaltig verdunkelt. Doch «das Matterhorn-Musical ist mehr als ein historisches Bergsteigerdrama», zitieren die Presseunterlagen Kunze. Es behandle vielmehr den höchst aktuellen Konflikt zwischen Mensch und Natur. «Und mehr als nebenbei geht es um die Gier nach Erfolg».

Natürlich erzählt «Matterhorn» auch eine Geschichte über die Schweiz. Über jenen Aufschwung, den ein armes Bergdorf wie Zermatt dank dieses Bergs nimmt, der mit seiner markanten Form zur Ikone wird. «Wir sind stolz, dass diese Musicaluraufführung am Theater St. Gallen zum ersten Mal einem Schweizer Thema gilt», sagt Theaterdirektor Werner Signer. Und fügt gleich bei: «Das Matterhorn steht auch für die Internationalität der Schweiz.»

Der Berg wird zur Metapher für vieles

«Im Heimatton wird ‹Matterhorn› nicht gehalten sein», ergänzt Opernchef Peter Heilker denn auch. Peter Davisons Bühne präsentiert vielmehr Berg und Dorf als Metaphern. «Edward Whymper ist als Zeichner in die Schweizer Berge gekommen», erzählt der Regisseur Shekhar Kapur. «Mit diesem Zeichnungsstil arbeiten wir auch.» Der Österreicher Franz Blumauer, aus dem Salzkammergut stammend, hat zu dieser Bergwelt eine enge Beziehung. Ihm lässt das aufs Zeichenhafte verknappte Bühnenbild viel Raum für seine zugleich modernen wie dem Trachtenstil angenäherten Kostüme.

Einen Pferdefuss allerdings birgt die Geschichte von Eroberung und Absturz: Sie handelt von lauter Männern. Schon das Plakat mit der sich in den Berg schiebenden Frauensilhouette macht aber deutlich, dass Michael Kunze ein weibliches Element dazuerfunden hat. Edward Whymper hat nämlich eine Frau im Auge: Er will Olivia, der Tochter des englischen Seilfabrikanten John Buckingham, beweisen, dass er besser ist als ihr Verlobter, der reiche Robert Hadow. Olivia, dargestellt von Veronica Appendu, ist es denn auch, die Whymper – abwechselnd gespielt und gesungen von Oedo Kuipers und Rune Høck Møller – nach seiner Rückkehr auffordert, aus der Niederlage zu lernen.

Von der Zauberin zum Berggeist

Wie das neue Musical klingen wird, das war am Dienstag erst in wenigen Kostproben zu hören – und von Jonathan Huons Choreografie noch gar nichts zu sehen. Was nicht weiter erstaunen darf. Denn erst seit einer Woche sind die Sängerinnen und Sänger an der Arbeit, und bis zur Uraufführung am 17. Februar bleibt noch genug Zeit.

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