SOMMERSERIE: Eine Geschichte aus 1001 Nacht

Stefan Bergamin hat wegen seines iranischen Schwiegersohns dessen Heimatland bereist. Das Land hat ihn in seinen Bann gezogen und er will noch mindestens drei weitere Male dorthin reisen.

Katharina Rutz
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Die majestätische 33-Bogen-Brücke in der iranischen Stadt Isfahan gilt als architektonisches Meisterwerk.

Die majestätische 33-Bogen-Brücke in der iranischen Stadt Isfahan gilt als architektonisches Meisterwerk.

Katharina Rutz

katharina.rutz@wundo.ch

Der Grabser Kaufmann Stefan Bergamin ist von der Zivilluftfahrt begeistert. Flugzeuge zählen zu seinen fünf grossen Leidenschaften, neben der Rätischen Bahn, Eseln, dem FC Basel und deutschen Schlagern. Dennoch: In die Ferien ging der gebürtige Bündner in den letzten 30 Jahren «nur» ins Albulatal. Dies ändert sich nun mit seiner ersten Iran-Reise vom vergangenen April. «Der Iran bietet unzählige Höhepunkte und ich möchte dieses Land noch mindestens drei Mal bereisen», sagt er.

Die erste Reise kam zustande, weil seine Tochter mit einem ­Iraner verheiratet ist. Dieser lebt bereits seit zehn Jahren in der Schweiz und ist inzwischen eingebürgert. Als Stefan Bergamin von seinen Reiseplänen erzählt habe, seien alle erstaunt gewesen. «Man kennt den Iran nur aus der Presse und dort wird sehr ­negativ berichtet», sagt er. Stefan Bergamin hat sich aber vor der Reise intensiv erkundigt. «Ich habe dabei nur Gutes von Iran­reisenden gehört.»

Schliesslich machte sich eine Reisegruppe bestehend aus zehn Personen zwischen 26 und 60 auf den Weg in den Iran. Darunter Stefan Bergamin, seine Tochter und sein Schwiegersohn. Etwas mühsam war es, das nötige Visum für die Reise zu erhalten. «Wir mussten unzählige Akten liefern und Fingerabdrücke einreichen», erinnert sich Stefan Bergamin. «Sie wollen schon wissen, wer in ihr Land kommt», sagt er. Dafür sei danach die ganze Reise reibungslos verlaufen. Es gab keine Kontrollen und keine Polizei­sperren. «Wir sahen nicht mehr Polizisten als bei uns», sagt er.

Auch leben im Iran Anhänger verschiedener Religionen nebeneinander. So gibt es ein christliches Armenierviertel in Isfahan. «Sofern wir uns an die Regeln hielten, blieben wir völlig unbehelligt.» Zu diesen Regeln gehören beispielsweise das Kopftuch für die Frau oder das absolute Alkoholverbot. «Ich habe bisweilen ein Glas Wein vermisst, dafür war das Essen ausgezeichnet und immer reichlich.»

Liebenswürdig und sehr gastfreundlich

Die Iraner beschreibt Stefan Bergamin als sehr liebenswürdig und freundlich. «Überall wurden wir fürstlich bewirtet.» Das Land empfand er als sehr sauber. «Elend gab es nirgends auf den Strassen zu sehen», so Bergamin. Ver­zaubern liess sich der 60-Jährige vor allem von der vielfältigen Landschaft und den historischen Sehenswürdigkeiten. In Isfahan gab es davon einige zu sehen. Besonders beeindruckt war Stefan Bergamin vom Platz des Imam. Dieser ist laut Reiseführer 524 Meter lang und 160 Meter breit. Die gepflegte Parkanlage und ­imposanten Springbrunnen sind gesäumt von Moscheen, einem Palast und Märkten. Auch die 33-Bogen-Brücke in dieser Stadt gefiel ihm sehr. Sie gilt als architektonisches Meisterwerk des Brückenbaus.

Der Bündner liess sich auch gerne «vom geheimnisvollen Flair von 1001 Nacht» verzaubern. Begeistert erzählt er von den Teehäusern und den Basaren mit ­seinen Teppichen, Souvenirs und Gewürzen. Selbstverständlich gehören auch die Moscheen zum Iran und aus Felsen gemeisselte Grabmäler.

Die Schönheiten der iranischen Berge

Auch auf seine geliebten Berge musste Stefan Bergamin im Iran nicht verzichten. «Die Schneeberge nördlich von Teheran reichen bis 5600 m ü. M. und er­heben sich eindrücklich über der öden Steppe», so Bergamin. Auch die drei auf der Reise besuchten Städte Teheran, Shiraz und Isfahan liegen auf rund 1500 m ü. M. «Wie Davos», vergleicht der Bündner.

Im Iran reiste die Schweizer Gruppe mit einem Bus. Die ­Strecke zwischen Teheran im Norden und Shiraz im Süden legten sie jedoch mit einem alten Airbus A300-600R zurück. «Dieser Airbus war bereits 35-jährig, jedoch super gewartet», schwärmt Stefan Bergamin. «Durch das Embargo erhält der Iran keine neuen Flieger, also müssen sie die bestehenden umso besser ­instand halten», erzählt er.

Die Hauptstadt Teheran beeindruckte den Grabser vor allem durch ihre Grösse. «Die Metro­pole hat 15 Millionen Einwohner, das ist fast zweimal so viel wie die Schweiz.» Die Altstadt liege auf rund 1200 m ü. M., von wo aus sich die Stadt dann in die Höhe bis auf 1700 m ü. M. erstrecke. «Die Stadt ist so riesig, man kann sie nicht überblicken», erzählt er. «Ich kann vom Iran als Reiseland nur Positives berichten und ich möchte die Gelegenheit nutzen, das negative Bild dieses Landes zu verbessern», betont Stefan Bergamin. Für ihn gibt es auf ­jeden Fall ein Wiedersehen.