«Stationäre Massnahme als letzte Chance»

Wegen Betrugs erhält ein 40jähriger Schweizer eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die aber zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben wird. Der Mann hat über einen Kollegen ein Handy-Abo gelöst, aber die Rechnungen nicht bezahlt.

Martin Knoepfel
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Der Betrüger steckt im vorzeitigen Massnahmenvollzug in Mosnang. (Bild: Urs Jaudas)

Der Betrüger steckt im vorzeitigen Massnahmenvollzug in Mosnang. (Bild: Urs Jaudas)

LICHTENSTEIG. Seine Gutmütigkeit kommt einen Obertoggenburger teuer zu stehen. Er vertraut dem Angeklagten, dessen Hund er gelegentlich hütet. Zudem war der Obertoggenburger Pate des Kindes des Angeklagten. Das kann man der Anklageschrift entnehmen. In der Gerichtsverhandlung anerkennt der Angeklagte alle Vorwürfe der Anklageschrift.

Lohn gepfändet

Anfang 2014 wird der Obertoggenburger von einem Handy-Provider betrieben. Der Lohn wird ihm während mehrerer Monate bis aufs Existenzminimum gepfändet. Der Hintergrund: 2013 schliesst der Obertoggenburger für den Angeklagten ein Handy-Abonnement ab und gibt dem Mann das Handy, das er mit dem Abo erhält. Selber würde der Angeklagte kein Abonnement mehr bekommen, da er bei allen grossen Providern auf einer schwarzen Liste steht.

Der Angeklagte verspricht dem Obertoggenburger, monatlich 30 bis 40 Franken für die Handyrechnung zu zahlen. Kurz darauf ändert er die Rechnungsadresse auf seine Adresse. Die Handyrechnungen zahlt der Mann, der zwischen Herbst 2011 und Frühling 2014 unter anderem in drei Gemeinden im Unter- und im Obertoggenburg lebt, allerdings nicht.

Die Staatsanwältin wirft dem Angeklagten vor, er habe den Provider und den Obertoggenburger getäuscht. Damit habe er sich des mehrfachen Betrugs schuldig gemacht. Zudem bestellt der Angeklagte online unter falschem Namen Eishockey-Fanartikel, obwohl er nicht zahlen kann. Das wird als geringfügiger Betrug gewertet.

Zu den Betrügereien kommen weitere Vorwürfe, beispielsweise Fahren mit 1,44 Promille Alkohol – dafür ohne Fahrausweis – sowie Schwarzfahren mit der Bahn. Den Lernfahrausweis hat der Mann schon 1998 wieder verloren, einen definitiven nie besessen. Dennoch wird er am Steuer eines Autos erwischt. Im Moment ist er im vorzeitigen Massnahmenvollzug. Zwei Polizisten bringen den Mann, dessen Hände in Handschellen stecken, zum Prozess am Mittwochmorgen nach Lichtensteig.

Abgekürztes Verfahren

Die Staatsanwältin und der Verteidiger haben sich im abgekürzten Verfahren auf eine unbedingte Gefängnisstrafe von zwei Jahren und eine Busse von 1000 Franken geeinigt. Wegen der vielen Vorstrafen – unter anderem wegen Diebstahls und wegen Betrugs – könne man keine gute Prognose stellen, heisst es in der Anklageschrift. Der Angeklagte anerkennt in der Befragung durch den Richter sämtliche Vorwürfe und die Schadenersatzforderungen des Obertoggenburgers über 6808 Franken und der SBB (wegen Schwarzfahrens).

Nach kurzer Beratung erhebt das Kreisgericht den Strafantrag zum Urteil. Wegen der neusten Delikte muss der Mann nicht unbedingt ins Gefängnis. Die Strafe wird zu Gunsten der stationären Massnahme aufgeschoben. Der psychiatrische Gutachter attestiert dem Angeklagten eine schwere Persönlichkeitsstörung und eine Alkoholsucht. Die Handlungen des Angeklagten seien nicht zu entschuldigen, begründete der Richter. Deshalb sei die hohe Strafe gerechtfertigt.

Hohe Schulden

Der Obertoggenburger dürfte sein Geld nicht wieder sehen. Der Angeklagte beziffert seine Schulden auf 240 000 Franken. Dazu kämen 188 000 Franken, da der Brief nicht angekommen sei, in welchem er die Erbschaft des Adoptivvaters ausgeschlagen habe. Durch Arbeit komme er nicht mehr aus den Schulden heraus, so dass der Privatkonkurs die einzige Lösung sei, sagt der Mann in der Befragung. Seine Familie wird von der Sozialhilfe unterstützt, die eigentlich zurückbezahlt werden muss. Laut Urteil müsste der Mann auch die Untersuchungs- und Verfahrenskosten von über 21 000 Franken und die Busse bezahlen.

Der Obertoggenburger sagt, er habe bis zur Lohnpfändung vom Provider nichts gehört und nie eine Mahnung erhalten. Als die Betreibung gekommen sei, habe er dem Angeklagten mit einer Anzeige gedroht, wenn dieser die Sache nicht in Ordnung bringe. Darauf habe sich der Angeklagte selber angezeigt.

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