TARIFSTREIT: «Wir werden auf keinen Fall verkaufen»

Das feindliche Übernahmeangebot der Toggenburg Bergbahnen an die Adresse der Bergbahnen Wildhaus ist ein weiteres Kapitel in einem langjährigen Streit. Mit der Ortsgemeinde Grabs schaltet sich nun ein gewichtiger Player in die öffentliche Debatte ein.

Thomas Schwizer
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Die schöne Churfirstenidylle trügt: Im Obertoggenburg geraten die Bergbahnunternehmen erneut aneinander. (Bild: Benjamin Manser (31. Mai 2015))

Die schöne Churfirstenidylle trügt: Im Obertoggenburg geraten die Bergbahnunternehmen erneut aneinander. (Bild: Benjamin Manser (31. Mai 2015))

Thomas Schwizer

thomas.schwizer@wundo.ch

Der Streit um Einfluss im Bahntourismusgeschäft auf der Toggenburger Seite der Churfirsten dauert schon etliche Jahre an. Er spitzte sich mit dem Streit um die Weiterführung des gemeinsamen Tarifverbundes in den letzten Jahren wieder zu (siehe Timeline unten).

Die Ortsgemeinde Grabs mit 435 Aktien und die Politische Gemeinde Grabs sind Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus AG (BBW). «Wir werden auf keinen Fall auf das Angebot zum Aktienverkauf beziehungsweise -tausch eingehen»: Das stellen Hans Sturzenegger, Präsident der Ortsgemeinde Grabs, und der Grabser Gemeindepräsident Niklaus Lippuner auf Anfrage unmissverständlich klar.

Sturzenegger ist überzeugt, dass das Ziel der Toggenburg Bergbahnen (TBB), die Aktienmehrheit bei den Bergbahnen Wildhaus AG zu erreichen, schlicht ­utopisch ist. Das Angebot der TBB sei ­total «neben den Schuhen» und werde sicher nicht erfolgreich sein, lässt er sich als persönliche Einschätzung entlocken. Damit spricht er neben dem grundsätzlichen feindlichen Übernahmeangebot das Verhältnis der angebotenen 25 Franken pro BBW-Aktie an, verglichen mit einem aktuellen Steuerwert von 200 Franken, wie ihn die Bergbahnen Wildhaus nennen.

«Mich stört das Angebot extrem und es ist für mich nicht nachvollziehbar, was die Toggenburg Bergbahnen AG damit erreichen will», sagt Sturzenegger. Das sage er explizit als Präsident der Orts­gemeinde Grabs und nicht als Verwaltungsrat der Bergbahnen Wildhaus AG, wo er als Vertreter der Grundeigentümerin Ortsgemeinde Grabs mitwirkt. Die Ortsgemeinde Grabs ist die grösste Grundeigentümerin für die Pisten und Bahnanlagen der Bergbahnen Wildhaus AG – und damit massgeblich mit Durch­leitungs- und Nutzungsrechten invol­viert. Zudem ist sie auch Grundeigentümerin eines kleinen Teils der Pisten der Toggenburg Bergbahnen AG – der ­allerdings eine Verbindung der beiden Skigebiete Wildhaus sowie Unterwasser-Alt St. Johann erst ermöglicht.

Der regionale Billettverbund als grosser Zankapfel

Vor wenigen Jahren waren neue Verhandlungen über den Vertrag der Ortsgemeinde Grabs mit den Bergbahnen Wildhaus angesagt, bei denen man sich einig wurde. Seit vielen Jahrzehnten schon können die Einwohner von Grabs mit dem Nutzungsvertrag vergünstigte Billette der BBW beziehen. Das war auch Bestandteil der besagten Verhandlungen.

In deren Verlauf haben die Toggenburg Bergbahnen verlangt, dass der Vertrag zwischen den BBW und der Orts­gemeinde Grabs deckungsgleich auch für die TBB gelten müsse – und so können die Grabser nun auch deren Anlagen im «Einheimischen-Tarif» nutzen. Allerdings hätten nicht alle Grabser Freude an dieser Erweiterung gehabt. Das sagte Hans Sturzenegger als Präsident der Ortsgemeinde Grabs gestern Dienstag auf Anfrage – denn die Erweiterung brachte für sie eine Anpassung der ­Billettkosten. In dieser Phase hat also TBB-Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger noch massgebend auf ein regional gültiges Billett gepocht.

Doch offenbar passte die unterschiedliche Strategie der beiden Bahnunternehmen im obersten Toggenburg den TBB nicht. Sie erachteten diese offensichtlich nicht als zielführend.

Ortsgemeinde übte Druck für Kooperation aus

Bei der Mediation Anfang 2015/2016 (der W&O berichtete) spielte dann laut Hans Sturzenegger die Ortsgemeinde Grabs als Grundbesitzerin eine wichtige Rolle. Es kam zwar schliesslich kein Sommertarifverbund mehr zu Stande. Für den Winter dagegen wurde eine vierjährige Verpflichtung für die Weiterführung des gemeinsamen Tarifverbundes beschlossen, bis und mit der Winter­saison 2018/2019. Hans Sturzenegger macht keinen Hehl daraus, dass hier die Ortsgemeinde Grabs als Grundbesitzerin erfolgreich starken Druck für eine mehrjährige Laufzeit ausgeübt habe. ­Jakob Rhyner als Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus AG bestätigt diesen Sachverhalt.

Inzwischen haben die Toggenburg Bergbahnen AG hohe Investitionen getätigt, insbesondere in das neue Gipfelrestaurant Chäserrugg und eine neue Gondelbahn. Zudem haben sie das Projekt einer neuen Talstation in Unter­wasser lanciert, das aber – vermutlich aus Kostengründen? – offenbar noch nicht reif für die Realisierung ist.

Die Bergbahnen Wildhaus AG ihrerseits haben das Projekt Wildhaus 2.0 lanciert, mit dem sie ihre Bahnanlagen massgebend erneuern wollen. Zu diesem Zweck haben sie Reserven gebildet, und seit einiger Zeit läuft zu dessen Mitfinanzierung eine Aktienzeichnung.

«Die Initiative ergreifen ist an sich positiv»

Nicht nur negativ sieht das Vorpreschen der Toggenburg Bergbahnen Hotelier Roland Stump vom Wildhauser Oberdorf. Er ist Aktionär beider regionalen Bahnunternehmen und Vorstands­mitglied bei Toggenburg Tourismus. Er bezeichnet es als grundsätzlich positiv, dass offensichtlich doch einmal eine Ini­tiative ergriffen wird, die beiden Bahnen zusammenzuführen, sagt er auf Anfrage. Allerdings erscheine das Angebot per se im Verhältnis zum Steuerwert der Bergbahnen Wildhaus AG deren Substanz nicht gerecht zu sein. Stump äussert den Wunsch, «dass dieses Aktienkauf-Angebot nicht zu noch mehr Trennung führt, sondern als Initialzündung für ernst­hafte Gespräche dient, die beiden Unternehmen zusammenzuführen».