Tour-Karte in Griffnähe

Seit der Saison 2011 spielt Melanie Mätzler auf der europäischen Profi-Tour. Die in Sevelen aufgewachsene Golferin steht vor dem Abschluss ihrer bisher erfolgreichsten Wettkampfsaison.

Martin Nauer
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Carya Golf Platz in Belek (Türkei): Melanie Mätzler schlägt wuchtig ab. (Bild: Andre Engelmann)

Carya Golf Platz in Belek (Türkei): Melanie Mätzler schlägt wuchtig ab. (Bild: Andre Engelmann)

Melanie Mätzler, wie haben Sie es geschafft, auf der höchsten Stufe im Golfsport Fuss zu fassen?

Melanie Mätzler: Um eine Spielberechtigung für die oberste europäische Tour, der LET, zu erhalten, muss man sich entweder auf den ersten 90 Plätzen der Jahresgeldrangliste klassieren oder in der mehrstufigen Qualifying School mindestens Platz 60 erreichen. Das habe ich in den letzten Jahren geschafft. Für die Jahresgeldrangliste zählen jährlich ungefähr 16 Turniere, die in

Australien, Neuseeland, Afrika, China, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Europa stattfinden. Je nach Klassierung im Vorjahr, respektive in der Qualifying School, ist man für eine grössere oder kleinere Anzahl der Turniere startberechtigt.

Wie ist Ihre Wettkampfsaison 2015 verlaufen, und wo stehen Sie heute?

Mätzler: Ich habe Anfang Jahr in Florida trainiert und dort meinen ersten Profisieg auf der Suncoast-Tour in Deltona errungen. Knapp drei Wochen später konnte ich in Marokko in einem der höchstdotierten Turniere mit dem siebten Rang meine erste Top-Ten-Plazierung auf der LET erspielen. Leider zwang mich eine Sehnenscheidenentzündung an einem Handgelenk zu einer mehrwöchigen Pause. Der Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen wurde schwierig. Ich musste mich in Geduld üben, was nicht unbedingt meine Stärke ist. Ich spielte nach Möglichkeit an LET-Turnieren sowie abwechselnd dazu bei Turnieren der Ladies Access Series. Das letzte Turnier bestritt ich schliesslich in Indien, wo ich die diesjährige Saison abschloss, da ich am Turnier in Dubai nicht startberechtigt bin.

Warum sind Sie in Dubai nicht startberechtigt?

Mätzler: Das Turnier in Dubai gehört mit einer Preissumme von 500 000 Euro zu den bestdotierten Turnieren. Da es auch das letzte Turnier ist, ist die Nachfrage sehr gross. Mit meiner aktuellen Tour-Karte bin ich knapp ausserhalb der startberechtigten Plätze.

Wie beurteilen Sie Ihre Chancen für die nächste Saison?

Mätzler: Zurzeit befinde ich mich auf Rang 82 der aktuellen Jahresgeldrangliste. Falls mich noch mehr als acht Spielerinnen in Dubai überholen, verliere ich die Zugehörigkeit zu den Top 90, was bedeutet, dass ich mich nur über die Qualifying School in Marokko für die Tourkarte qualifizieren kann. Da von den hinter mir liegenden Spielerinnen aber ein grosser Teil in Dubai ebenfalls nicht spielberechtigt ist, rechne ich mir gute Chancen aus, dass ich auch ohne Teilnahme in Dubai in der Jahresgeldrangliste in den Top 90 verbleibe. Dies würde mir eine Spielberechtigung zwischen Rang 110 und 120 der nächstjährigen Startliste einbringen. Damit wäre ich etwa um 25 Ränge besser klassiert als in diesem Jahr. Zusätzlich hätte ich aber noch die Möglichkeit, mich an der Qualifying School in die ersten 30 zu spielen und damit noch einmal 10 bis 20 Startplätze zu verbessern.

Wo stehen Sie im Vergleich mit den anderen Schweizer Profispielerinnen?

Mätzler: Auf der diesjährigen Jahresgeldrangliste sind knapp hinter mir noch Fabienne In-Albon und Anaïs Maggetti rangiert. Interessanterweise sind wir drei Schweizerinnen zwischen den Rängen 80 und 90. Würde also beispielsweise das Turnier in Dubai abgesagt, hätten wir alle drei für das nächste Jahr die Tour-Karte mit den Startpositionen 110 bis 120 bereits erreicht. In-Albon kann aufgrund ihrer letztjährigen besseren Klassierung am letzten Turnier in Dubai starten und hat damit die Möglichkeit, sich noch zu verbessern.

Sie konnte in diesem Jahr an 16 Turnieren der höchsten Stufe spielen, während Maggetti nur an sechs und ich an sieben Wettkämpfen startberechtigt waren. Dubai ist also nicht nur für Spielerinnen, die dort spielen, sondern auch für Maggetti und mich äusserst spannend.

Wie sieht Ihre Planung für das nächste Jahr aus?

Mätzler: Ich gehe bei meiner Planung davon aus, dass ich in den Rängen 81 bis 90 verbleibe und so einen sicheren Startplatz auf der LET im nächsten Jahr garantiert habe. Trotzdem habe ich mich für die Qualifying School in Marokko, die eine Woche vor Weihnachten stattfindet, eingeschrieben. Leider habe ich aber seit dem letzten Turnier in Indien wiederum mit einer Hand Probleme. Ich habe deshalb die letzten Wochen auf ein Training verzichtet und wiederum ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Ich hoffe so, das Problem bis zur Qualifying School in den Griff zu bekommen. Anschliessend werde ich mir ein paar Skitage gönnen und dann Anfang Januar für zwei Monate nach Australien und Neuseeland fliegen. Ich werde dort die Australian Tour und die ersten LET-Turniere spielen.

Dann sind Sie auf das Heimturnier in Gams Ende April zurück?

Mätzler: Ja, das ist so geplant. Darauf freue ich mich ausserordentlich, da ich dort viele Bekannte treffe, und da dies die einzige Möglichkeit ist, wirklich vor einheimischem Publikum zu spielen. Ich kann zudem meinem Vater bei der Organisation helfen und dabei die an der Fachhochschule gelernte Theorie in der Praxis anwenden.

Können Sie uns ein kurzes sportliches und finanzielles Fazit der abgelaufenen Saison geben?

Mätzler: Sportlich gesehen habe ich meine Ziele unter Berücksichtigung der Verletzung und in der Hoffnung, dass ich in den ersten 90 bleibe, mehr als erreicht. Wirtschaftlich gesehen konnte ich dank der Unterstützung meiner Sponsoren und meiner Familie die nicht unerheblichen Ausgaben knapp decken. Ich habe in diesem Jahr 15 Turniere gespielt, eine Flugstrecke von insgesamt 45 000 Kilometern absolviert und 130 Hotelübernachtungen gebucht.

Macht Ihnen das Ganze nach wie vor Spass, und wie sieht es mit Olympia aus?

Mätzler: Selbstverständlich gibt es auch bei mir Momente, wo mir das Ganze etwas viel wird. Solange ich aber sehe, dass ich noch weitere Fortschritte mache, möchte ich meine Karriere fortsetzen. Was Olympia betrifft, besteht nach wie vor die Chance, dass ich mich qualifizieren kann. Zurzeit bin ich hinter Fabienne In-Albon als zweite Schweizerin im Olympia-Ranking geführt. Da nur 60 Spielerinnen an Olympia teilnehmen können, müsste ich im nächsten Frühjahr ein bis zwei gute Resultate erzielen, um die Voraussetzungen für eine Qualifikation zu erfüllen.