Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Unerwartetes Wiedersehen mit Nikolay

Benis Olympia-Tagebuch
Beni Giger (Mitte) mit Pistenchef Nikolay (links) und dem langjährigen FIS-Renndirektor Günter Hujara. (Bild: PD)

Beni Giger (Mitte) mit Pistenchef Nikolay (links) und dem langjährigen FIS-Renndirektor Günter Hujara. (Bild: PD)

Unsere eigentliche Arbeit hat heute mit dem ersten Abfahrtstraining der Männer angefangen. Es gibt TV-Stationen, die dieses live übertragen. Bei den ersten Produktionen eines solchen Grossanlasses herrscht immer eine grosse Nervosität. Viele Menschen haben auf diesen Tag hin gearbeitet, bis zu vier Jahre lang. Einer von ihnen ist mein Freund Nikolay, der heute Morgen fast nicht ansprechbar war.

Vom Weltall auf den Abfahrtshang

Nikolay stammt aus Moskau. Ich habe ihn bei den letzten Olympischen Spielen in Sotschi kennen gelernt. Zuvor war Nikolay ein Teilnehmer im russischen Mondfahrtprogramm. Er hat mir erzählt, dass er direkt nach der Schule dort aufgenommen wurde. In den fast zehn Jahren, in denen er dort war, hatte er kaum Freizeit. Jeden Tag besuchte er die Schule und musste viel lernen. Als noch fünf Personen auf der Liste standen, fiel er aus dem Programm und musste seine Ausbildung innert kurzer Zeit abbrechen. Nikolay wusste nicht, was er machen soll und hat in Sotschi als Abschnittschef auf der Piste angeheuert. Dort hat er zufällig mit seinem Vater zusammengearbeitet.

Wir haben uns in Sotschi angefreundet und der Abschied war schwer. Denn ich dachte, dass ich Nikolay nie wiedersehen würde. Umso grösser war die Freude, ihn hier in Pyeongchang zu treffen. Er ist als Chef der Abfahrtspiste angestellt. Er hat rund 200 Leute – meist Russen und Koreaner – unter sich und alles im Griff. Er ist immer an der Arbeit und hat stets ein Funkgerät, zwei Telefone und eine Schaufel bei sich. Dank unserer guten Zusammenarbeit haben seine russischen Helfer heute eine Schneemauer gebaut, sodass wir einen lärmigen Motor nicht mehr hören. Mit Nikolay zu sprechen ist eine absolute Bereicherung. Ich glaube, es gibt nichts, das er nicht weiss. Wir schauen oft zusammen zum Mond hinauf und ich fragte ihn einmal, ob er nicht lieber dort wäre. «Nein, es ist okay, so wie es ist», antwortete er. Ich weiss jetzt schon, dass mir der Abschied von ihm sehr schwer fallen wird.

«Abefahre» beim «Abefahre»

Nach dem Abfahrtstraining sind Nikolay, der Kurssetzer Hannes Trinkl und ich noch einmal langsam die Strecke hinuntergefahren. Wir haben dabei neue Ideen kreiert. Den Berg hinunterzu-fahren, ohne Telefon, ohne Funkgerät und völlig stressfrei – das war einer der besonders schönen Momente. Übrigens, ein Training fürs Fernsehen zu produzieren ist gar nicht so einfach, denn die Athleten fahren einfach herunter, und es fehlen die Emotionen. Ich hoffe sehr, dass es bald besser wird, denn einige Nationen, wie die Schweiz, vergeben Startplätze entsprechend den Ergebnissen im Training. So wird Freud und Leid nahe beieinander sein, und solche Emotionen sind gefragt.

Beni Giger

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.