TRÜBBACH: Mit Antwort der Regierung unzufrieden

Der Aufbau einer Tagessonderschule an der Heilpädagogischen Schule Trübbach wäre mit einer erheblichen Verzögerung und mit Mehrkosten verbunden, sagt die Regierung. Kantonsräte aus der Region hatten sich für diesen Standort gewehrt.

Reto Neurauter
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Das Schulhaus Seidenbaum: Nach den Interpellanten würde es sich anbieten, hier eine Tagessonderschule einzugliedern. (Bild: Reto Neurauter)

Das Schulhaus Seidenbaum: Nach den Interpellanten würde es sich anbieten, hier eine Tagessonderschule einzugliedern. (Bild: Reto Neurauter)

Reto Neurauter

Im neuen Sonderpädagogikkonzept ist ein Versorgungskonzept für Sonderschulung vorgesehen. Dieses strebt eine ausgeglichene Versorgung mit Sonderschulplätzen über den ganzen Kanton an. In der Region Sarganserland-Werdenberg aber fehlen diese Strukturen und Plätze.

Die Interpellanten schreiben: «Die Heilpädagogische Schule Seidenbaum Trübbach (HPS) biete sich dafür geradezu an, verfüge sie doch über eine lange Erfahrung in der Förderung und ganzheitlichen Bildung von Kindern und Jugendlichen im Volksschulalter mit einer leichten bis schweren geistigen, körperlichen und/oder mehrfachen Behinderung».

Mit Schaan läuft es gut

Die Regierung betont nun aber in ihrer Antwort, dass sich das Heilpädagogische Zentrum Schaan (HPZ) nach dem Lehrplan des Kantons St. Gallen orientiere und St. Galler Lehrmittel verwende. Es weise sich durch seine hohe Professionalität und Kooperationsbereitschaft aus, «die Zusammenarbeit des Kantons St. Gallen mit dem HPZ Schaan ist seit Jahrzehnten sehr gut». Die Regierung weist auch darauf hin, dass die HPS Trübbach als Sonderschule für Schülerinnen und Schüler mit geistiger Behinderung/Mehrfachbehinderung anerkannt ist, und sie zudem eine Wohngruppe für sieben Schülerinnen und Schüler führe. «Der Förderschwerpunkt liegt somit im Bereich geistige Behinderung/Mehrfachbehinderung und nicht im Bereich Sprache und Sprachentwicklung oder der sozialen, psychisch-emotionalen Entwicklung», so die Regierung.

Sie sei von der hohen Qualität der Sprachheilschulung in Schaan überzeugt. Auch daher soll diese Zusammenarbeit verträglich längerfristig verankert werden. Zudem würden die Gemeinden in jedem Fall ausschliesslich die fixe Schülerpauschale von 36 000 Franken bezahlen. Ein Vorteil ergebe sich auch daraus, dass der Ausbau des Platzangebotes für die Versorgungsregion auf das Schuljahr 2017/18 erfolgen kann. Bisher besuchten durchschnittlich 16 bis 24 Schülerinnen und Schüler mit Sprachbehinderung aus der Region Werdenberg und Sarganserland das HPZ Schaan. Die Regierung betont letztendlich, dass «ein Aufbau einer Tagessonderschule mit ergänzenden Abteilungen ‹Sprachheilschule› und ‹Schule für Verhaltensschwierigkeiten› in der HPS Trübbach mit einer erheblichen Verzögerung und mit Mehrkosten aufgrund des erforderlichen grundlegenden Aufbaus der Professionalität im neuen Förderbereich und der Infrastruktur zu rechnen wäre».

Namens der Interpellanten – zu den Erstunterzeichnenden gehören auch Thomas Warzinek (CVP, Mels) und Walter Gartmann (SVP, Mels-Mädris) – hatte SP-Kantonsrat Joe Walser (Sargans) wenig Freude an der regierungsrätlichen Antwort. Es wäre eine einmalige Gelegenheit gewesen, eine Sprachheilschule und eine Schule für Verhaltensschwierigkeiten an der HPS Trübbach anzugliedern, zumal sich diese Schule explizit dafür interessiert und sich auch entsprechend beworben hat, betont er.

«Andere Bewerbungen sind unerwünscht»

«Wie der Antwort der Regierung im einleitenden Teil zu entnehmen und auch aus verschiedenen Gesprächen, die ich geführt hatte, herauszuhören war, stand jedoch schon zu Beginn fest, dass das Führen einer Tagessonderschule im Bereich Sprachheilschule und Schule für Verhaltensschwierigkeiten in der Region Sarganserland/Werdenberg und Rheintal der HPZ Schaan vorbehalten bleiben soll», so Walser, «andere Bewerbungen sind unerwünscht, um nicht zu sagen störend. Jedenfalls könnte man dies der schnöden, kaum begründeten Absage entnehmen». Er hoffe deshalb, dass betroffene Kinder in Zukunft im HPZ Schaan nicht abgewiesen werden mit der Begründung, es hätte keinen Platz. «Für eine solche Situation wäre dann ganz allein der Kanton St. Gallen verantwortlich», mahnte Walser. Man werde die Entwicklung nun genau im Auge behalten.