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Uhlmann: «Unverständnis und Betroffenheit»

Nachgefragt
Thomas Schwizer
Der Ruf von Raiffeisen Schweiz hat durch den Fall von Ex-CEO Pierin Vincenz gelitten, die lokalen Raiffeisenbanken spüren dagegen unverändert das Vertrauen ihrer Kunden. (Bild: Donato Caspari)

Der Ruf von Raiffeisen Schweiz hat durch den Fall von Ex-CEO Pierin Vincenz gelitten, die lokalen Raiffeisenbanken spüren dagegen unverändert das Vertrauen ihrer Kunden. (Bild: Donato Caspari)

Interview: Thomas Schwizer

thomas.schwizer@wundo.ch

Kurz vor den Jahresversammlungen der regionalen Raiffeisenbanken wurden die Geschehnisse um Pierin Vincenz bekannt. Der bis 2015 als CEO der Raiffeisen Schweiz wirkende Bündner sitzt seit dem 2. März in Untersuchungshaft. Der W&O hat bei den Vorsitzenden der Bankleitungen der Raiffeisenbanken Werdenberg, Sandro Uhlmann, und Sennwald, Monika Göldi, nachgefragt, wie sie mit den Anschuldigungen gegen den langjährigen Chef der Raiffeisen-Gruppe wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung umgehen. Zudem interessiert, was für Auswirkungen das Strafverfahren gegen Pierin Vincenz, für den weiter die Unschuldsvermutung gilt, auf das lokale Geschäft hat.

Ist für die Raiffeisenbank Werdenberg bzw. die Raiffeisenbank Sennwald wegen der Geschehnisse rund um den ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz ein Schaden entstanden, finanzieller Art oder in Form eines Vertrauensverlustes?

Sandro Uhlmann: Glücklicherweise zeigt es sich, dass unsere Kunden und Genossenschafter recht gut zwischen dem Kundengeschäft ihrer selbstständigen Raiffeisenbank vor Ort und den Anschuldigungen gegen den ehemaligen CEO von Raiffeisen Schweiz zu unterscheiden wissen. Die Kunden vertrauen uns nach wie vor und halten uns die Treue. Finanzielle Folgen sind entsprechend keine spürbar. Wir profitieren sicher davon, dass wir uns in unserem Geschäftsgebiet stark engagieren. Dadurch und über unsere bestens verankerten Mitarbeitenden konnten wir über die Jahre sehr tragfähige Beziehungen zu unseren Kunden aufbauen. Wir sind überzeugt, dass das Vertrauen in uns gerechtfertigt ist. Sowohl die Führung, wie auch unsere Mitarbeitenden geben im Interesse unserer Kunden und Mitglieder wie bisher ihr Bestes.

Monika Göldi: Nein – einen direkten wirtschaftlichen Schaden haben wir lokalen Raiffeisenbanken keinen zu tragen. Die Geschehnisse betreffen nur Raiffeisen Schweiz und sind nicht mit uns autonomen und selbstständigen Raiffeisenbanken vor Ort in Verbindung zu bringen. Bis jetzt ist es auch zu keinen Kontosaldierungen bzw. zu Geldabflüssen gekommen. Die Kunden und Mitglieder unserer Bank können zwischen den Vorgängen bei Raiffeisen Schweiz in St. Gallen und unserer Arbeit hier vor Ort gut unterscheiden. Im täglichen Kundenkontakt spüren unsere Mitarbeiter und ich unverändert ein starkes gegenseitiges Vertrauen.

Gab es besorgte Reaktionen von Kundinnen und Kunden der Raiffeisenbank Werdenberg bzw. Sennwald?

Uhlmann: Es gab und gibt einzelne Reaktionen, die wir natürlich ernst nehmen. Allerdings waren diese nicht mit Besorgnis oder gar Angst verbunden. Vielmehr zeigt man sich enttäuscht über das mutmassliche Verhalten eines Sympathieträgers und langjährigen Vorzeigebankers.

Göldi: Wir hatten relativ wenig Reaktionen seitens unserer Kunden, welche sich direkt auf der Bank meldeten. Viel eher werden unsere Mitarbeiter und ich im privaten Rahmen durch Kunden und Bekannte auf den Fall angesprochen. Die Enttäuschung der Kunden bezüglich der Person Pierin Vincenz ist jedoch gross, da er als der volksnahe Macher von Raiffeisen galt.

Wie reagieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Raiffeisenbank Werdenberg bzw. Sennwald auf die negativen Schlagzeilen gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef?

Uhlmann: Bei den Mitarbeitenden ist es ähnlich wie bei den Kunden. Es wird differenziert betreffend unserer Bank und den Vorkommnissen um den früheren Chef von Raiffeisen Schweiz. Es herrscht sicherlich Unverständnis und Betroffenheit. Das umso mehr, weil unsere Belegschaft Herrn Vincenz für seine Verdienste in der Gruppe geschätzt und man ihn als bodenständig und glaubwürdig empfunden hat. Trotzdem – es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Göldi: Auch wenn der Fall in unserer Bank intern natürlich ein grosses Thema ist, sorgt er unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht für Verunsicherung. Zumal ja noch völlig unklar ist, ob und was genau sich Pierin Vincenz hat zuschulden kommen lassen. Wir wissen auch nicht mehr als was die Medien berichten.

Wird an der Generalversammlung der Raiffeisenbank Werdenberg über das Thema informiert?

Uhlmann: Unsere Generalversammlung im April gibt uns die Möglichkeit, beruhigend darauf hinzuweisen, dass die Raiffeisenbank Werdenberg nicht involviert ist. Wir sind in dem Verfahren weder Partei noch verfügen wir über weitergehende Informationen. Eine Kommentierung ist daher nicht, oder höchstens situativ, möglich. Die wichtigste Botschaft ist: Die Sicherheit unserer Kundenbeziehungen ist in keiner Weise beeinträchtigt.

Wie wurde an der Generalversammlung der Raiffeisenbank Sennwald über das Thema informiert?

Göldi: Unser Verwaltungsratspräsident Martin Ammann hat in seiner Einführung proaktiv über den Fall Vincenz informiert. Aufgrund dieser Information hat sich dann im Anschluss in der allgemeinen Umfrage auch kein Genossenschafter zu den Geschehnissen um Pierin Vincenz zu Wort gemeldet.

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