Tattoo nimmt neuen Anlauf

2016 findet in St. Gallen wieder ein Military Tattoo statt – neu auf dem Olma-Gelände. Vor einem Jahr hatte der Anlass ein hohes Defizit erlitten. Mit den Olma Messen als Co-Veranstalter soll das Festival wieder auf Erfolgskurs kommen.

Adrian Vögele
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ST. GALLEN. Dudelsackpfeifer brauchen einen langen Atem. Dasselbe gilt für Veranstalter von Military Tattoos, jener britisch geprägten Musikveranstaltungen, an denen Dudelsäcke typischerweise zu hören sind. Denn auch wenn Schottland und die keltische Kultur hierzulande populär sind: Die Nachfrage nach Anlässen dieser Art ist begrenzt. Das mussten auch die Organisatoren des Tattoo St. Gallen feststellen, das jeweils jährlich im Athletik Zentrum stattfand.

Neustart besiegelt

Der Start des Tattoo St. Gallen im Jahr 2012 war mit 12 000 Besuchern vielversprechend, die zweite Austragung lockte gar 13 000 Zuschauer an. Im vergangenen Jahr sank die Besucherzahl jedoch auf 10 000 – ein Verlust von gegen 150 000 Franken war die Folge. «Uns war klar: Allein können wir das Tattoo nicht am Leben erhalten», sagt Organisator Adrian Osterwalder, der auch den Verein Tattoo St. Gallen präsidierte. Der Verein ist inzwischen aufgelöst – doch das Tattoo lebt weiter: Die Olma Messen haben entschieden, den Anlass gemeinsam mit Osterwalder durchzuführen – in der Olma-Halle 9.1, unter dem neuen Namen «St. Galler Tattoo». Das finanzielle Risiko tragen die beiden Co-Veranstalter zu je 50 Prozent. Gestern unterzeichneten sie den Vertrag und besiegelten damit den Neustart.

Olma-Direktor Nicolo Paganini sagt an der Medienorientierung zum Vertragsabschluss, das Tattoo sei ein sympathischer Anlass, der in der Region gut akzeptiert sei. Bevor sie dem hiesigen Tattoo die Hand reichten, prüften die Olma-Verantwortlichen gemeinsam mit Osterwalder die Erfolgsaussichten. Nun haben die beiden Partner entschieden, das Tattoo 2016 definitiv durchzuführen – der Vorverkauf startet am 1. Dezember.

Kürzer und alle zwei Jahre

Das Tattoo findet nächstes Jahr vom 23. bis 26. September statt. Der Termin im Frühherbst sei einer der Vorteile des neuen Konzepts, sagen Paganini und Osterwalder. Das Athletik Zentrum stand als Schulsportanlage nur in den Sommerferien zur Verfügung. Diese Einschränkung fällt nun weg. Ende September seien nicht nur weniger Leute in den Ferien als im Juli, auch das Wetter sei eher passend für eine Indoor-Veranstaltung, sagt Paganini. Ausserdem wird das Festival künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführt und ist kürzer als früher – es dauert drei statt fünf Tage, mit vier statt sieben Vorstellungen.

Schulden sind nicht vergessen

Die Schulden aus dem vergangenen Jahr sind nicht vergessen. «Mit meinem Anteil des Gewinns künftiger Tattoo-Austragungen will ich die noch ausstehenden Rechnungen bezahlen», sagt Osterwalder. Rechtlich sei er dazu zwar nicht verpflichtet, da der Verein aufgelöst sei. «Doch es ist nicht meine Art, die Gläubiger im Regen stehenzulassen.»

Mit regionalen Formationen

In der Militärmusik-Szene geniesst das St. Galler Tattoo nach wie vor einen guten Ruf. Nächstes Jahr wird wieder eine Formation der britischen Armee in St. Gallen auftreten, musikalischer Leiter des Anlasses ist erneut Major Jason Griffiths, einer der «Hofkapellmeister» der englischen Königin. Ebenfalls angekündigt sind Tambouren der Schweizer Armee sowie die Lucerne Marching Band. Auch die Region ist vertreten – mit der Stadtmusik Rorschach, der Otmarmusik St. Gallen, dem Tambourenverein Fürstenland und Hackbrettspieler Nicolas Senn. Und natürlich dürfen auch die Dudelsackpfeifer und Trommler (Pipes and Drums) nicht fehlen.