Toggenburg am Rand der Expo 2027

Beim Anblick der Landkarte der Expo 2027 muss man als Toggenburger lachen und gleichzeitig die Stirn runzeln: Im Appenzellerland wird getanzt und musiziert, aus dem Bodensee erhebt sich eine Riesenschildkröte, St. Gallen wird zur Kulturarena.

Hansruedi Kugler
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«Landkarte» der Expo 2027 gemäss Siegerprojekt «Expedition 2027» mit eingezeichnetem Naturpark. (Bild: pd)

«Landkarte» der Expo 2027 gemäss Siegerprojekt «Expedition 2027» mit eingezeichnetem Naturpark. (Bild: pd)

Beim Anblick der Landkarte der Expo 2027 muss man als Toggenburger lachen und gleichzeitig die Stirn runzeln: Im Appenzellerland wird getanzt und musiziert, aus dem Bodensee erhebt sich eine Riesenschildkröte, St. Gallen wird zur Kulturarena. Und das Toggenburg? Unsere allerliebste Perle der Landschaft und Kultur? Hier ist nichts los! Ein lebloser Flecken am Rand der Expo. Lustig ist das nicht. Und höchstens ein sarkastisches Lachen produzieren die beiden Einträge zwischen Neckertal und Thurtal: Lebt doch dort auf der Landkarte tatsächlich der von den Neckertaler Stimmbürgern versenkte «Naturpark» wieder auf. Und wird noch vergrössert mit «Neuer Naturpark. Erweiterung des Projektes Naturpark Neckertal.».

Noch keine Ausschreibung

Aktualität abzubilden, ist aber nicht Ziel des Siegerprojekts «Expedition 27». Ihm geht es um grossräumige Visionen. Dass das Toggenburg im Siegerprojekt eine unscheinbare Randerscheinung ist, fiel auch dem Geschäftsführer der Regionalorganisation Toggenburg.ch auf. Daniel Blatter mag dies aber nicht kritisieren: «Bis jetzt läuft die Planung auf der Ebene der Kantone. Der Zeitpunkt, um konkrete Projekte vorzuschlagen, kommt später.» Die Kantone Thurgau, St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden haben nämlich mit dem Siegerprojekt erst das Grundgerüst mit den drei Landschaftsräumen See, Stadt und Berg erstellt. Daniel Blatter sagt, toggenburg.ch unterstütze die Idee einer solchen Expo 2027 und beobachte diese Planung genau. Wer die Beilage zur Expo im Tagblatt gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass neben den Inseraten von Romanshorn, der Stadt St. Gallen, des Kantons Thurgau, der Uni St. Gallen und diverser Firmen auch die Region Toggenburg ein Inserat geschaltet hatte.

Warten auf Volksabstimmung

Toggenburg.ch habe sich zwar beim Kanton über eine allfällige Mitwirkung bei der Planung erkundigt, sagt Daniel Blatter. Die Information sei dann aber eindeutig gewesen: Der Zeitpunkt für die Ausschreibung und die Auswahl von konkreten Einzelprojekten komme später. «Dann werden wir bereit sein», sagt Daniel Blatter. Jetzt schon konkrete Projekte auszuarbeiten, sei ohnehin riskant. Denn der Kantonsrat hat gerade entschieden, dass wie im Kanton Thurgau die Stimmbürger über den Sonderkredit (fünf Millionen Franken) entscheiden. Wenn die Stimmbürger die Kredite ablehnen, ist die Expo 2027 gestorben.

Spelterini als Trumpf

Die Zurückhaltung der Toggenburger in Ehren. Die Appenzeller sind hier schon einige Schritte voraus. Sie haben den Vorteil, dass der Wettbewerbssieger, das Büro Hosoya Schaefer Architects, schon vertraut ist mit dem Appenzell. In Herisau hat das Büro das Vorprojekt für den Bahnhof Herisau entworfen, Markus Schaefer ist zudem in Urnäsch aufgewachsen. Das Appenzellerland ist Teil der Berglandschaft im Expo-Konzept. Das Projektteam hat hier das Konzept sogenannter Tanzböden entwickelt. Es sind dezentrale Bühnen, die zum Beispiel in Heiden, Teufen oder in Urnäsch stehen könnten. Auch die Wege zwischen den verschiedenen Tanzböden wollen die Planer für Erlebnisse nutzen. Zum Beispiel für Höhenfeuer, Schwingfeste, Gratwanderungen oder Flashmobs. Hier kommt das Brauchtum ins Spiel: Nicht zufällig blickt auf einer der Expo-Illustrationen ein Silvesterchlaus auf einen der Tanzböden.

Das Toggenburg hätte einen unvermuteten Trumpf in der Hand: Mit der Figur des Ballonpioniers Eduard Spelterini hat das Siegerprojekt «Expedition 27» einen Toggenburger Erfinder und begnadeten Kommunikator als Galionsfigur gewählt. Da müsste sich doch eine elegante Verbindung zu den Ballontagen Toggenburg herstellen lassen.

Recht konkret ist die Vision für Appenzell Ausserrhoden: Tanzböden an verschiedenen Orten. (Bild: pd)

Recht konkret ist die Vision für Appenzell Ausserrhoden: Tanzböden an verschiedenen Orten. (Bild: pd)