SEVELEN: Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten

Zusätzliche Baurechts- und Mietzinseinnahmen sind für die Zukunft der Ortsgemeinde Sevelen wichtig. Der vom Verwaltungsrat beantragte Kauf der Fahnenfabrik-Gebäude auf dem eigenen Land soll dazu beitragen.

Thomas Schwizer
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Der Kauf der Gebäulichkeiten und deren Vermietung an die Fahnenfabrik Sevelen AG bringt der Ortsgemeinde Mehreinnahmen. Zudem kann sie selbst entscheiden, wie in Zukunft die Liegenschaft beziehungsweise das Grundstück in der Zone WG2 genutzt werden soll. (Bilder: Thomas Schwizer)

Der Kauf der Gebäulichkeiten und deren Vermietung an die Fahnenfabrik Sevelen AG bringt der Ortsgemeinde Mehreinnahmen. Zudem kann sie selbst entscheiden, wie in Zukunft die Liegenschaft beziehungsweise das Grundstück in der Zone WG2 genutzt werden soll. (Bilder: Thomas Schwizer)

Thomas Schwizer

thomas.schwizer@wundo.ch

Ein Kreis schliesst sich: Vor 50 Jahren trat die Ortsgemeinde Sevelen die 2205 m2 Boden am nördlichen Ortseingang im Baurecht an die Fahnenfabrik ab. Nun, kurz vor Ablauf dieses Vertrages, will sie sich gemäss Antrag des Ortsverwaltungsrates mit dem Kauf der Gebäude, im Rahmen des ordentlichen Heimfalls, den Entscheid über die Zukunft ­dieses grossen Grundstücks in der Wohn- und Gewerbezone 2 (WG 2) wieder selbst sichern (siehe Titelseite).

Das hat seinen guten Grund: Die Einnahmen aus Baurechts-, Pacht- und Mietzinsen sind für die Ortsgemeinden sehr bedeutend. Sie brauchen diese, um ihre vielfältigen Aufgaben auch in ­Zukunft selbst finanzieren zu können. Das erklärt Peter Engler, Verwaltungsratspräsident der Ortsgemeinde Sevelen.

Die Holzpreise seien tief und die Waldbewirtschaftung deshalb nicht mehr kostendeckend. Zudem brauche eine Ortsgemeinde finanzielle Reserven für ihre weiteren Aufgaben und die Behebung von Schäden durch mögliche Naturereignisse wie den Sturm Lothar im Jahr 1999. Zudem würden die Staatsbeiträge für die Schutzwaldpflege sinken, was die finanziellen Risiken für die Ortsgemeinden als grosse Waldbesitzer erhöhe, so Engler.

«Es braucht eine ­ weitsichtige Strategie»

Zwar sei die Ortsgemeinde Sevelen heute finanziell gesund. Damit das so bleibt, brauche es eine weitsichtige Strategie – mit dem Ziel, regelmässige Einnahmen generieren und diese wenn möglich steigern zu können. Deshalb will der Verwaltungsrat, wenn sich eine Möglichkeit bietet, der Ortsgemeinde Boden sichern, um zusätzliche Zinserträge zu ­generieren. Der Kauf der Ge­bäulichkeiten der Fahnenfabrik Sevelen AG, über den die ausserordentliche Ortsbürgerversammlung am 13. November entscheidet, passt laut dem Präsidenten genau in diese Strategie.

Heute erzielt die Ortsgemeinde Sevelen mit Baurechts- und Pachtzinsen sowie Mietzinsen jährlich Erträge in der Höhe von rund 484 000 Franken. «Diese regelmässigen Einnahmen brauchen wir», unterstreicht Peter Engler ihre Bedeutung.

Für die Finanzierung des Kaufs der Gebäulichkeiten der Fahnenfabrik Sevelen AG wird die Ortsgemeinde zwei Liegenschaften (höher) belasten. Doch die Rechnung geht gemäss Peter Engler für sie mehr als auf und passe für beide Parteien gut.

Der Nettomietzins von rund 45 600 Franken pro Jahr sei für die Ortsgemeinde deutlich lukrativer als die bisher hier erzielten Baurechtszinsen. Zudem sei mittelfristig eine Wertsteigerung des Grundstücks zu erwarten. Die Ortsgemeinde als künftige Vermieterin müsse an den Gebäuden nur die nötigen Unterhaltsarbeiten besorgen, aber keine Investitionen tätigen, hält Engler fest.

Die zukünftige Nutzung in der eigenen Hand haben

Der Ortsverwaltungsrat habe sich bereits intensiv mit verschiedenen Szenarien beschäftigt für den Fall einer Beendigung des Mietverhältnisses durch die Fahnenfabrik, sagt der Präsident auf Anfrage des W&O. Das wäre gemäss dem Gutachten, das der Bürgerversammlung vorgelegt wird, frühestens in zwei Jahren der Fall. Wesentlich sei: Man habe als Besitzerin Grundstück und Gebäude in der eigenen Hand und so für die Zukunft verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Das sei durchwegs positiv für die Ortsgemeinde und auch für die ganze Gemeinde ­Sevelen.

Wie sich in 50 Jahren ein Kreis schliessen kann, zeigt auch das Beispiel des auslaufenden Baurechtsvertrages zwischen der Ortsgemeinde Sevelen und der Fahnenfabrik Sevelen AG beziehungsweise des aktuellen Antrags auf den Gebäudekauf durch die Ortsgemeinde. Den Baurechtsvertrag im Jahr 1968 haben nämlich der Vater des heutigen Besitzers der Fahnenfabrik und der damalige Ortsgemeindepräsident unterzeichnet. Letzterer war der Grossvater des heutigen Ortsgemeindepräsidenten Peter Engler.

Ausserordentliche Bürger­versammlung der Ortsgemeinde Sevelen: Montag, 13. November 2017, 20 Uhr, Gemeindesaal Drei Könige.