Strafe gegen Fan reduziert

Das Kantonsgericht reduziert die Strafe gegen einen St. Galler Fussballfan. Er wurde beschuldigt, 2011 den Sohn des Sicherheitschefs des FC St. Gallen angegriffen zu haben.

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ST. GALLEN. Das Kantonsgericht St. Gallen hat die Strafe gegen einen 26jährigen Fussballfan massiv reduziert. Den Angriff auf den Sohn des damaligen Sicherheitschefs des FC St. Gallen wertete das Gericht als Tätlichkeit.

Faustschlag auf den Kopf

Am 23. Dezember 2011 sass der Beschuldigte zusammen mit anderen Personen aus dem Umfeld der Fanszene im Spanischen Klubhaus beim Hauptbahnhof St. Gallen. Die Gruppe erkannte an einem Nebentisch den Sohn des Sicherheitschefs des FC St. Gallen.

Es wurde spontan beschlossen, den Kantonsschüler «anzupöbeln». Einige der Männer vermummten sich und folgten ihm. Einer verpasste dem Sohn des Sicherheitschefs auf der Rosenbergstrasse von hinten einen Faustschlag auf den Kopf. Gleichzeitig sagte er ihm, er solle seinem Vater einen Gruss ausrichten.

Das Opfer konnte fliehen und sich in einem Garten hinter einem Gebüsch verstecken. Die Angreifer verfolgten den Schüler, fanden ihn aber nicht in seinem Versteck. Später verständigte der Betroffene von dort aus die Polizei.

Erste Instanz – 130 Tagessätze

In erster Instanz war der Beschuldigte wegen versuchter einfacher Körperverletzung zu einer teilbedingten Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 70 Franken verurteilt worden. Das Kantonsgericht hob nun den Entscheid des St. Galler Kreisgerichts auf und befand den Beschuldigten der Sachbeschädigung und der Tätlichkeit für schuldig. Damit würdigte das Gericht den Sachverhalt rechtlich anders als der Staatsanwalt in der Anklageschrift.

Untersuchungshaft angerechnet

Der Beschuldigte wird zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 70 Franken und einer Busse von 1500 Franken verurteilt. Die Untersuchungshaft von 13 Tagen wird zu je 70 Franken an die Busse angerechnet. Die Kosten des Berufungsverfahrens von 5000 Franken muss der 26-Jährige zur Hälfte bezahlen.

Die Beteiligung an einem Farbanschlag auf das Stadion Bergholz des FC Wil wurde nicht bestritten. Für die Sachbeschädigung forderte die Verteidigerin eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 70 Franken. Den Angriff auf den Sohn des damaligen Sicherheitschefs des FC St. Gallen bestritt der Beschuldigte auch vor zweiter Instanz. Er habe an diesem Abend keine aktive Rolle gehabt, beteuerte er. Seine Verteidigerin forderte einen Freispruch.

Der Staatsanwalt zweifelte an der Version des Beschuldigten und beantragte mit Anschlussberufung einen zusätzlichen Schuldspruch wegen versuchter Nötigung. Er verlangte eine teilbedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu je 70 Franken und zusätzlich ein Rayonverbot von drei Jahren. (sda)