Ungetrübte Ferien in Griechenland?

Diesen Herbst zog es mich einmal mehr nach Griechenland. Dieses Mal auf die Insel Samos. Die grüne Insel liegt in der südlichen Ägäis. Das Meer ist im Oktober noch warm und lädt zum Baden ein. So geniesse ich einen wunderschönen Nachmittag am Strand.

Pfarrer Daniel Hanselmann, Wartau
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Diesen Herbst zog es mich einmal mehr nach Griechenland. Dieses Mal auf die Insel Samos. Die grüne Insel liegt in der südlichen Ägäis. Das Meer ist im Oktober noch warm und lädt zum Baden ein. So geniesse ich einen wunderschönen Nachmittag am Strand. Es ist herrlich, ins tiefblaue Meer einzutauchen. So müssen ungetrübte Ferien sein.

Als ich aus dem Wasser steige, sehe ich plötzlich auf der anderen Seite der Bucht viele Schwimmwesten liegen. Orange leuchtend. Alle auf einem grossen Haufen angesammelt. In der Nähe sehe ich einen Fischer. Ich frage ihn, warum so viele Schwimmwesten eingesammelt wurden. Er erklärt mir: Jeden Morgen kommen Schlauchboote an. Überfüllt mit Flüchtlingen.

Während ich an einem anderen Morgen auf der Terrasse des Hotels in Samos sitze und gemütlich einen griechischen Kaffee trinke, ziehen plötzlich auf der anderen Strassenseite viele Menschen vorbei. Sofort wird mir klar: die Flüchtlinge sind auf dem Weg Richtung Hafen. Geflohen aus einem Land, wo sich die Grossmächte USA und Russland einen Stellvertreterkrieg liefern. Geflohen aus einem Land, wo der «Islamische Staat» sich kämpferisch ausbreitet, Menschen tötet, vertreibt und uralte Kulturgüter zerstört. Ich komme ins Nachdenken: Niemand verlässt freiwillig seine Heimat und lässt alles zurück, was er hat. Diese Menschen müssen fliehen. Sie hoffen auf eine neue Zukunft. Sie hoffen. Aber vorerst müssen sie irgendwohin ziehen. Niemand will sie aufnehmen.

Trage ich eine Verantwortung? Ich persönlich? – Ich merke, dass sich in mir eine Ohnmacht ausbreitet. Wer trägt die Verantwortung für die ganze Misere? Wer soll in dieser Tragödie helfen? In mir steigt immer mehr Unbehagen auf – und auch Wut. Denn ich bin der Meinung, dass in den jeweiligen Ländern die Probleme gelöst werden sollten. Im Falle von Syrien scheint es unmöglich zu sein. Von einer Beendigung jenes Krieges hab ich bis anhin nichts gehört. Meine Gedanken kommen zu keinem Schluss. Ich bleibe ratlos.

Ich sitze während meinen Ferien auf der Terrasse meines Hotels und trinke einen Kaffee. Was mir vor Augen ist, beschäftigt mich sehr. Ist diese Welt nicht zynisch?

Ein Kirchenlied kommt mir in den Sinn, wo es heisst: «We shall overcome someday, oh, deep in my heart, I do believe, we shall overcome someday.» Und im letzten Vers des Liedes heisst es: «Eines Tages werden wir im Frieden leben. Oh, tief in meinem Herzen glaube ich daran...»

Soll das mein Gebet sein und bleiben? Trotz allem?