STECHMÜCKEN: Blinde Passagiere aus Asien

Mit den steigenden Temperaturen beginnt die Mückensaison. In der Ostschweiz breitet sich seit einigen Jahren nebst der Tigermücke eine weitere, aggressivere Mückenart aus.

Patrick Baumann
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Mücken sind nicht nur Plagegeister, sondern auch Nutztiere, die für sauberes Wasser sorgen. (Bild: Getty)

Mücken sind nicht nur Plagegeister, sondern auch Nutztiere, die für sauberes Wasser sorgen. (Bild: Getty)

Patrick Baumann

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@tagblatt.ch

Sie nerven beim Grillieren, im Schlafzimmer oder in der Badi. Mücken gehören definitiv zu den weniger schönen Begleiterscheinungen der warmen Jahreszeit –jetzt sind sie wieder aktiv. «Momentan bewegt sich die Zahl der Mücken im normalen Bereich, dies kann sich aber schnell ändern», sagt Jonas Barandun, Biologe und Mitarbeiter im Naturmuseum St. Gallen. «Grosse Niederschlagsmengen und anhaltend feuchtwarmes Wetter können rasch zu ungewöhnlich vielen Mücken führen.» Prognosen seien deshalb schwierig.

Neue Mückenarten aus Asien

Nebst den altbekannten Stechmücken kommen in der Schweiz seit einigen Jahren zwei neue Mückenarten vor. «Es handelt sich um die Asiatische Tigermücke und die Asiatische Buschmücke», sagt Jonas Barandun. Den Weg von Asien nach Europa haben diese Insekten vermutlich als blinde Passagiere auf Containerschiffen gefunden. Südlich der Alpen ist die Asiatische Tigermücke bereits heimisch geworden. «In der Ostschweiz ist es noch nicht zur massenhaften Vermehrung gekommen.» Die Asiatische Buschmücke komme seit zwei Jahren im Rheintal vor, sei aber selten. «Die Buschmücke ist aggressiver als die heimischen Mückenarten. Zudem ist sie auch am Tag und nicht nur am Abend und in der Nacht aktiv», sagt Barandun. Immerhin sei die Buschmücke als Überträgerin von Krankheiten weniger gefürchtet als die Tigermücke. Das Risiko, sich in der Ostschweiz durch Mückenstiche mit gefährlichen Krankheiten zu infizieren, sei gering. «In Zukunft könnte dies aber durchaus der Fall sein», sagt er.

Wichtige Rolle im Ökosystem

Gemeinhin werden Stechmücken nur als Plagegeister wahrgenommen. Dass sie auch eine wichtige Rolle im Ökosystem übernehmen, wird dabei rasch übersehen. «Einen direkten Nutzen für die Menschen haben Stechmücken zwar nicht, sie dienen aber Fischen, Amphibien- und Vogelarten als wichtige Nahrungsgrundlage», sagt Barandun. Deshalb können sich Mückenlarven in Gartenteichen nicht entwickeln – sie enden vorher als Fischfutter. In der Regentonne hingegen gedeihen Hunderte Mücken auf kleinstem Raum. Auch Regenpfützen sind bevorzugte Entwicklungsherde der Larven. «In Kleinstgewässern übernehmen die Mückenlarven eine Reinigungsfunktion.» Sie fressen kleinste Algenteilchen im Wasser und sorgen so dafür, dass diese in Form von Kot an den Boden sinken, weshalb das Wasser klar wird. Betrachte man die Mücke also über den Wasserrand hinaus, dann sei sie nicht nur Plagegeist, sondern auch Nutztier, das für Sauberkeit sorgt. «Sie steht ganz unten an der Nahrungskette und sichert so das Überleben vieler anderer Tiere», sagt Barandun.

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