Streit um das Hüebler Quellwasser

Fünf der zwanzig Mitglieder der Brunnenkorporation Hueb (BKH) in Gams wollen trotz eines Mehrheitsbeschlusses verhindern, dass ihr Werk aufgehoben wird und die Quelle an die Gemeinde geht. Massive Vorwürfe stehen im Raum.

Heini Schwendener
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Der Gamser Gemeindepräsident Fredy Schöb (links) im angeregten Gespräch mit Mitgliedern der Brunnenkorporation Hueb, die er von der Notwendigkeit eines Anschlusses an das Wasserwerk der Gemeinde zu überzeugen versucht. (Bild: Heini Schwendener)

Der Gamser Gemeindepräsident Fredy Schöb (links) im angeregten Gespräch mit Mitgliedern der Brunnenkorporation Hueb, die er von der Notwendigkeit eines Anschlusses an das Wasserwerk der Gemeinde zu überzeugen versucht. (Bild: Heini Schwendener)

GAMS. Es ist davon auszugehen, dass die Brunnenkorporation Hueb (BKH) viele beschauliche und erfolgreiche Jahre seit ihrer Gründung Ende des 19. Jahrhunderts erlebt hat. Seit etwa drei Jahren ist es vorbei damit. Im Jahr 2013, nur noch 24 Mitglieder stark, beschloss die BHK, eine UV-Anlage zur Entkeimung des Wassers zu installieren. Als in der Folge vier Mitglieder aus der BKH ausschieden, schien dem Vorstand unter dem Präsidium von Karl Lenherr, Hueb, die Investition finanziell nicht mehr tragbar, «zumal wir immer wieder Probleme mit der Wasserqualität hatten und gemäss den Kantonsbehörden in Zukunft wohl noch weit grössere Investitionen tätigen müssten».

Einsprachen abgewiesen

Im Juli 2015 beschlossen die Mitglieder der BKH mit 11:8 Stimmen, den Beitritt zur Wasserversorgung der Gemeinde und somit faktisch die Auflösung der Brunnenkorporation. «Unsere Argumente dagegen wurden damals gar nicht angehört, uns wurde das Wort abgeklemmt», empört sich Anita M. Dürr, die sich mit vier Mitstreitern gegen die Auflösung der BHK wehrt: unter anderem mit Einsprachen beim Gemeinderat und beim Regierungsrat, die allesamt abgewiesen wurden. «Hätte der Präsident 2013 den Auftrag für eine UV-Anlage umgesetzt, statt sich eigenmächtig dagegen zu entscheiden, wäre es gar nie so weit gekommen», empört sie sich.

Das Problem spitzte sich zwischenzeitlich nämlich weiter zu. Proben des Hüebler Wassers ergaben schlechte Werte, so dass das kantonale Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) am 19. Mai die Verfügung erliess, das Wasser der BHK müsse vor dem Gebrauch abgekocht werden. Die fünf Wehrhaften kümmert das nicht, sie beteuern: «Das Vieh, die Kinder, die Familie, alle trinken wir unser gutes, mineralienreiches Wasser, ohne es abzukochen. Und noch nie wurde jemand krank. Das ist doch alles nur Angstmacherei.»

Mit happigen Vorwürfen – die Gegenseite spricht von einer Verschwörungstheorie – doppeln die Fünf nach: Die schlechten Messresultate ihres Wassers seien herbeigeführt worden, indem wohl Schmutzwasserleitungen im Einzugsgebiet ihrer Quellen nicht genügend unterhalten wurden und ein Querschlag in einer Bergstrasse gebaut wurde, der Meteorwasser direkt ins Quellgebiet ableitet.

Mit System ausgeblutet?

Die Strategie dahinter ist laut Anita M. Dürr klar: Die Gemeinde brauche Wasser und sei darum interessiert an der Quelle der Brunnenkorporation Hueb. Unterstützt werde sie dabei vom BKH-Präsidenten Karl Lenherr – notabene dem Cousin des Gemeindepräsidenten.

Schöb und Lenherr können ob dieses Vorwurfes nur den Kopf schütteln. Für Lenherr sprechen genügend betriebswirtschaftliche Gründe dafür, jetzt die BKH aufzulösen. Da stecke keine Strategie dahinter. Dies stellt auch Schöb entschieden in Abrede: «Wir haben zwar nicht Wasser im Übermass, aber wir haben genug. Würden wir wirklich mehr Wasser brauchen, gäbe es strategisch besser gelegene Quellen, die wohl auch wirtschaftlicher zu nutzen wären als jene der Brunnenkorporation Hueb.» Schöb und Lenherr können nicht verstehen, dass die fünf Widerspenstigen den demokratischen Entscheid der BHK nicht akzeptieren beziehungsweise deren Umsetzung mit allen Mitteln verhindern.

Sauberes Wasser für alle

Das AVSV hat verfügt, dass noch diesen Monat das Netz der BKH mit sauberem Wasser zu versorgen ist. Dem wollte die Gemeinde am Dienstag Folge leisten, indem sie das kontaminierte Hüebler Quellwasser in einen Bach umgeleitet und die BHK-Haushalte ans Wasserwerk der Gemeinde angeschlossen hätte. Ein aufmüpfiges BHK-Mitglied verhinderte dies, indem es die Baustelle «besetzte» (vgl. Titelseite). Dürr und ihre Mitstreiter stellen sich auf den Standpunkt, dass dieser Eingriff ein Realakt wäre, der nach einer anfechtbaren Verfügung verlange. Mit diesem Anschluss wolle die Gemeinde wohl Tatsachen schaffen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten. Oder anders ausgedrückt: Die Brunnenkorporation würde enteignet. Das wiederum bezeichnet die Gegenseite als Unsinn. Die Gemeinde sei verpflichtet, die Verfügung des AVSV umzusetzen, denn die übrigen 15 Mitglieder der BKH hätten ein Anrecht auf sauberes Trinkwasser.

Fronten nicht mehr so verhärtet

Nachdem sich die Fronten am Dienstag bis kurz vor eine Eskalation verhärteten, sorgte gestern morgen ein Treffen aller beteiligten Parteien für Entspannung. Der AVSV-Vertreter hat Anita M. Dürr die Rechtslage erklärt: «Er hat mir erklärt, dass das Lebensmittelgesetz über dem Eigentum steht und der Realakt, also der Anschluss, unverzüglich zu erfolgen hat.» Bis heute morgen wurde ihnen Frist eingeräumt, zuzustimmen. Das werden die Fünf wohl auch tun. In Anwesenheit des AVSV-Vertreters wurde geklärt, dass der Anschluss an den Eigentumsverhältnissen nichts ändert.

Auflösung wird angefochten

Auflösen kann die Brunnenkorporation Hueb, die ein gemeinschaftliches Unternehmen ist, nur der Gemeinderat. Den entsprechenden Antrag hat die BHK nach dem Mehrheitsbeschluss im vergangenen Jahr gestellt. Gemäss Gemeindepräsident werden in Bälde alle 20 Mitglieder der Korporation schriftlich darüber informiert. Dieser Beschluss ist anfechtbar, und von diesem Recht werden die Widerständler Gebrauch machen. «Sollen doch alle, die aussteigen wollen, sich bei der Gemeinde anhängen. Wir können die Brunnenkorporation finanziell und personell stemmen, auch zu fünft», sagen sie. Fortsetzung folgt also bestimmt.