TOGGENBURG: Künstler verärgert über Klangwelt

Ein Künstler ärgert sich, dass am Klangweg eines seiner Instrumente durch eine «Fälschung» ersetzt wurde. Stiftungspräsident Mathias Müller spricht von einem Versehen – vielleicht wird es zum Juristenfutter.

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«De loschtig Puurehag» von Künstler Lukas Rohner im ursprünglichen Zustand ...

«De loschtig Puurehag» von Künstler Lukas Rohner im ursprünglichen Zustand ...

26 Klanginstallationen umfasst der Klangweg Toggenburg entlang seiner Strecke von der Alp Sellamatt über Iltios bis ins Oberdorf Wildhaus. Sie sind Wind und Wetter ausgesetzt und müssen darum gelegentlich repariert, saniert oder gar ersetzt werden. Gemäss Mathias Müller, dem Präsidenten des Stiftungsrates von Klangwelt Toggenburg, geschieht dies jährlich, aus Gründen der Sicherheit, aber auch, wenn die Funktionalität nicht mehr gegeben ist oder eine Installation zu wenig attraktiv ist. Diese stetige Erneuerung mache den Klangweg attraktiv und trage zu den ­guten Besucherzahlen bei, so Mathias Müller.

Kürzlich verlief jedoch die Erneuerung eines Instrumentes nicht im Sinne seines Erschaffers, wie die Zeitung «Schweiz am Wochenende» am 22. Juli berichtete. Lukas Rohners klingendes Brückengeländer «De loschtig Puurehag» aus Holzsprossen war in einem schlechten Zustand und musste aus Sicherheitsgründen entfernt werden, so Mathias Müller. Der Künstler aus Basel hatte Jahre zuvor anerboten, schadhafte Hölzer gegebenenfalls für etwa 3000 Franken zu ersetzen.

Künstler über geplanten Abbau nicht informiert

Doch nun wurde Rohners Installation, ohne ihn zu informieren, durch eine neue ersetzt, «die zwar die gleiche Werkidee hat, sich in der Umsetzung aber sehr klar vom Original unterscheidet», wie die «Schweiz am Sonntag» schrieb. Lukas Rohner ärgerte sich, dass er nicht über den geplanten Abbau informiert wurde, das sei «moralisch bedenklich» und eine klare «Urheberrechtsverletzung». Die neue Klanginstallation weise weder ästhetisch, konzeptionell, künstlerisch, klanglich noch physikalisch eine ähnliche Qualität wie sein Originalwerk auf. Rohner konnte in Erfahrung bringen, dass die neue Installation von der Intendantin der Klangwelt, Nadja Räss, geschaffen wurde. Rohner, von dem auch die Klangweg-Instrumente «Melodiengampfi», «Flötenzaun» und «Treibjagdhorn» stammen, bezeichnet Räss’ Vorgehen als Kunstfälschung, und er spricht gemäss «Schweiz am Sonntag» von einer klaren und krassen Urheberrechtsverletzung. Denn die neue Installation sei im Internet und in Prospekten weiterhin unter seinem Namen und mit dem Beschrieb der abgebrochenen Installation beworben worden.

Gegenüber der Sonntagszeitung nahm Mathias Müller zu den Vorwürfen Stellung und gestand ein, dass der neue nicht mehr dem ursprünglichen Zaun entspreche und dass der Künstler «damals versehentlich nicht über diese Anpassung informiert worden» sei. Das Schild mit Rohners Namen sei in der Folge auch umgehend entfernt worden. Die Installation heisst auf der Website von Klangwelt Toggenburg unterdessen auch nicht mehr «De loschtig Puurehag», sondern «Klangbrücke».

Gegenüber dem W&O betonte Mathias Müller, dass es sich beim Vorgehen der Klangwelt Toggenburg nicht um eine Kunstfälschung gehandelt habe: «Es war ein Versehen unsererseits, das tut uns leid.» Man habe dies in Kontakten mit dem Künstler mehrfach kommuniziert. Gemäss der «Schweiz am Sonntag» hat Klangwelt Toggenburg dem Basler Künstler «eine freiwillige Umtriebsentschädigung zwischen 500 und 800 Franken angeboten». Lukas Rohner indes überlegt sich, gerichtlich gegen die Stiftung Klangwelt vorzugehen, denn ihn überzeugt das nach seiner Meinung parteiische juristische Gutachten des Stiftungsrates, das dessen Vorgehen als rechtens beurteilt, nicht. «Ich fordere die Beseitigung der Fälschung, eine klare, schriftliche Entschuldigung und eine angemessene Entschädigung für die Urheberrechtsverletzung», wird Rohner in der «Schweiz am Sonntag» zitiert.

Mathias Müller bleibt bei seiner Meinung, dass «Klangwelt Toggenburg» zwar den Künstler vorab über den Abbau seines Werks hätte informieren sollen. Für dieses Versehen habe man sich aber entschuldigt und auch eine freiwillige Umtriebsentschädigung angeboten. Ein Recht auf Entschädigung bestehe aber nicht. Man wartet im Toggenburg also vorerst ab, ob der Fall zum Futter für Juristen wird. Müller zieht gegenüber dem W&O aber eine Lehre aus dem Streit um «De loschtig Puurehag» bzw. die «Klangbrücke». Künftig werde man bei notwendigen Eingriffen an den Installationen die Künstler frühzeitig mit einbeziehen.

Der Basler Künstler machte einen Vorschlag, wie die Klangbrücke eigentlich richtig beschildert werden sollte: «Dieses Werk ist eine unautorisierte Fälschung von Nadja Räss eines Werks von Lukas Rohner». (she)