Tierischer Gast auf dem Dach

Am vergangenen Wochenende wurde im Storchennest auf dem Dach der Metzgerei in Salez ein Storch gesichtet. Doch das ist nicht ungewöhnlich. Dass Störche bereits um diese Jahreszeit in der Region sind, hat verschiedene Gründe.

Johanna Senn
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Der tierische Gast hat es sich vorerst im Horst auf der Metzgerei in Salez bequem gemacht. (Bild: Heidi Beyeler)

Der tierische Gast hat es sich vorerst im Horst auf der Metzgerei in Salez bequem gemacht. (Bild: Heidi Beyeler)

SALEZ. Manche staunten nicht schlecht, als sie bereits Ende Januar den Klapperstorch auf dem Dach der Metzgerei in Salez erblickten. Doch das Tier hat nicht etwa eine falsch tickende biologische Uhr. «Der besonders milde Winter bei uns begünstigt die Bedingungen für durchziehende Störche aus nördlichen Gebieten. So dass sie in unserer Gegend halt machen und unter Umständen bleiben» erklärt Reto Zingg, Präsident des Vereins Rheintaler Storch aus Ebnat-Kappel. Störche aus östlichem Gebiet kommen zum Beispiel aus Norddeutschland, wo die Winter noch um einiges härter sind als bei uns.

Einfach hiergeblieben

«Der späte Wintereinbruch sorgte dafür, dass das Gras bei uns besonders lange wuchs und somit für die Störche mehr Nahrung wie Mäuse vorhanden waren.» Deshalb könne es auch sein, dass der Storch gar nie die Reise in den Süden antrat. So macht das zum Beispiel ein Storchenpärchen im Saxerriet. «Aus irgendeinem Grund müssen sie einmal im Winter hiergeblieben sein.» Merken die Tiere dann, dass es sich auch im Winter hier ziemlich gut leben lässt, kann es vorkommen, dass sie die kommenden Winter auch in der Region verbringen.

Lange Wege

Da der Weissstorch ein Segelflieger ist, braucht er warme Aufwinde – die Thermik. Da über dem Meer keine Thermik entsteht, muss er das Mittelmeer umfliegen. So legt er Strecken von bis zu 10 000 Kilometer zurück. In Mitteldeutschland, an der früheren Grenze der DDR, befindet sich die sogenannte Zugscheide. Von dort aus ziehen die Oststörche über den Bosporus bis teilweise nach Südafrika. «Bei unseren Störchen handelt es sich meistens um Weststörche» so Zingg. Diese ziehen über Gibraltar bis an die Grenze des tropischen Regenwaldes in Westafrika. «Ein Teil der Vögel verbringt die Winter in Spanien.»

Verändertes Zugverhalten

Das Zugverhalten der Weststörche hat sich schon lange verändert. Denn viele bleiben in Spanien und ziehen nicht wie früher weiter in den Süden. Der Grund des veränderten Verhaltens ist bisher nicht bekannt. Um diese Frage zu klären, wurde das Projekt «SOS Storch Storchenzug im Wandel» gegründet. Dazu werden Weissstörche mit Satellitensendern und Datenloggern versehen. Auch der Verein Rheintaler Storch sponserte einen Datenlogger, der nun den Fuss eines Jungstorches aus dem Saxerriet ziert. Der Vogel wurde «Rheini» getauft. Seit dem Juni 2013 kann seine Route nachverfolgt werden.

Zwei Routen

Die Aufzeichnung bestätigt, dass sich auch Rheini in Spanien aufhält. Die Reise von Rheini kann man im Internet nachverfolgen. «Es kann auch sein, dass der Storch von Salez einfach etwas früh losgezogen ist und schon jetzt bei uns weilt», ergänzt Reto Zingg.