Toggenburger Bauern gehören zu den Verlierern

An der Wildhauser Tagung vom vergangenen Samstag äusserte sich Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbands, zu den Auswirkung der AP 14–17 auf die Landwirtschaft. Dabei wurde deutlich, dass die Toggenburger Bauern zu den Verlierern gehören.

Adi Lippuner
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Walter Müller, Azmoos (links), hat die Wildhauser Tagung der freisinnigen Bäuerinnen und Bauern bisher organisiert. Neu übernimmt Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbands, diese Aufgabe. (Bild: Adi Lippuner)

Walter Müller, Azmoos (links), hat die Wildhauser Tagung der freisinnigen Bäuerinnen und Bauern bisher organisiert. Neu übernimmt Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbands, diese Aufgabe. (Bild: Adi Lippuner)

WILDHAUS. Alljährlich gegen Ende November wird in Wildhaus die Tagung der Freisinnigen Bäuerinnen und Bauern organisiert. Tagungsleiter, auch dies gehört zur Tradition, ist der Wartauer FDP-Nationalrat Walter Müller. Allerdings hielt er die Fäden letztmals in der Hand, ab kommendem Jahr werde er einem Jüngeren Platz machen. «Peter Nüesch hat sich bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen,» so Walter Müller.

Unzufriedene Bauern

Wie gewohnt stand an der Tagung ein Thema, welches die Landwirte beschäftigt, im Mittelpunkt. «St. Galler Landwirtschaft am Scheideweg? – Kritische Beurteilung der AP (Agrarpolitik) 14–17». Als Referenten waren Christian Hofer, Vizedirektor Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), Hansjakob Zwingli, Stellvertretender Leiter Landwirtschaftsamt St. Gallen und Leiter der Abteilung Direktzahlungen, sowie Peter Nüesch, Landwirt und Präsident des St. Galler Bauernverbands, eingeladen.

Dass die Bauern mit der aktuellen Agrarpolitik nicht zufrieden sind, ist kein Geheimnis. Peter Nüesch erläuterte das komplexe System, welches für viele Bürger kaum verständlich ist. «Fest steht, wir wollen Unternehmer sein, wie dies der Bund immer wieder fordert, aber wir brauchen dazu auch die passenden Rahmenbedingungen.» Doch die Zahlen, welche Peter Nüesch präsentierte, sprechen eine andere Sprache: «Ein durchschnittlicher St. Galler Betrieb mit 30 Kühen erhielt im Jahr 2013 drei verschiedene Direktzahlungen, nach Einführung der AP 14–17 waren es fünf Bereiche. Trotzdem fehlen gegen 20 000 Franken, welche mit Übergangsbeiträgen abgefedert werden sollten.» «Sollten, denn in Tat und Wahrheit erhält die Bauernfamilie markant weniger Geld. Fakt ist aber, mit den massiven Einschnitten für die produzierende Landwirtschaft und den steigenden Kosten liegt der Einkommensverlust bei 20 bis 25 Prozent», liess Peter Nüesch die Anwesenden wissen.

Bezogen auf die Region Toggenburg und vor allem auf den obersten Talbereich bedeutet dies: «Die Landwirtschaft ist bezüglich ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Die Bauernfamilie kann Milchwirtschaft und Aufzucht betreiben, kann allenfalls auf Mutterkuhhaltung umstellen, Ackerbau ist aber nicht möglich.»

Auf Qualität setzen

Dies bedeute, dass mit den gesunkenen Preisen für die Milch das Einkommen insgesamt stark rückläufig sei. «In dieser Region mit einer stark auf Produktion ausgerichteten Landwirtschaft kann nur auf Qualität gesetzt werden. Dank innovativer Käser ist dies möglich, und so bleibt eine gute Wertschöpfung in der Region.» Ein Patentrezept für die Zukunft hat Peter Nüesch aber weder für die Bauern im Toggenburg noch im Werdenberg und auch nicht für die restlichen Regionen im Kanton. «Die Schweizer Landwirtschaft ist stark unter Druck, eine Erholung bei den Preisen für Milch, Schweinefleisch und Zuckerrüben ist nicht in Sicht, und die Regulierungsdichte und die damit verbundenen Kosten nehmen zu.»

Positiv bewertet der Präsident des St. Galler Bauernverbands das gute Image, welches die Landwirte bei der übrigen Bevölkerung haben. Negativ dagegen den Vertrauensbruch von Bundesrat und BLW, «denn uns wurde versprochen, dass am bestehenden Direktzahlungsrahmen nicht gerüttelt wird, und nun sollen wir jährlich auf 800 Millionen Franken verzichten». Dies sei, in Kombination mit den verschiedenen Freihandelsabkommen und dem immer stärker gelockerten Grenzschutz, für die Landwirte nicht verkraftbar.