Um die Ehre und Tabellenspitze

Vor dem Derby FC Trübbach gegen FC Haag präsentiert sich die Ausgangslage unterschiedlich. Das Heimteam will weiter oben mitspielen und deshalb gewinnen. Für die Gäste ist der Aufstiegszug abgefahren, jetzt geht es um die Ehre.

Robert Kucera
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Der Stille: Roger Schönenberger, Captain FC Trübbach.

Der Stille: Roger Schönenberger, Captain FC Trübbach.

FUSSBALL. Unaufgeregt blicken die Captains des FC Trübbach und des FC Haag in Richtung Sonntag. Das 4.-Liga-Derby wirft keine hohen Wellen. «Es ist ein Spiel, in welchem man motivierter ist als sonst», verrät Roger Schönenberger. Das spezielle Kribbeln fällt allerdings aus. Bei Trübbach geht derzeit nur etwas unter die Haut: Kampf um Rang eins. «Jeder Gegner ist da gleich», so der Captain. Sein Antipode Raphael Haldner nimmt das Wort «Derby» gar nicht erst in den Mund. «Das Spiel ist aus zwei Gründen spannend: Zum einen mischt Trübbach vorne mit, also dort, wo wir uns ursprünglich gesehen haben. Zum anderen können wir Schützenhilfe in eine Richtung leisten, wo es am wenigsten erwartet wird, nach Gams.» Haldner gehört bereits jener Generation an, welche den Nachbar als Mitstreiter und nicht als Erzfeind betrachtet.

Teamwork und Wille

Haag ist nicht gewillt, Punkte zu verschenken. «Vielleicht können wir unseren Freunden aus Gams einen Dienst erweisen», sagt Haags Captain gut gelaunt und zuversichtlich. Und dies, obwohl das Vorrundenspiel mit 1:4 verloren ging. Davon lässt sich auch Schönenberger nicht blenden. «Es wird nicht einfach», weiss er. Respekt zollt er vor allem der Haager Offensivkraft. Auch wenn diese zuletzt arg ins Stocken geraten ist. «Wer keine Tore schiesst, gewinnt nicht. Wir müssen effizienter werden und uns auf dem Platz besser bewegen», übt Raphael Haldner Selbstkritik.

«Die ganze Mannschaft muss am selben Strick ziehen», hat Roger Schönenberger das Rezept für drei Punkte parat. «Wenn jeder das macht, was er kann, dann hat's jeder schwer gegen uns», so der Trübbächler. Und der Haager betont mit Nachdruck, dass der Wille am Sonntag ein entscheidender Faktor sein wird. «11 von 11 müssen den Sieg wollen und nicht 8 von 11. Wir müssen Kampfbereitschaft über 95 Minuten an den Tag legen. Wir geben alles – es ist eine Frage der Ehre und des Charakters.»

Neue Kapitel aufschlagen

Glücklich über die aktuelle Tabellenlage ist man nur auf Trübbacher Seite. Ein Glück, das weiss Captain Schönenberger, das vergänglich ist. Er erinnert sich an die letzten Jahre, als es auf der Gufalons oft geheissen hat: «Ach, hätten wir doch mehr getan.» In dieser Spielzeit wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. «Das soll sich nicht mehr wiederholen. Wir heben nicht ab, es herrscht kein Larifari. Im Training wird immer ein bisschen mehr gemacht, denn zufrieden sind wir nie. Wir wollen weiter oben mitspielen können. Und dafür arbeiten wir hart. Wenn wir alle Vollgas geben, wird es sehr heiss vorne.»

Kein grosser Experte wäre derjenige, der prophezeit, dass sich sonntags der FC Haag am FC Trübbach nicht nur die Zähne ausbeisst, sondern auch die Lippen verbrennt. Zumal die Haager an akuter Derby-Schwäche leiden. Fünf von sechs Derbys hat man in der letzten Saison verloren, heuer wartet Haag nach vier Derbys nach wie vor auf den ersten Sieg. «Es wäre Zeit zum Gewinnen», sagt Raphael Haldner. Ein neues Kapitel also. Doch dieses ist bereits aufgeschlagen. Viele Routiniers haben den Verein verlassen, es gilt, neue junge Spieler ins Team einzufügen. Der FC Haag, so erklärt Haldner, sei im Umbruch. «Der Aufstieg ist kein Thema mehr. Das klare Ziel muss es sein, dass die Mannschaft gefestigt wird.» Auch im Kopf, wenn man gegen einen Werdenberger Vertreter spielt. Der Captain glaubt, dass bei vielen jungen Akteuren die Nervosität noch zu gross ist für solche Affichen.

Vereinstreu und pro Barca

Raphael Haldner und Roger Schönenberger sind zwei Captains, die mit verschiedenen Ausgangslagen in die Partie gehen und auch sonst unterschiedlich sind. «Ich bin ein kampfbereiter und bissiger Spieler», sagt Haldner, der «Beisser» des FC Haag. «Ich bin ziemlich ruhig, mache keine Solos und bin ein Teamplayer», beschreibt sich Schönenberger. Und doch hat das Duo viel gemeinsam. Die Captains sind zwar Verteidiger, spielten aber zuvor offensive Parts in ihren Vereinen. Ausserdem sind beide sehr vereinstreue Typen. Zu einer Pattsituation kam es gar zu einem unabhängig voneinander geführten Champions-League-Duell. Sowohl bei «Juve oder Real» als auch bei «Barca oder Bayern» lautete die Antwort gleich: Juve und Barca. Und für die Captains steht fest: Messi & Co. holen den Titel.

Der Kämpfer: Raphael Haldner, Captain FC Haag. (Bilder: Robert Kucera)

Der Kämpfer: Raphael Haldner, Captain FC Haag. (Bilder: Robert Kucera)

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