Sprühende Spielfreude an Neujahr

Am frühen Abend der ersten beiden Tage im neuen Jahr strömten viele Besucher in die vollbesetzte Lichtensteiger Freudegghalle. Dort erlebten sie das Neujahrskonzert «Radetzky in Jazz» des Toggenburger Orchesters.

Peter Küpfer
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Im abschliessenden Radetzkymarsch finden sich alle zusammen, das grosse Orchester, die Jazzband und das Klaviertrio. (Bild: Peter Küpfer)

Im abschliessenden Radetzkymarsch finden sich alle zusammen, das grosse Orchester, die Jazzband und das Klaviertrio. (Bild: Peter Küpfer)

LICHTENSTEIG. «Musizieren können sie überall, feiern aber nur in diesem Saal.» So lautete eine der Kernaussagen, mit der Josef Rütsche, Präsident des Toggenburger Orchesters, sein Publikum gutgelaunt zum Neujahrskonzert singend begrüsste, mit einem humorvollen Couplet, das schon auf den Wiener Stil einstimmte. In dieser Tradition stehen auch die Toggenburger Neujahrskonzerte. Dieses Jahr waren als Mitwirkende die Midlife Jazzband sowie drei Toggenburger Pianisten mit von der Partie: Claudia Dischl, Matthias Hüberli und Matthias Roth.

Classic meets Dixie

Zunächst verlief das Konzert noch im traditionellen Rahmen. Johann Strauss' «Rosen aus dem Süden» erblühten in ihrer ganzen musikalischen Lieblichkeit und Pracht. Schon beim «Einzugsmarsch» aus dem «Zigeunerbaron» von Johann Strauss geschah aber Ungewohntes. Denn da marschierten keineswegs Soldaten ins Dorf, sondern die sechs gestandenen Männer des Dixieland-Ensembles auf die Bühne. Schon bei der nächsten Darbietung konnte man dann nicht nur sehen, sondern auch hören, was das auf Mozarts «Kleine Nachtmusik» – arrangiert von Hauskomponist Hanspeter Kübler – für Auswirkungen hatte. Seine eingängigen Motive wurden von den Jazzern aufgenommen und flugs in ihren Sound und Rhythmus uminterpretiert. Dann holte sich das Orchester «seinen Mozart» wieder zurück, um ihn beim nächsten Einsatz schon wieder an die Jazzer abzugeben. Der Habanera-Arie aus der Oper «Carmen» ging es nicht besser.

Beim Jazz-Klassiker «You are my sunshine» und bei Gershwins «Summertime» ging das klassische Orchester zeitweise sogar in Führung und «swingte» der Jazzband mit seinen Geigen, Celli, Hörnern und seinem gesamten mächtigen Arsenal seine Motive vor. Diese wurden von der Dixieland-Seite prompt mit virtuosen Soli der Posaune (Egon Rietmann), der Trompete (Michael Neff) und des Saxophons (Beni Dürr) aufgenommen und wieder zurückgeworfen.

Akrobatisches Klaviertrio

Mit dem Auftritt des dynamischen Klaviertrios blieb das Konzert musikalisch virtuos, stellenweise sogar akrobatisch. In «Humoreske» stahl es dem Orchester die Motive aus klassischen Sinfonien und funktionierte sie in ihren Rag um.

In «Anitra's Rag» von Donat Lambert – Arrangement von Matthias Roth – bekam der Begriff «schnelle Läufe» fast schon eine sportliche Bedeutung. Die Pianisten absolvierten in rasendem Tempo musikalisch Schwindelerregendes und wechselten dabei auch noch flink ihre Sitzpositionen. Mit dem magistralen «Saint-Louis-Blues» und der Ikone «Tiger-Rag» endete das Programm offiziell. Die Standing Ovations des begeisterten Publikums führte zu einer Zugabe, «Cancan», und schliesslich zum Stück, das dem Programm seinen Namen gegeben hatte. Der würdig-pfiffige Radetzkymarsch wurde mit dem Klavierensemble und der Midlife-Jazzband gehörig «aufgepfeffert» und war so gleichzeitig Höhepunkt und Abschluss des attraktiven Konzerts.