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Sollen und Wollen

Heuchler seien wir, beschied uns unlängst ein Boulevardblatt.
Pfarrer Helmut Heck, Sax

Heuchler seien wir, beschied uns unlängst ein Boulevardblatt. Seriösere Zeitungen stellten fest, die Schweizer wollten «den Fünfer und das Weggli»: steile Karriere und viel Zeit für die Familie, naturverbunden und städtisch leben, Umweltschutz ohne Verzicht: Zum Beispiel fliege man in die Ferien, leiste aber nur symbolische Beiträge zum Umweltschutz. Man will eine bessere Welt, ein besseres Leben – aber auf keinen Fall sich einschränken.

Heuchelei muss das nicht sein. Eher ist die Wahrnehmung verzerrt, vergleichbar den Ergebnissen deutscher Untersuchungen. Dort schätzten sich Wohlhabende weniger reich ein, als sie laut Statistik waren. So stimmten etwa auch Wohlhabende zu, der Staat solle vermehrt Arme zulasten der Reichen unterstützen – aber sie übersahen, dass sie selbst zu den zehn Prozent der Besserverdienenden gehörten und von ihrem Wohlstand hätten abgeben sollen.

Man gewöhnt sich an sein Leben und findet normal, wie man lebt. Es ist nichts Besonderes, im eigenen Haus zu wohnen, mit dem Auto zum Einkaufen nach St. Gallen zu fahren, auf die Malediven zu fliegen… Auch wenn man da und dort die Umwelt schützt, Alu-Deckel vom Joghurt sammelt, leere PET-Flaschen zum Container trägt: Solche kleinen Beiträge wiegen die Umweltbelastung nicht auf, die aus dem Lebensstil erwächst.

Es ist gut, wenn man sich über sein Leben Gedanken macht und überlegt, wie man seine Werte und sein Handeln in Übereinstimmung bringt.

Es ist gut, sich vor Augen zu halten, wie schön wir es haben mit unserem Lebensstil. Wir sind privilegiert. Dafür leisten wir viel und dürfen stolz sein.

Es ist noch besser, das Wohlergehen als Geschenk zu sehen. Gesund aufstehen, arbeiten können, Familie um sich haben, geliebt sein… sind Geschenk. Fähigkeiten haben, anerkannt werden, erfolgreich sein, ist nicht nur unser Verdienst, sondern auch Geschenk.

Mit dieser Haltung werden wir dankbar und demütig. Viele sagen, das Schicksal meint es gut mit uns; ich sage: Gott hat uns gesegnet. So wird das Materielle nicht überbewertet. Wir brauchen nicht unzufrieden oder neidisch zu sein. Wir können sagen: «Ich muss nicht immer noch mehr haben.» Wir können auch verzichten.

Verzicht bedeutet nicht das Ende des Glücks. Glück besteht aus Beschenktwerden und aus Schenken.

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