ÜBERRASCHUNG: Bundesrat lanciert seine Nachfolgerin

Johann Schneider-Ammann bringt an der Wahlfeier in Wil die frisch­gebackene St. Galler Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter als Nachfolgerin ins Spiel.

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Es ist unüblich, dass sich Bundesräte zu potenziellen Nachfolgern äussern. Umso überraschender sind daher Aussagen von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann an der offiziellen Feier für die frischgebackene Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter gestern Abend an ihrem Wohnort Wil.

Ihre Wahl sei «ein Ablenkungsmanöver, das nur den Weg in meine Fussstapfen freihalten soll», sagte der FDP-Bundesrat vor geladenen Gästen in der Kirche St. Nikolaus. Auf Nachfrage dieser Zeitung, wie er diesen Satz gemeint habe, hielt Bundesrat Schneider-Ammann lediglich fest: «Ich habe gesagt, was wichtig ist.»

Zur Erinnerung: Der Berner Magistrat wurde im Jahr 2010 nur knapp anstelle der damaligen St. Galler Regierungsrätin zum Nachfolger von Hans-Rudolf Merz in den Bundesrat gewählt. Mittlerweile halten viele Bundespolitiker diese Entscheidung mindestens hinter vorgehaltener Hand für einen Fehler. Der mittlerweile 53-jährigen Keller-Sutter werden parteiübergreifend gute Chancen eingeräumt, sollte sie sich erneut einer Wahl in die Landesregierung stellen.

Wann Schneider-Ammann zurücktritt, ist offen. Dem Vernehmen nach soll er erst kurz vor den Wahlen im Frühjahr 2019 zurücktreten. Damit könnte ­Keller-Sutter ihr Präsidium in der grossen Parlamentskammer, in das sie am Montag mit 43 von 43 gültigen Stimmen gewählt wurde, wie geplant zu Ende führen.

Die neue Ständeratspräsidentin ist am Mittwoch nicht erst in Wil, sondern bereits in Rapperswil gefeiert worden. Kaum hatte Karin Keller-Sutter auf ihrer Reise in den Kanton St. Gallen in Rapperswil erstmals heimischen Boden betreten, wurde sie von der Elefantendame Dehli von Knies Kinderzoo mit einem Rosenbouquet beschenkt. Die neue Ständeratspräsidentin dankte es der schwergewichtigen Dame mit ein paar Streicheleinheiten.

An der Wahlfeier in der katholischen Stadtkirche Wil doppelte Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit einer Rose nach. Er überbrachte die Glückwünsche des Bundesrates und lobte seine Parteikollegin. Auch die weiteren Festredner sparten nicht mit launigen, wohlwollenden Worten. (mel/jow/jw/wo)