Strategieprozess kann starten

Die Schule ist in einem steten Wandel begriffen. Diese Entwicklungen können zu Verunsicherungen führen und werden immer häufiger auch kritisiert. Das zeigt sich ebenfalls im St. Galler Kantonsrat.

Sina Bühler/Hjr
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Bildungsdirektor Stefan Kölliker: «Der Bericht zeigt auf, welche Konsequenzen Entscheide in einem Bereich auf einen anderen haben.» (Bild: Regina Kühne)

Bildungsdirektor Stefan Kölliker: «Der Bericht zeigt auf, welche Konsequenzen Entscheide in einem Bereich auf einen anderen haben.» (Bild: Regina Kühne)

ST. GALLEN. Wie entwickelt sich die Schule? Die aktuellen Veränderungen in der Volksschule sind in den Medien ein Dauerthema – man denke etwa an die Diskussionen über Frühfranzösisch, über die Maturitätsquote oder an die aktuelle Kritik am Lehrplan 21. Auch im Kantonsparlament sind in den vergangenen Jahren einige Postulate eingereicht worden. Nun hat die Regierung diese Postulate in einem Bericht beantwortet. Sie beantwortet damit unter anderem Fragen zur Sonderpädagogik, zum Musikunterricht, den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Schulstufen oder dem Fremdsprachenunterricht.

Autonomie behalten

Die SVP-Fraktion stellte sich einige Fragen dazu und kritisierte die Tendenz der Bildungsdepartemente, bis ins letzte Detail vorzugeben, was an der Schule unterrichtet werde. Die Lehrerinnen und Lehrer müssten eine gewisse Autonomie behalten können, was immer weniger möglich werde. Ausser der GLP/BDP-Fraktion kritisierten alle übrigen Fraktionen die mangelnden Visionen, es fehle ihnen eine Zukunftsstrategie für die Volksschule.

Erstmals ein roter Faden

Bildungsdirektor Stefan Kölliker konterte die Kritik: «Der Bericht heisst bereits seit zehn Jahren <Perspektiven der Volksschule>, das wollten wir nicht ändern.» Doch erst mit dem kürzlichen Abschluss der wichtigen interkantonalen Vereinbarungen könne der Strategieprozess überhaupt starten. Der aktuelle Bericht sei insofern visionär, als dass er zum ersten Mal einen roten Faden aufzeige, der sich durch jede einzelne Stufe und jeden Bereich der Volksschule ziehe. Es sei auch erstmals ersichtlich, wie die verschiedenen Strukturen miteinander verbunden seien. «Der Bericht zeigt klar auf, welche Konsequenzen Entscheide in einem Bereich auf einen anderen haben», sagt Kölliker. Im Bericht wird auch der «Lehrplan 21» gewürdigt, ein gemeinsames Projekt der 21 beteiligten Kantone der Deutschschweiz. Der Lehrplan wird allerdings in mehreren Kantonen bereits heftig bekämpft. Regierungsrat Kölliker meinte, es handle sich um ein zeitgemässes und ausgezeichnetes Projekt, und man dürfe vor allem nicht alles glauben, was die Gegnerinnen und Gegner behaupten. Der Kantonsrat wird heute Dienstag noch verschiedene Vorstösse zum Thema Schule behandeln.