UMWELTSCHUTZ: Freiheit in der Luft

Drohnen werden im Alpstein zum Problem, weil sie Wildtiere aufscheuchen. Regelungen werden gefordert.

Patrick Baumann
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Patrick Baumann

Drohnen sind mittlerweile für jedermann erhältlich. Viele dieser ferngesteuerten helikopterähnlichen Geräte dürften vergangenes Wochenende als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum gelegen haben. Doch ihr Betrieb ist nicht unproblematisch. Erst vor kurzem hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) eine interaktive Karte publiziert, auf der zu sehen ist, wo Drohnen grundsätzlich fliegen dürfen und wo nicht. Verboten ist der Betrieb im Umkreis von fünf Kilometern rund um Flugplätze, Flughäfen und Helikopterbasen.

Nun ist es gemäss WWF und den Jagdverwaltungen der Ostschweizer Kantone an der Zeit, die Drohnenfliegerei auch wildtierverträglich zu regeln, weil Wildtiere in unbewohnten Gebieten durch die Drohnen gestört werden.

«Es ist dringend nötig, dass sich Bund und Kantone einigen, wer Einschränkungen erlassen kann. Während die Kantone am Boden regulieren können, herrscht in der Luft die grosse Freiheit. Das muss ändern, das Wild braucht Gebiete, in denen es weder vom Boden noch von der Luft aus gestört wird», sagt Martin Zimmermann, Geschäftsführer des WWF St. Gallen/Appenzell in einer Mitteilung.

Ueli Nef, Jagd- und Fischereiverwalter im Kanton Appenzell Innerrhoden, präzisiert das Pro­blem: «Der Drohnenflug im Alpstein hat in den letzten drei Jahren extrem zugenommen. Problematisch ist, dass die Drohnen auch dorthin gesteuert werden können, wo man als Mensch nicht hinkommt. Genau dort aber halten sich viele Wildtiere auf und geraten durch die Drohnen in Panik.»

Greifvögel und Gemsen sind gefährdet

Nef will niemandem böse Absicht unterstellen. Vielmehr gehe es darum, die Leute für dieses vergleichsweise junge Problem zu sensibilisieren. Er illustriert das an zwei Beispielen: «Gemsen beispielsweise können eine Drohne nicht von einem Stein­adler unterscheiden. Auf den Steinadler als Feind haben sie sich aber im Laufe der Evolution eingestellt. Wenn nun plötzlich eine Drohne über sie hinwegfliegt, löst dies bei den Gemsen eine panikartige Fluchtreaktion aus.» Speziell im Winter und Frühjahr seien Greifvögel gefährdet. «Diese balzen und brüten von Januar bis in den Frühling hin­ein. Männchen und Weibchen wechseln sich jeweils beim Ausbrüten der Eier ab. Nähert sich eine Drohne, versuchen die Vögel instinktiv ihr Nest zu verteidigen.» Dabei könne es zum Verlust des Nachwuchses kommen, weil die Eier auskühlten.

Eine Regulierung der Drohnenflüge in Gebieten mit Wild­tieren werde nicht nur in der Ostschweiz, sondern landesweit diskutiert. Die Schweiz sei, was Drohnen angehe, ein sehr liberales Land.

«Bei Drohnenflügen über Gebieten mit Wildtieren bin ich aber der Meinung, dass wir eine schweizweite Lösung anstreben sollten. In der Luft herrscht momentan Narrenfreiheit», sagt Nef. Wie diese Lösung genau aussehen soll, ist noch nicht geklärt. «Vorstellbar wären beispielsweise für Drohnen gesperrte Gebiete oder auch Schulungen betreffend des Umgangs mit Drohnen.» Im Kanton Wallis gebe es bereits eine Drohnenflugschule, in der auch rechtliche Aspekte sowie umweltverträgliches Verhalten im Umgang mit Drohnen unterrichtet werde.