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SEVELEN: Senior und Wohnmobil – das passt

Mit ihrer Projektarbeit «Zugvogel» will Anita Järmann aufzeigen, dass sich Ferien im Wohnmobil auch für Menschen eignen, die im Altersheim wohnen oder daheim auf externe Hilfe angewiesen sind. Die Erfahrungen einer Reise nach Südtirol sind sehr positiv.
Heini Schwendener
Dank des schönen Wetters konnte die kleine Gruppe aus Sevelen mit Rolf und Anita Järmann sowie Johann Affentranger immer im Freien essen. (Bilder: Rolf Järmann)

Dank des schönen Wetters konnte die kleine Gruppe aus Sevelen mit Rolf und Anita Järmann sowie Johann Affentranger immer im Freien essen. (Bilder: Rolf Järmann)

Heini Schwendener

heini.schwendener

@wundo.ch

Der Gardasee ist gerade bei älteren Menschen eine beliebte Reisedestination. Johann Affentranger, ein Bewohner des Altersheims Gärbi in Sevelen, wurde von der Pflegefachfrau Anita Järmann angefragt, ob er im Rahmen einer Projektarbeit auf eine Wohnmobilreise mitkommen möchte (vgl. Titelseite). Der 66-Jährige sagte sofort Ja und gab als Reisewunsch den Gardasee an. Affentranger wurde somit für acht Tage zum «Zugvogel» – so nennt Järmann, die im Gärbi arbeitet und eine Weiterbildung absolviert, ihr Projekt.

Bevor die Reise losging, musste Anita Järmann viele Vorabklärungen machen. Doch dann ging’s los, zu dritt, denn Anita Järmanns Mann Rolf stellte sich als zweiter Fahrer zur Verfügung.

Problemloses Zusammen- leben auf engem Raum

Eine Woche lebten die drei auf engem Raum im Wohnmobil zusammen. «Wir haben aufeinander Rücksicht genommen und so lief es wirklich gut» sagen sie unisono. Johanns Schlafgemach war etwas abgetrennt von Järmanns. Wenn er morgens früher aufstand, um draussen zu rauchen, arbeitete er sich fast kriechend bis zur Türe. Das ging freilich nur, weil Affentranger ein rüstiger Pensionär ist. «Einmal sass er schon beim Café beim benachbarten Wohnmobil», erzählt Anita Järmann. Affentranger sagt: «Es war toll. Auf den Campingplätzen hat man ganz schnell Kontakt mit anderen Leuten.»

Anita Järmann kannte «ihren» Zugvogel zwar von ihrer Tätigkeit, «kennen gelernt habe ich ihn aber erst auf dieser Reise». Järmann war sich sicher, dass für Affentranger diese Reise im Wohnmobil problemlos wird. Wäre er aber doch einmal überfordert gewesen, dann hätten die Trümpfe des Wohnmobils gestochen. «Wir hätten das Reisetempo und die Reisepläne spontan anpassen können. Und sein Bett stand ja auch immer zur Verfügung.» Doch dies war nicht nötig, der Pensionär blühte richtig auf. Das Pflegepersonal und die Mitbewohner im Gärbi meinten nach seiner Rückkehr: «Das ist ja ein ganz anderer Johann.» Nun meldet sich auch Rolf Järmann zu Wort. Für ihn als ehemaligen Radprofi war das alles eine neue Erfahrung. «Die Reise hat auch mir gut getan. Ich habe mich gefreut, dass ich direkt helfen konnte. Auf diese Weise etwas Gutes zu tun ist viel schöner als einfach anonym irgendwo 100 Franken zu spenden», sagt Rolf Järmann.

Johann Affentrangers Blutzuckerwerte waren während der Reise besser als im Altersheim. «Ich brauchte sogar weniger Medikamente», freut er sich. Anita Järmann sagt lächelnd: «Von daher müsste ja eigentlich die Krankenkasse die Kosten übernehmen.» Das Stichwort ist gefallen: Das Projekt Zugvogel hört sich zwar gut an, doch wie lässt es sich finanzieren? Drei Personen, acht Tage und 920 Kilometer im Wohnmobil, Essen, Versicherung, die Arbeitszeit der zwei Begleitpersonen usw. – da kommt ein grosser Betrag zusammen. Alles mit eingerechnet rund 5000 Franken – es ginge aber auch billiger, denn zwei Begleitpersonen sind nicht notwendig. Für diese Projektarbeit muss allerdings nur finanziert werden, was effektiv an Geld die Hand gewechselt hat, das sind etwa 1200 Franken.

Crowdfunding und eine grosszügige Zuwendung

Järmann versucht diese Ausgaben via Crowdfunding aufzutreiben (vgl. Hinweis). Willkommen sind dabei auch die 500 Franken aus dem Projekt «Geheime Wünsche» des Katholischen Sozialdienstes St. Gallen. Dieses Projekt wird von der St. Galler Kantonalbank ihm Rahmen ihres 150-Jahr-Jubiläums unterstützt. Denise Gilgen überbrachte Anita Järmann den Check und verwies darauf, dass es zwar leicht sei, Betagtenheime zu finden, die mitmachen, «aber es braucht auch Freiwillige, die dann mithelfen, den Betagten ihre geheimen Wünsche auch wirklich zu erfüllen. Wir sind froh, wenn sich Interessierte melden.»

Die positiven Erfahrungen mit Zugvogel Johann haben Anita Järmann aufgezeigt, dass ihr Projekt durchaus umsetzbar ist. Die Finanzierung solcher Ferien ist aber nicht einfach. Eine Wohnmobilreise könnte beispielsweise eine Option für jemand sein, der einen Elternteil zu Hause pflegt und sich selber einmal etwas Erholung davon verschaffen möchte. Statt den Vater oder die Mutter für Ferien ins Altersheim zu schicken, was ja auch viel kostet, wäre eine begleitete Reise im Wohnmobil eine Alternative.

Zum Schluss erzählt Anita Järmann noch eine schöne Geschichte, die sie mit ihrem Mann Rolf und ihrem «Zugvogel» erlebt hat: «Am Anfang der Reise wussten wir ja nicht, was Johann gerne macht und waren darum auch mit unseren Ideen zurückhaltend. Ihm ist es wohl genau gleich gegangen. Und so haben wir erst am zweitletzten Abend gemerkt, dass wir alle drei gerne jassen.» Die verbliebene Zeit wurde dann auch dafür genutzt.

Hinweis

Weitere Informationen zum Projekt Zugvogel sowie den Zugang zum Crowdfunding gibt es unter www.womoblog.ch

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