Stein für Stein analysiert

Das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo hat dem Geologischen Atlas der Schweiz die Karte 1135 Buchs hinzugefügt. Die Karte samt interessanter Geologie der Region wurde gestern auf dem Schloss Werdenberg vorgestellt.

Robert Kucera
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Erschufen das Blatt 1135 Buchs für den Geologischen Atlas der Schweiz: Tobias Ibele, Pius Bissig, Oliver Kempf, Heinrich Naef, Riccardo Bernasconi (von links). (Bild: Robert Kucera)

Erschufen das Blatt 1135 Buchs für den Geologischen Atlas der Schweiz: Tobias Ibele, Pius Bissig, Oliver Kempf, Heinrich Naef, Riccardo Bernasconi (von links). (Bild: Robert Kucera)

GRABS. Die Karte 1135, respektive das Blatt 149 des Geologischen Atlas der Schweiz im Format 1:25 000, ist nun verfügbar. Sie zeigt die Region Buchs, genauer gesagt Gams bis Plattis in der Nord-Süd-Richtung, von West nach Ost Unterwasser bis Vaduz. Buchs stellt die 149. Karte der Schweiz dar. Es gibt aber noch zahlreiche Regionen, die geologisch noch nicht genügend dokumentiert sind, Mit der Fertigstellung des gesamten Schweizer Netzes, so war an der Karten-Präsentation gestern nachmittag im Schloss Werdenberg zu vernehmen, rechne man im Jahr 2030. Pünktlich zum 100-Jahr-Jubiläum. Denn die erste geologische Karte dieses speziellen Atlasses kam bereits im Jahr 1930 heraus.

Grosser Aufwand

Bis so eine Karte herausgegeben werden kann, vergeht viel Zeit und es kostet eine Menge Geld. «Es dauert viereinhalb Jahre und kostet zwischen 400 000 und 600 000 Franken», erklärt der Leiter Geologische Landesaufnahme und Rohstoffe der Schweiz, Andreas Möri. Einen Ertrag hat die Bundesstelle aber nicht. «Wir haben als Bund den Auftrag, die Schweizer geologisch zu dokumentieren», begründet er. Was die Allgemeinheit bezahlt, betont er weiter, erhalte sie gleich mehrfach zurück. Denn die geologischen Basisdaten sind sehr wertvoll für Studien und Projekte. Und da man das Kartenmaterial bereits habe, werden eben diese Studien und Projekte kostengünstiger.

Profitieren von dieser Arbeit des Bundes können vor allem Geologische Büros, Ingenieurbüros, Tourismusbüros – zum Beispiel, wenn sie einen geologischen Lehrpfad in der Region einrichten wollen – sowie Kantons- und Bundesstellen.

Kreuz und quer

«Man dreht jeden Stein um und klopft ihn mit dem Geologen-Hammer an. Zur Analyse nimmt man häufig Steine mit nach Hause, betrachtet diese, nachdem sie in ganz dünne Scheiben zerteilt wurden, unter dem Mikroskop», beschreibt Andreas Möri den grössten Aufwand im Prozess, bis eine neue Karte entsteht. «Bei der Feldbegehung läuft man nicht auf dem Weg, sondern kreuz und quer, untersucht jeden Quadratmeter, geht in steiles Gelände, durch Wiesen und Wälder, aber läuft auch in Bachbetten herum.»

Die Autoren beschrieben in kurzen Vorträgen die geologische Beschaffenheit der Region. Sie betonen dabei mehrmals, dass man viel von den Vorarbeiten ihrer Vorgänger profitiere, bevor man sich selber in der Natur ein Bild machen darf.

Nicht immer zur Freude der Natur: «Es gab auch schon aggressive Kühe, die etwas gegen Geologen hatten», beschreibt Pius Bissig. Sein Kollege Tobias Ibele sagt aber dennoch: «Es ist eine wunderschöne Arbeit.» Oder wie es Andreas Möri ausdrückt: «Das Interessante an der Geologie ist: Das, worauf wir jeden Tag stehen, zu verstehen.»

Ein kleines geologisches Rätsel

Interessant ist die Geologie im Gebiet der Buchser Karte allemal. Heinrich Naef erläutert, dass die Region den Übergang von den Zentral- in die Ostalpen darstellt. «Ausserdem befindet sich Buchs auf einem Hotspot der seismischen Aktivität.»

Zuweilen sind aber auch Geologen am Ende ihres Lateins. Wie am Grabserberg. An einer Stelle ist Gestein vorhanden, das «exotisch» anmutet: «Man sieht's, man kann's datieren. Es besteht aber völlig isoliert und niemand weiss, was der geologische Ursprung ist und wie es dorthin gekommen ist», sagt Andreas Möri.