St. Galler Museum gibt Nazi-Raubkunst zurück

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St. Gallen Das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen arbeitet seit 2010 die Herkunft seiner Objekte auf. Unter die Lupe genommen wurde auch eine Silbersammlung, die das Museum 1967 von Transportunternehmer Giovanni Züst geschenkt bekommen hatte. Zwei Silberpokale in Form von Segelschiffen haben sich als Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus erwiesen. Sie gehörten einst der jüdischen Sammlerin und Mäzenin Emma Budge aus Hamburg. Nach ihrem Tod 1937 wurde die Sammlung zwangsversteigert. Der Erlös floss auf ein staatlich kontrolliertes Sperrkonto.

Das Museum hat sich bei der Erbengemeinschaft gemeldet und gibt ihr die beiden Objekte freiwillig und ohne Entschädigung zurück. Dies gab die Museumsleitung gestern an einer Medienkonferenz bekannt. Der Berliner Anwalt Lothar Fremy, der Emma Budges Erben vertritt, lobte das Vorgehen des Museums als vorbildlich.

Geschätzter Wert: 300 000 Franken

Die beiden Silberschiffe werden noch einige Wochen im Historischen und Völkerkundemuseum zu sehen sein. Da die Erbengemeinschaft mehrere Dutzend Personen zähle, würden die Objekte danach nicht direkt zurückgegeben, sagte Lothar Fremy. Vielmehr würden sie versteigert, der Erlös werde dann an die Erben verteilt. Die Pokale stammen aus dem 17. Jahrhundert und sind je 150 000 Franken wert. «Das ist jedoch nur eine Schätzung», sagte Museumsdirektor Daniel Studer. Auch ein höherer Erlös sei denkbar. (ge/av)

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