Strafanzeige gegen die Kelag

Weil die Kelag-Gruppe ihren Verpflichtungen nicht nachkam, leiteten Gläubiger inzwischen rechtliche Schritte ein. Einige verweisen auch auf ein grundsätzliches Problem im Gesetz.

Hanspeter Thurnherr
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SENNWALD. Dem W&O vorliegende Dokumente und Aussagen Betroffener zeigen, dass die sich seit Oktober in Nachlassstundung befindliche Kelag-Gruppe bereits im Februar und Mai sich mit Gläubigern auf «Fahrpläne» zur Abzahlung von Forderungen von rund zwei Millionen Franken einigte.

Weil die Kelag aber schon wenig später ihren Verpflichtungen nicht nachkam, beendeten die Gläubiger die Geschäftsbeziehungen und leiteten rechtliche Schritte ein. Auf Anfrage bestätigte die St. Galler Staatsanwaltschaft, dass eine Strafanzeige eingereicht wurde. Ehemalige Mitarbeiter der Kelag teilen die Schätzung von Gläubigern, dass die gesamten Ausstände gegen zehn Millionen Franken betragen könnten.

Bereits im Frühling ohne Geld?

Die Gläubiger werfen den Kelag-Verantwortlichen vor, dass sie bereits im Frühling 2014 hätten erkennen müssen, dass die Liquidität nicht mehr gegeben war und sie deshalb die vom Gesetz vorgesehenen Sanierungsschritte hätten einleiten müssen.

Einige Gläubiger äusserten dem W&O gegenüber ihre Unzufriedenheit über die «mangelnde Kommunikation» der Firmenleitung, der neuen Inhaber und des Sachwalters. Martin Fricker, Mediensprecher der Kelag, widerspricht diesem Vorwurf. Die Gläubiger seien jeweils ausführlich und praktisch zeitgleich mit den Mitarbeitenden der Kelag und der Öffentlichkeit schriftlich informiert worden.

Grundsätzliches Problem

Auf ein grundsätzliches Problem ihrer Branche verweisen die Personalvermittler unter den Gläubigern. Während die Löhne der Angestellten in einer Nachlassstundung oder im Konkursfall privilegiert sind, sind die Forderungen der Personalvermittler nicht geschützt, obwohl es sich zum allergrössten Teil um Lohngelder und Sozialversicherungsbeiträge für die von ihnen vermittelten Arbeitskräfte handle. Damit würden sie ungefragt zu Kreditgebern des Schuldners.

Regula Widrig Sax, Präsidentin des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland, präzisiert, dass in der Nachlassstundung die laufenden Kosten sichergestellt sein müssen: «Welche Zahlungsausstände die Personalvermittler dabei hingenommen haben, lag in ihrem eigenen Einflussbereich.» • DIE DRITTE

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