Trainingsstop im Herbst gefordert

«Uns sind leider die Hände gebunden», sagt Jasmin Eggenberger von Toggenburg Tourismus zum Entscheid der Militärbehörde. Die Touristiker versuchen nun auch für die Herbstferien einen Trainingsstop zu erwirken.

Katharina Rutz
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EMMEN/REGION. An der Lärmemission der PC-21, die regelmässig im Luftraum Speer und damit auch über dem Toggenburg und Sarganserland im Einsatz stehen, ändert sich nichts, so das ernüchternde Fazit einer Medienkonferenz der Militärbehörde in Emmen. «Wir nehmen den Entscheid zur Kenntnis», sagt Jasmin Eggenberger von Toggenburg Tourismus. Eine Vertretung der Tourismusorganisation hat die Informationsveranstaltung des Militärs in Emmen besucht. Eggenberger gesteht ein, dass es unter diesen Umständen keinen Sinn mehr mache, weiterhin Millionen in neue Propeller zu investieren. Das Problem sei primär, dass das Geräusch lästig sei.

«Enttäuschende Nachricht»

Unglücklich zeigt sich auch Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus, über den Abbruch des Projektes. «Enttäuschende Nachricht, dass hier offenbar keine technischen Fortschritte zu erzielen sind», sagt er gegenüber dem W&O. «Es ist ja nicht nur der Lärm an sich, sondern insbesondere der auf- und abschwellende Ton, der sehr lästig und störend ist und zwar für Touristen und Einheimische gleichermassen.» Als störend und nachteilig empfindet er, dass sich das Trainingsgebiet exakt mit dem touristischen Kerngebiet der Ostschweiz decke. Zumal die Rahmenbedingungen in den touristischen Berggebieten in den letzten Jahren ohnehin strenger geworden seien. «Ich denke dabei nicht nur an Propeller-Lärm, sondern auch an die Zweitwohnungs-Initiative und den starken Franken», zeigt sich Urs Gantenbein besorgt.

«Einem Verdikt unterworfen»

Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann empfindet die Situation für die Gemeinde ebenfalls als schwierig. Allerdings sei man hier nicht unabhängig und einem Verdikt unterworfen. «Das Militär muss üben und es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass die Flüge gerecht auf die drei Trainingsräume verteilt werden», so Züllig. Dabei sei das Toggenburg in den letzten Jahren allerdings nicht so schlecht weggekommen. «Schade ist es aber, dass die Tests mit den optimierten Propellern nichts gebracht haben», sagt der Gemeindepräsident. Für ihn stehen beim Lärmproblem allerdings nicht die Dezibel im Zentrum. «Störend ist ja die Frequenz, also die Tonlage. Ich hoffe nur, dass alles mögliche probiert wurde, das Lärmproblem zu verringern.»

Jasmin Eggenberger von Toggenburg Tourismus bemüht sich auch Gutes zu sehen: «Die Trainingspause über die Sommerferienzeit kommt sehr gut an und ist für uns sehr positiv.» Nun versuchen die Touristiker gemeinsam eine weitere solche Pause für die Herbstferien erwirken zu können. «Dies wird sich aber schwieriger gestalten, da die Herbstferien zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden.» Zudem streben die Touristiker eine möglichst gerechte Verteilung der Trainingsflüge auf die drei Lufträume an. Jasmin Eggenberger betont, dass der Kontakt zum Militär immer gut sei und dass diese nach Möglichkeit auch im voraus kommunizieren würden, wann im Luftraum Speer geflogen wird.

Reklamationen nahmen ab

Die Reklamationen zu diesem Thema hätten denn auch abgenommen, so Jasmin Eggenberger. «Die Reklamationen zum Fluglärm schlagen nicht mehr so extrem aus, verglichen mit anderen Dingen», so die Touristikerin. Sie vermutet, dass auch die flugfreien Wochen im Sommer dazu beitragen würden.

Auch bei der Gemeinde gehen zwar noch ab und zu Reklamationen bezüglich des Fluglärms ein. «Die Kanzleimitarbeiter sind angewiesen, diese Personen an das Militär zu verweisen. Und die Armee gibt sich auch wirklich Mühe, den Lärmgeplagten fair und umfassend Antwort zu geben», sagt Gemeindepräsident Rolf Züllig.