SEVELEN: Tosender Applaus in der Kirche

Am Sonntag organisierte Kurt Rothenberger zum 17. Mal das traditionelle Herbstkonzert. Mit dabei waren Tochter Milena, Karl Hardegger und Silvan Kiser. Alessia Rothenberger führte durchs Programm.

Pius Bamert
Merken
Drucken
Teilen
Das besondere Konzert in Sevelen begeisterte die Zuhörer. (Bild: Pius Bamert)

Das besondere Konzert in Sevelen begeisterte die Zuhörer. (Bild: Pius Bamert)

Pius Bamert

redaktion@wundo.ch

Es ist kurz vor 17 Uhr, Glocken läuten zum Konzert. Das Kirchenschiff füllt sich. Die Leute nehmen voller Erwartungen Platz. Ein richtiger Fanclub hat sich in diesen Jahren gebildet. Alessia, auch eine Tochter Rothen­bergers, begrüsst die Leute kurz und herzlich. Das Programm ­verspricht Musikgenuss pur. Wie man sich bei Rothenberger gewohnt ist, ein Konzert von Klassik bis Jazz, und Pop. Mit «Rondeau» von Jean J. Mouret eröffnen die Musiker den Reigen. «Intro-Allegro» lautet die mu­sikalische Bezeichnung dafür. ­Allegro, wörtlich «munter, lustig, lebhaft und heiter». So ­waren auch die anderen Darbietungen. Sicher war auch ein «Andante» dabei, das ruhige, gehende und schreitende «Panis Angelicus» von César Franck.

Ein Blues wie vom grossen Louis Armstrong

Es folgt «Rich Man’s Blues», ein bodenständiger Blues mit musikalischen Südstaaten-Wurzeln. Nach einem feinem Intro wird es härter. Die Spielweise der Trompete erinnert an «Satschmo», an den unvergesslichen Louis Arm­strong. Kurt Rothenberger wechselt von sogenannter E, ernster Musik nahtlos zu U, sogenannter Unterhaltungsmusik – ein Begriff, der eigentlich schon längst ins Nirvana geschossen gehört. Kurt Rothenberger dazu: «Für mich gibt es diese Trennung schon sehr lange nicht mehr! Wieso sollte klassische Musik ‹ernst› sein? Diese kann auch äusserst unterhaltsam sein, wie du am Konzert erlebt hast. Dies wird mir auch immer wieder von Konzertbesuchern mit lobenden Worten bestätigt. Die stehenden Ova­tionen bestätigten dies sicher auch.»

Vivaldi hat die «Vier Jahreszeiten» geschrieben. Die Musiker lassen den Sommer aus, spielen über den Herbst, den Winter und den ersehnten Frühling. Ein Genuss, ein sinnliches Erlebnis, diesen Klängen zuzuhören Herbst: Glücklich feiert der Bauer mit Tanz und Gesang die gute Ernte. Winter: Die Nähe des Herdes lockt. Schneeschauer vor den Fenstern. Frühling: Der Frühling ist gekommen und freudig begrüssen ihn die Vögel mit ihrem heiteren Gesang.

Milena Rothenberger kommt ganz gross raus

Milena Rothenberger stand schon als kleines Mädchen mit Vater Kurt auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Jahre danach mit vielem Spielen und Üben ist sie eine sehr gute Musikerin geworden, von der man noch viel hören wird. Auf der Solo-Trompete spielt sie mit Karl Hardegger zusammen das Trompetenkonzert Es-Dur von Johann N. Hummel. Ein anspruchsvolles Stück Musik. Der riesige Applaus des Publikums will nicht aufhören. Fast etwas verlegen steht sie mit ihrem Instrument auf der Bühne, freut sich aber sichtlich. Irgendwann greift sie zum Mikrofon und singt ­«Capricious Lady», eine jazzige Pop-Ballade. Nach «Alleluia» von Wolfgang Amadeus Mozart wäre das Konzert eigentlich fertig. Doch man weiss, Zugaben bei Rothenbergers sind zu erwarten. Es wird mexikanisch mit «Mexican Hat Dance», sozusagen die inoffizielle Landeshymne des Landes, eine Identifikations­melodie fürs mexikanische Volk. Es ist ein Volkstanz und auch ­Fiesta-Tanz.

Zu guter Letzt erklingt «Easy to enjoy». Tönt nach Ragtime, ein Vorläufer-Stil, aus dem sich der Jazz entwickelte. Was für ein Schlussbild, zu Ende des Konzerts stehen alle Leute auf – die viel gepriesene «Standing Ovation».

Kurt Rothenberger zieht ein persönliches Fazit: «Ich war mit dem Konzert überaus zufrieden und wir hatten echt unseren Spass. Schade ist nur, dass man die Musikanten der verschiedenen Blasmusikvereine nicht an solche Anlässe locken kann! Ich versuche schon seit sehr vielen Jahren, auch für diese Szene ­kulturelle Akzente zu setzen. Obwohl meine Konzerte meist sehr gut besucht sind, sind aber die meisten Konzertbesucher selber keine Musiker, sondern lediglich Musikliebhaber, sollte dies nicht auch auf die Blasmusikfreunde zutreffen? Weshalb fehlt da das Interesse?»