Spass am Velofahren gefunden

Die Caritas St. Gallen-Appenzell organisiert zum erstenmal einen Velofahrkurs für Anfängerinnen in Buchs. Er findet vor allem bei Migrantinnen grossen Anklang. Positiver Nebeneffekt ist die Vernetzung untereinander und mit den Helfenden.

Hanspeter Thurnherr
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Die Frauen aus den unterschiedlichen Ländern üben mit Einsatzwillen und zunehmender Freude, das Gleichgewicht auf dem Velo zu halten. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Die Frauen aus den unterschiedlichen Ländern üben mit Einsatzwillen und zunehmender Freude, das Gleichgewicht auf dem Velo zu halten. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

BUCHS. «Wir möchten gerne Velo fahren lernen.» Dieser Wunsch wurde von Frauen an die kirchlichen Institutionen herangetragen, wie Projektleiter Peter Illitsch von der Caritas-Regionalstelle Sargans sagt. Was vielen selbstverständlich scheint, ist für sie eine grosse Hürde. Larissa aus Ungarn sagt: «Ich bin noch nie Velo gefahren. Es ist schade, wenn ich bei schönem Wetter nur laufen oder Auto fahren kann», sagt sie. Velo fahren zu können, sei ein langgehegter Wunsch und bringe viele Vorteile, etwa für den Weg zur Arbeit, Schule oder als gutes Ausdauertraining.

Grace, der Ärztin aus den Philippinen, welche in Deutschland studierte, war es peinlich, anlässlich eines Kurses in Den Haag als einzige nicht Velo fahren zu können. «Ich versprach der 81jährigen Leiterin, beim nächsten Wiedersehen fahren zu können.» Da sie kein Auto besitzt, ist sie als Velofahrerin künftig mobil.

Velo macht mobil

Sichtlich grossen Spass macht das Velofahren drei kurdischen Frauen aus Syrien. «Der Bus hier ist sehr teuer. Mit dem Velo können wir zur Schule oder zum Einkaufen fahren – oder es als Sport machen», sagen sie übereinstimmend. In ihrem Heimatland sei es nicht Sitte, dass Frauen Velo fahren. Das Problem der drei Frauen: «Wir haben kein eigenes Velo.» Peter Illitsch sucht deshalb in der Region fahrtüchtige Damenvelos. Wer eines zu Hause hat und es nicht benötigt, soll sich bei der Caritas St. Gallen-Appenzell, Regionalstelle Sargans, bei Peter Illitsch , Telefon 081 725 90 23 oder E-Mail p.illitsch@caritas-stgallen.ch melden.

Einige Frauen haben noch sichtlich Mühe, das Gleichgewicht zu finden. Sie sind froh, von den freiwilligen Helfern gehalten und angeleitet zu werden. Doch von Kursabend zu Kursabend sind die Fortschritte ersichtlich, die Angst kleiner und der Spass zunehmend – auch wenn es manchmal noch zu kitzligen Situationen auf dem Platz kommt. «Auf die Strasse können die Frauen noch nicht», ist sich Peter Illitsch im klaren. Es werde später wichtig sein, ihnen die Verkehrsregeln und das richtige Verhalten auf der Strasse beizubringen. So ist geplant, Übungseinheiten im Verkehrsgarten abzuhalten.

Viele einheimische Helfer

Doch vorerst heisst es, richtig fahren zu lernen. Und so ruft die eine oder andere Frau «Hoi!» und nimmt zum Winken kurz die Hand vom Lenker. Für mehr reicht es noch nicht. Aber die Frauen haben ja noch ein paar Abende Zeit.

Der Velofahrkurs findet in Zusammenarbeit mit dem Diakonieverein Werdenberg, der Seelsorgeeinheit Werdenberg und dem Radverein RV Buchs an sechs Abenden beim Schulhaus Kappeli statt. Unterstützung leisten auch die Evangelischen Kirchgemeinden Grabs-Gams und Buchs, die Katholische Kirchgemeinde Buchs sowie die Stadt und die Schulverwaltung Buchs. Auch die Teilnehmerinnen zahlen einen Beitrag. Wer bereits über ein Fahrrad und einen Helm verfügt, bringt beides mit.

Vernetzung als Nebeneffekt

Für die anderen stellt die Velowerkstatt Arwole Sargans die Fahrräder für den Kurs zur Verfügung. «Der RV Buchs erstellte das Lernkonzept und leitet den Kurs mit viel Enthusiasmus. Mehrere Freiwillige des Cevi Grabs unterstützen die Frauen beim Fahrenlernen und betreuen deren Kinder während der Kurszeit», freut sich Peter Illitsch. Damit erfüllt sich so nebenbei ein weiteres Ziel des Kurses: Einheimische und Migrantinnen zusammenzubringen und untereinander zu vernetzen.