Unterschriften-Duell um die Kanti

Die Politiker aus dem Linthgebiet drängen schon seit Jahren auf eine eigene Kanti im Linthgebiet. Nun sammelt eine Interessengemeinschaft Unterschriften. Zur gleichen Zeit ist auf Toggenburger Seite eine Petition lanciert.

Hansruedi Kugler
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Das Gebäude der Kanti Wattwil im Zentrum der Toggenburger Gemeinde stammt aus dem Jahr 1970. (Bild: pd)

Das Gebäude der Kanti Wattwil im Zentrum der Toggenburger Gemeinde stammt aus dem Jahr 1970. (Bild: pd)

WATTWIL. Nun wird also die ganze Bevölkerung des Toggenburgs und des Linthgebiets aufgefordert, Farbe zu bekennen: Soll der Neubau der Kanti Wattwil in Wattwil oder doch im Linthgebiet gebaut werden?

Bei diesem Fernduell wetteifern die Interessengemeinschaft IG «Pro Bildungsstandort Linthgebiet» und Initianten einer Petition «Ja zum Bildungsstandort Wattwil». Hinter der IG stecken die Präsidenten aller Gemeinden im Linthgebiet, 12 der 16 Kantonsräte des Wahlkreises See-Gaster und Arbeitgebervertreter. Die Online-Petition für den Bildungsstandort Wattwil haben zwei ehemalige Kantischüler, Esther Meier und Ivan Louis, lanciert. Vorgestern nachmittag übergab zudem eine Delegation der Arbeitgebervereinigung Toggenburg der Regierung einen offenen Brief, in welchem sie klar machten, dass sie es für wichtig erachten, dass die Kanti am Standort Wattwil erhalten bleibt.

«Dort, wo die Schüler sind»

Die Argumente sind dabei seit Jahren immer die gleichen: Die Interessenvertreter des Linthgebiets weisen auf deren dynamische Bevölkerungsentwicklung hin, halten es für selbstverständlich, dass Rapperswil als zweitgrösste Stadt im Kanton auch eine Kanti bekommt, und wollen eine Standortanalyse «ohne Regionalpolitik». Für sie käme ausser Rapperswil auch Uznach als Standort in Frage. Auf ihrem Flyer abgebildet ist allerdings nur das Linthgebiet, das Toggenburg ist ausgeblendet. Präsidentin der IG «Pro Bildungsstandort Linthgebiet» ist Yvonne Suter, CVP-Kantonsrätin aus Rapperswil-Jona. Ihr Hauptargument für einen Standortwechsel: «Schulen stehen dort, wo die Schüler sind.» Nur bei der Kanti Wattwil folge die Regierung nicht diesem Grundsatz. Denn zwei Drittel der Schüler an der Kanti Wattwil stammen aus dem Linthgebiet.

Diesen offensiven Forderungen halten Esther Meier und Yvan Louis entgegen: Mit einem Standortwechsel würde eine strukturschwache Region Toggenburg mit Blick auf die Zukunft weiter geschwächt, in Wattwil stehen in Bahnhofsnähe geeignete Grundstücke für einen Neubau zur Verfügung, und der historische Konsens über die Verteilung der Standorte kantonaler Schulbauten würde gefährdet. Denn Rapperswil hat neben der Gewerbeschule bereits eine florierende Fachhochschule, bei welchem aktuell ein Forschungszentrum für 42 Millionen Franken realisiert wird. Vor allem aber sei Wattwil als Standort für alle im Einzugsgebiet gut erreichbar.

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