Tiere schwitzen auf Alpen weniger

Das Thermometer klettert in die Höhe und auch im Schatten ist es kaum noch kühl genug, so dass es sich einigermassen erträglich anfühlt. Für Mensch und Tier muss eine andere Lösung her: Tiere können auf eine höher gelegene, kühlere Alp.

Saskia Bühler
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Pferde leiden weniger unter der Hitze selbst als unter den damit einhergehenden lästigen Insekten. (Bild: Corinne Hanselmann)

Pferde leiden weniger unter der Hitze selbst als unter den damit einhergehenden lästigen Insekten. (Bild: Corinne Hanselmann)

REGION. Weniger als Schweine und Kühe haben Schafe unter den heissen Wetterbedingungen zu leiden. Sie haben eine bemerkenswerte Selbstregulierung. Die ursprünglich aus dem Gebirge stammenden Tiere sind sehr robust und haben ein gut isolierendes Fell. Es hält die Tiere im Winter warm, während es im Sommer kühlend wirkt.

Pferde mögen Kälte weniger

Auch Pferde leiden weniger unter der Hitze. Bea Näf, Besitzerin des Schwendihofs in Unterwasser, bestätigt: «Die Hitze selbst ist nicht so problematisch. Viel mehr stören die vielen Insekten, die dieses Jahr die Pferde mehr als sonst quälen.»

Besonders in der schwülen Hitze seien die Pferde auf ihrem Hof von Bremsen geplagt. Deshalb sei ein Sandplatz für die Pferde wichtig. Dort können sie sich wälzen, was sowohl Abkühlung verschafft, als auch die lästigen Insekten vertreibt.

Eine weitere Möglichkeit ist, die Tiere mit Wasser abzuspritzen oder in einen nahegelegenen Bach zu führen, damit sie ihre Beine abkühlen können. Dabei ist das Problem, dass sich dort noch mehr lästige Bremsen auf die Pferde stürzen können.

Bea Näf erklärt, dass ihre Pferde gut mit der Hitze umgehen könnten, weil man auf dem Schwendihof in dieser Hitze keine Höchstleistungen von ihnen fordert. Sie müssen weder galoppieren noch Kutschen ziehen.

Schlimmer sei bei ihren Pferden nasse Kälte: «Sie sind immer schlecht gelaunt, wenn sie frieren.»

Die Alp ist eine gute Lösung

Ideal ist es für die Tiere – vor allem Schweine oder Kühe –, wenn sie im Sommer auf die Alp gehen können. Dort sind sie laut David Sutter viel besser vor der Hitze und der Sonneneinstrahlung geschützt als im Flachland. Oftmals können sie sich dort an schattige oder windige Plätzchen stellen. Sie verbringen dafür Tag und Nacht draussen, nur zu den Melkzeiten werden die Kühe in den Stall gelassen.

Obwohl es diesen Sommer auch in höheren Lagen sehr warm ist, sind die Temperaturen auf den Alpen für die Tiere bereits bedeutend angenehmer.

Auch im Stall abkühlen

Es gibt auch Tiere, die nicht auf die Alp gehen können. Damit diese weniger unter der Hitze leiden müssen, werden sie erst am kühleren Abend rausgelassen. So können sie die frische Luft ohne die drohende Gefahr eines Kreislaufkollapses geniessen.

Auch für frische Luft im Stall muss gesorgt sein. Damit die Tiere tagsüber angenehme Temperaturen geniessen können, sind viele moderne Ställe mit einer Frischluftzufuhr ausgestattet. Das Allerwichtigste aber ist für Mensch und Tier dasselbe: viel trinken. Für die Tiere, egal ob auf der Alp oder nicht, sollte deshalb jederzeit genügend Wasser zur Verfügung stehen. Das kühlt das Tier von innen und schützt vor Dehydration.

Wenn ein Tier trotzdem nicht genug trinkt und zu lange in der Hitze steht, kann es einen Kreislaufkollaps erleiden. Das kann sich laut David Sutter durch verstärkte Atmung und erhöhte Temperatur, bis hin zu Schäumen bemerkbar machen.

Ausreichend Schatten ein Muss

Die Nutz- und Haustierverordnung schreibt dem Tierhalter vor, dass für Schweine in Freilandhaltung ab Temperaturen von über 25 Grad eine Suhle und bei Sonneneinstrahlung ausreichend beschattete Fläche ausserhalb der Hütte vorhanden sein müssen.

Leben sie nicht in Freilandhaltung, muss eine Abkühlungsmöglichkeit vorhanden sein.

Bei Tieren der Rindergattung ist laut der Verordnung über den «Regelmässigen Auslauf von Nutztieren» (RAUS) ein ungedeckter Laufhof Pflicht, dieser darf aber zwischen dem 1. März und dem 30. September mit einem Netz beschattet werden.

Ist im Sömmerungsgebiet bei extremer Witterung nicht ausreichend Schutz für die Tiere vorhanden, so besagt die Tierschutzverordnung, dass durch geeignete Massnahmen dem Ruhe- und Schutzbedarf der Tiere entsprochen werden muss.

Kontrollen werden durchgeführt

Der kantonale Veterinärdienst führt aufgrund dieser und weiterer Gesetze regelmässige Kontrollen auf Schweizer Bauernbetrieben durch. Die Bauern seien laut David Sutter recht gut darauf sensibilisiert.

Der Veterinärdienst ist auch auf die Bürger angewiesen. «Wenn jemand etwas Verdächtiges entdeckt, kann er das dem Veterinärdienst mitteilen. Dieser wird der Sache dann nachgehen», so Sutter weiter.

Wenn sich der Verdacht bestätigt, werden entsprechende Massnahmen ergriffen. Das kann von Bussen bis zu einem Tierhalteverbot reichen.

Pferde leiden weniger unter der Hitze selbst als unter den damit einhergehenden lästigen Insekten. (Bild: Corinne Hanselmann)

Pferde leiden weniger unter der Hitze selbst als unter den damit einhergehenden lästigen Insekten. (Bild: Corinne Hanselmann)