Tödliche Suche nach «Kick»

Dieser Tage freut sich die Schweiz über das märchenhaft verschneite Winterland. Die weisse Pracht birgt aber auch eine Gefahr: Das Lawinenrisiko ist seit gestern «erheblich».

Mirja Keller / Alexandra Gächter
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Wer die einschlägigen Warnhinweise am Rand der markierten Pisten missachtet, tut dies auf eigene Gefahr. (Bild: ky/Andree-Noelle Pot)

Wer die einschlägigen Warnhinweise am Rand der markierten Pisten missachtet, tut dies auf eigene Gefahr. (Bild: ky/Andree-Noelle Pot)

REGION. Wie auf der Internetseite des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) zu entnehmen ist, wurde die Lawinengefahrenstufe erhöht: Seit gestern Montag ist diese südöstlich der Alpen «erheblich». Neben den Pisten ist deshalb besondere Vorsicht geboten.

Über das Wochenende sind in diesem Gebiet mehrere Wintersportler in Lawinen ums Leben gekommen, darunter ein 26jähriger Variantenskifahrer in Wildhaus. Am Vilan, wo fünf Menschen durch eine Lawine den Tod fanden, herrschte bereits am Wochenende diese Gefahrenstufe.

Die Gefahr unterschätzt?

Die Todesopfer – SAC-Angehörige – haben dieses Risiko in Kauf genommen. Gemäss Romana Feldmann, Sportpsychologin und Mitglied der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie, kalkulieren Extremsportler das Risiko oftmals nach anderen Massstäben: «Eine Skitour kann in 99 Fällen trotz hoher Gefahrenstufe gut ausgehen und beim nächsten Mal tödlich enden. Erlebnisorientierte Menschen nehmen diese Gefahr in Kauf.» In solchen Momenten der Gefahr spielten auch Endorphine und andere Hormone mit, welche die Suche nach dem Adrenalinkick umso interessanter machen würden.

Personen, die sich von vor Lawinen sicheren Skipisten wegbegeben, handeln grundsätzlich auf eigene Gefahr. Abseits der markierten Abfahrten müssen die Bergbahnen auf die Eigenverantwortung der Wintersportler setzen: «Warnschilder stellen wir nur innerhalb des Skigebietes auf», sagt Jakob Dürr, Rettungs- und Pistenchef der Bergbahnen Wildhaus. Gefährliche Stellen abseits der Pisten zu lokalisieren und zu beschildern wäre zu ungenau und fahrlässig.

Schäden in Millionenhöhe

Wer eine Lawine verursacht, kann für Schäden an Drittpersonen zur Verantwortung gezogen werden. «Wie bei allen Haftpflichtschäden, insbesondere dort, wo Drittpersonen einen bleibenden gesundheitlichen Schaden erleiden, können solche Fälle in die Millionen gehen», sagt Jürg Thalmann, Mediensprecher der Mobiliar. Sterbe der Unfallverursacher beim Unglück, kümmere sich die Versicherung um die Erledigung des Schadens gegenüber den geschädigten Dritten, so Thalmann. «Eine Kürzung der Leistungen oder eine Rückforderung bei den Erben wird sicherlich geprüft. Dabei sind aber die konkreten Umstände und die tragischen Folgen eines solchen Unfalls zu berücksichtigen.» • DIE DRITTE

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