St. Galler Medizinpläne prüfen

Die St. Galler Regierung beklagt den Ärztemangel, begnügt sich aber nicht damit. Sie will einen eigenen Medizin-Studiengang einführen. Die Idee stösst auf Interesse und beschäftigt diese Woche auch in Bern.

Regula Weik
Merken
Drucken
Teilen
Das Kantonsspital St. Gallen ist das grösste nichtuniversitäre Spital der Schweiz. (Bild: key/Gian Ehrenzeller)

Das Kantonsspital St. Gallen ist das grösste nichtuniversitäre Spital der Schweiz. (Bild: key/Gian Ehrenzeller)

ST. GALLEN. Das Kantonsparlament habe weitsichtig gehandelt. Das Lob von Peter Wiedersheim, Präsident der St. Galler Ärztegesellschaft, kommt nicht von ungefähr. Das Gremium hat vergangene Woche 370 000 Franken bewilligt – für das Konzept eines «Medical Masters». Der Kanton St. Gallen will künftig nämlich selber ein Medizinstudium anbieten – und zwar zügig. Die Ausbildung soll 2018 starten.

Das Kantonsspital St. Gallen ist das grösste nichtuniversitäre Spital der Schweiz. Es könne die Rolle eines akademischen Lehrspitals durchaus übernehmen, ist die Regierung überzeugt. Auslöser für ihre Initiative ist der Ärztemangel. Schweizweit werden heute jedes Jahr 1200 bis 1300 neue Ärztinnen und Ärzte benötigt; ausgebildet werden nur 850 bis 900.

Chance auf Bundesbeiträge

Die angestrebte St. Galler Ärzteausbildung war diese Woche auch Thema in Bern – und: Der Kanton kann auf finanzielle Unterstützung des Bundes hoffen. «Würde die Universität St. Gallen neu Studierende in Humanmedizin ausbilden, so hätte dies einen direkten Einfluss auf ihren Anteil an den Grundbeiträgen des Bundes», antwortete Bundesrat Schneider-Ammann auf eine entsprechende Frage der Wiler Nationalrätin Barbara Gysi. Denn: Diese Bundesbeiträge bemessen sich wesentlich an der Anzahl Studierender. Die St. Galler Regierung hatte bei der Präsentation der Idee eines Medizin-Masterstudiums angetönt, dass sie sich eine Kooperation mit der HSG vorstellen kann.

Die Schweizerische Hochschulkonferenz hat Ende Mai beschlossen, ein Sonderprogramm «Medizin» auszuarbeiten. Damit sollen Projekte universitärer Hochschulen finanziert werden, die «Massnahmen zur nachhaltigen Erhöhung der Anzahl Studienabschlüsse in der Humanmedizin» zum Ziel haben. «Auch die Universität St. Gallen erhält somit die Möglichkeit, Projekte einzureichen», sagt Schneider-Ammann. Über eine allfällige Unterstützung entscheidet nicht der Bundesrat, sondern der Hochschulrat der Schweizerischen Hochschulkonferenz. Heute zahlt der Kanton jährlich etwa 14,7 Millionen Franken für St. Gallerinnen und St. Galler, die auswärts Medizin studieren.

1200 bis Ende 2020

Auch Schneider-Ammann spricht von 300 zusätzlichen Medizinern, die pro Jahr ausgebildet werden müssten, um den Bedarf an Ärzten decken zu können. Die St. Galler Nationalrätin Claudia Friedl fragte den Bundesrat nach seinem Zeithorizont. «Diese Zahl wollen wir am Ende der Legislatur 2016–2020 erreicht haben», antwortete Schneider-Ammann.

Gegen Verfassungsänderung

Auch die Rheintaler Nationalrätin Margrit Kessler hat den Mangel an Ausbildungsplätzen in der Humanmedizin aufgegriffen und eine Verfassungsänderung gefordert. Sie fand dafür keine Mehrheit; das dauerte zu lange und die Kantone würden bereits einiges dagegen tun, so das Hauptargument der Gegner.