SNOWBOARD: «Medaille mit nach Hause nehmen»

Alle vier Jahre verblassen bei Wintersportlern alle Ziele, die man sich üblicherweise steckt. Die Olympischen Spiele in Pyeongchang überstrahlen alles. Mittendrin in diesem Business ist auch Julie Zogg. Die Wartauerin hat sich viel vorgenommen.

Robert Kucera
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An den Olympischen Spielen in Pyeongchang will Julie Zogg, wie bei der Generalprobe im letzten Winter, aufs Podest fahren. (Bild: Robert Kucera)

An den Olympischen Spielen in Pyeongchang will Julie Zogg, wie bei der Generalprobe im letzten Winter, aufs Podest fahren. (Bild: Robert Kucera)

Robert Kucera

robert.kucera@wundo.ch

«Auch Julie Zogg und Ladina Jenny haben Chancen auf einen ­Diplomplatz», meint Sacha Giger, Chef Snowboard, in einer Medienmitteilung von Swiss Ski. Was heisst: Eine Medaille wird primär von der Schweizer Teamleaderin Patrizia Kummer erwartet. Doch mit einer Rangierung unter den besten acht, wie 2014 in Sotchi, gibt sich Zogg nicht ­zufrieden. «Mein grösstes Ziel ist natürlich, von den Olympischen Spielen eine Medaille mit nach Hause zu nehmen.»

Die 25-Jährige darf, sobald die Qualifikation für die Winterspiele in Pyeongchang feststeht, durchaus guten Mutes nach Südkorea reisen. «Ich fuhr vor einem Jahr auf dieser Strecke aufs Podest. Das hat mir gezeigt, dass mir der Hang sehr gut liegt. Wenn die Pistenverhältnisse wieder etwa gleich sein werden, denke ich, dass ich Potenzial habe, um nach vorne zu fahren.»

Flacher Streckenabschnitt behagt Julie Zogg

Dieser dritte Platz der Generalprobe vom 12. Februar 2017 ist für die Wartauerin weder Bürde noch Schnee von gestern. Viel mehr macht das Resultat Hunger nach mehr. Besonders das recht lange Flachstück weckt bei der Gesamtweltcupsiegerin von 2015 Begehrlichkeiten nach Edel­metall. «Im Weltcup-Zirkus», so schätzt sich Julie Zogg ein, «gehöre ich in flachen Streckenabschnitten zu den besten Fahrerinnen.» Mit ihrer Technik, in Flachstücken die Geschwindigkeiten mitzunehmen, respektive Tempo zu machen, hat sie einen Trumpf im Ärmel.

Ausserdem ist die Alpin-Snowboarderin aus Weite ja olympiaerprobt. In diesem Punkt ist Zogg aber hin und her gerissen, ob das wirklich ein Vorteil ist. «Jedes Erlebnis an Olympia ist einzigartig. Es kann völlig anders sein als in Sotschi.» Zumal auch die Voraussetzungen, unter denen sie anreist, andere sein werden. «2014 war es für mich das Schönste, dass ich mich nach einer Verletzungspause qualifiziert habe. Ich konnte in Sotschi nichts verlieren.» So reiste sie ­damals sehr entspannt an den Grossanlass mit den fünf Ringen. Für Pyeongchang hat sie sich deshalb folgendes vorgenommen: «Was ich mitnehmen will, ist die Lockerheit, die ich damals gehabt habe.» Und hofft darauf, dass sich jener japanische Athlet für die Olympischen Spiele qualifiziert, der ebenfalls mit ihrem Privattrainer René Hürlimann trainiert. Denn dann würde er für Pyeongchang vom japanischen Verband akkreditiert werden, und Julie Zogg hätte ihn als wertvolle Hilfe vor Ort.

Dank Slalom Schritt vorwärts im Riesenslalom

Was ihr aber nicht schmeckt, ist die Tatsache, dass es nur noch ein Rennen an Olympischen Spielen gibt – den Riesenslalom. Dies hat Auswirkungen aufs Trainingsverhalten: «Als ich mit dem Team unterwegs war, haben wir relativ viel Riesenslalom trainiert.» Und als Slalom auf dem Programm stand, fragten sich die Athleten, warum man denn das trainieren solle, da doch nur Riesenslalom olympisch sei. «Bei mir war es ­allerdings so, dass ich irgendwo angekommen bin, wo ich nicht mehr weiterkam», erzählt Zogg. «Da war ich richtig froh, dass ich mit meinem Privattrainer trainieren gehen konnte. Wir haben vier Tage Slalom gemacht – und mit einem Mal ging es im Riesenslalom einen Schritt weiter», so die Wartauerin. Sie mag den Slalom auch heute noch lieber. «Man muss sich schneller bewegen, es braucht schnellere Beine.»

Nicht zu vergessen: Es stehen im Winter auch Slalomrennen auf dem Programm. Diese zählen auch in der Olympia-Saison zum Weltcup. Julie Zogg hält diesbezüglich fest: «Den Gesamtweltcup habe ich nie aus den Augen verloren.» Der Gewinn der grossen Kristallkugel oder der Sieg an einem Weltcuprennen: verlockende Ziele für Zogg. «Ich will an jedem Rennen meine Bestleistung abrufen.»

Der Wettkampftyp blickt optimistisch auf die Saison

Um wieder vermehrt aufs Podest zu fahren, haben die Einheiten mit Hürlimann geholfen. Denn mit der Schweizer Nati habe man nicht so viele Paralleltrainings absolviert. «Doch für mich ist genau das wichtig. Das war auch ein Grund, weshalb ich unbedingt den Weg mit privatem Trainer gehen wollte», erklärt Wettkampftyp Julie Zogg. «Ich bin jemand, der gerne Rennen fährt.» Und im Training lernt sie so mit dem Druck im Wettkampfmodus umzugehen. Ausserdem ist diese Art des Trainings für den Körper fordernder.

«Ich gehe mit einem guten Gefühl in den Winter», sagt die 25-Jährige, die viel auf Schnee trainieren durfte. Doch auch mit Privattrainer, betont sie, habe sie nicht mehr trainiert als zuvor. Auch im mentalen Bereich, so Zogg, habe sie hart gearbeitet. «Ich spüre es, dass ich auf einem guten Weg bin, dass ich wieder mehr aus mir herausholen kann.»