«Snowfarming» für die Skipisten

Das Schnee- und Lawinenforschungs-Institut SLF in Davos unterhält mehrere Forschungsgruppen. Hansueli Rhyner beschäftigt sich auf dem Weissfluhjoch mit der Forschung für den Schneesport und für Industrieprodukte.

Christiana Sutter
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Die Pistenfahrzeuge waren nach Weihnachten bis ins neue Jahr viele Stunden für die Präparierung im Einsatz. (Bild: Archiv Tagblatt)

Die Pistenfahrzeuge waren nach Weihnachten bis ins neue Jahr viele Stunden für die Präparierung im Einsatz. (Bild: Archiv Tagblatt)

Hansueli Rhyner, das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF Davos ist für viele Personen durch die Herausgabe des Lawinenbulletins bekannt. Sie sind Gruppenleiter der Forschungsgruppe Schneesport und Industrieprojekte. Welches sind die Aufgaben dieser Gruppe?

Hansueli Rhyner: Unsere Hauptaufgaben bestehen darin, gemeinsam mit der Industrie Produkte weiterzuentwickeln, die auf und mit Schnee funktionieren sollten. Beispiele sind die Ski-, die Skiwachs- und die Skibelags-Industrie. Weiter sind wir auch bei der Entwicklung der Pistenmaschinen, Schneefräsen, Skifelle und Beschneiungsanlagen involviert. Wir erstellen auch Expertisen, beispielsweise für das Snowfarming.

Dies ist ein weiterer Winter, in welchem die Lufttemperaturen für die Jahreszeit eher warm sind. Ergiebige Schneefälle lassen auf sich warten. Die Skigebiete weisen teilweise zu wenig Schnee für die problemlose Präparation der Skipisten auf. Liegt das Problem bei der globalen Erderwärmung oder gibt es andere Erklärungen?

Rhyner: Ein paar schneearme Winter der Erderwärmung zuzuschreiben, wäre wohl vermessen. Es gab immer wieder mal grüne Weihnachten, aber die Abhängigkeit ist in den letzten Jahren sehr gestiegen. Im Zuge der Klimaänderung ist es aber durchaus möglich, dass sich solche Situationen häufen. Das heisst einerseits, dass die Schneegrenze ansteigt, aber auch die Tage, an denen die tiefen Temperaturen, die es für die Beschneiung braucht, weniger werden.

Worauf kommt es beim Schneefall an, damit man von idealen Verhältnissen sprechen kann?

Rhyner: Dafür gibt es keine Regel. Wenn es bei wärmeren Temperaturen zwischen null und rund minus acht Grad schneit, verdichtet sich der Schnee schneller. Dieser Schnee ist jedoch weniger schön für das Pulverschnee-Skifahren. Für die Präparation, den Pistenbau, ist dieser Schnee aber besser.

Gibt es verschiedene Schneearten?

Rhyner: Selbstverständlich gibt es verschiedene Formen des Schnees. Diese sind aber für die Skigebiete nicht so wichtig, weil der Schnee sowieso präpariert und verdichtet werden muss. Somit liegt der grösste Unterschied in der Temperatur.

Wenn die Verantwortlichen eines Skigebiets zu Beginn einer Wintersaison wünschen könnten, welche Schneebeschaffenheit würden diese wählen?

Rhyner: Der beste Schnee für den Pistenbau ist der technisch erzeugte Schnee aus den Beschneiungsanlagen. Denn dieser weist eine Dichte von 300 bis 500 Kilogramm pro Quadratmeter auf und muss somit für eine Publikumspiste praktisch nicht weiter verdichtet werden. Wenn der Schnee da liegt, wo man ihn braucht, kann man diesen Schnee in den bereits liegenden Schnee einfräsen und fertig ist die Piste. Naturschnee hat eine Dichte von 50 bis maximal 250 Kilogramm pro Quadratmeter. Weil eine dauerhafte Piste für die Touristen eine Dichte von rund 500 Kilogramm pro Quadratmeter benötigt, muss man den Naturschnee mit der Maschine verdichten. Selbstverständlich haben alle – die Skifahrer und die Verantwortlichen der Bergbahnen – neben der Piste gerne genügend Naturschnee, wenn möglich luftiger Pulverschnee. Denn erst so kommt eine richtige Winteratmosphäre auf.

Können Sie und die Mitarbeiter Ihrer Forschungsgruppe den Verantwortlichen der Skigebiete beratend helfen?

Rhyner: Wir organisieren viele Vorträge und Schulungen zu den Themen Pistenpräparation, Pistenpflege und Beschneiung.

Hansueli Rhyner Gruppenleiter für Schneesport und Industrieprojekte (Bild: pd)

Hansueli Rhyner Gruppenleiter für Schneesport und Industrieprojekte (Bild: pd)