Tante wegen 25 Franken mit Zwei-Kilo-Stein bedroht

Vaduz Ein 38jähriger Mann musste sich am Mittwoch wegen schweren Raubes vor Gericht verantworten. Dieses verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von 18 Monaten bedingt.

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Vaduz Ein 38jähriger Mann musste sich am Mittwoch wegen schweren Raubes vor Gericht verantworten. Dieses verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von 18 Monaten bedingt.

Das Vorstrafenregister des geistig eingeschränkten Liechtensteiners ist lang. Er wurde bereits sieben Mal wegen Körperverletzung oder Sachbeschädigung verurteilt. Letztmals vor sechs Jahren. 2015 wurde der Angeklagte jedoch wieder straffällig. Er bedrohte seine Tante mit einem Stein und forderte Geld. Vorgestern musste er sich deshalb wegen schweren Raubes vor dem Kriminalgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, den Stein als Waffe eingesetzt zu haben. Ein Gutachter bezeichnete ihn zur Tatzeit, trotz einer Persönlichkeitsstörung und einer Alkohol- und Cannabissucht, als zurechnungsfähig, wenn auch leicht eingeschränkt.

Die Tat ereignete sich im Juli 2015: Der damals 37jährige Liechtensteiner kletterte betrunken auf den Balkon seiner Tante, die seit seiner Kindheit eine Bezugsperson für ihn war. Mit dabei hatte er einen zwei Kilogramm schweren Verbundstein. Der Angeklagte rüttelte am Rollladen, bis die Tante das Fenster öffnete. Daraufhin bedrohte er sie mit dem Stein und verlangte 25 Franken, um damit seine Schulden in einem Restaurant begleichen zu können. Die Tante blieb zwar äusserlich ruhig, gab ihm aber sofort das Geld, da sie Angst hatte, dass er den Stein gegen sie einsetzen könnte.

Es war nicht das erste Mal, dass der Angeklagte die Tante unter Druck setzte, um an Geld zu gelangen. Vor Gericht gab der Angeklagte die Tat zu: «Ich fühle mich schuldig, aber nicht wegen schweren Raubes», sagte er. Er habe seiner Tante Angst einjagen wollen, aber er habe nicht vorgehabt, den Stein als Waffe gegen sie einzusetzen. Er sei geldsüchtig gewesen, dies habe sich in der Zwischenzeit aber geändert.

Auch das Opfer, die Tante, wurde gestern als Zeugin vorgeladen. Völlig aufgelöst betrat sie den Gerichtssaal. «Ich wollte nicht, dass es zu einer Gerichtsverhandlung kommt. Die Polizei sollte ihm bloss einen Denkzettel verpassen, damit er das nicht mehr macht», sagte sie. Auch sei es seit damals nie mehr zu einem Zwischenfall gekommen. Kontakt zum Angeklagten hat die Tante nur noch sporadisch. Schliesslich nahm die Zeugin vom Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern und die Anzeige zurückzuziehen. (manu)