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SEVELEN: «Es ist mir nie langweilig geworden»

Nach 43 Jahren Schuldienst an der Oberstufe Sevelen geht der beliebte Reallehrer Mario Bokstaller in Pension. Mit seinem Einsatz für die Rockmusik prägte er den Musikunterricht im ganzen Kanton.
Freut sich auf die wohlverdiente Pension: Mario Bokstaller, der es 43 Jahre lang nie langweilig hatte als Lehrer. (Bild: PD)

Freut sich auf die wohlverdiente Pension: Mario Bokstaller, der es 43 Jahre lang nie langweilig hatte als Lehrer. (Bild: PD)

«In den späten Siebzigerjahren überboten Mario Bokstaller und ich uns, wer die längeren Haare hatte», erzählt Rudolf Küng, Schulleiter der Oberstufe Sevelen, schmunzelnd. Mario Bokstaller, der schon als 19-Jähriger als Lehrkraft an seine Schule gekommen war, sah nicht nur wild aus, er war es auch. Er stellte an der Ober­stufe Sevelen eine Schulrockband auf die Beine, die vor allem ­Musik verschiedenster Rock- und Bluesrichtungen spielte. Das war noch unerhört im Rheintal – und ein Hit bei der Schülerschaft.

Mario Bokstaller unterrich­tete im Lauf seiner Lehrerzeit mit grossem Enthusiasmus viele Fächer: Deutsch, Englisch, Französisch, Räume und Zeiten (beziehungsweise Geschichte und Geografie), Sport und Musik. ­Seine Erfahrungen, vor allem in den Fächern Deutsch und Musik, gab er immer wieder in Kursen an seine Lehrerkollegen weiter.

Eine Katze als Karrieresprungbrett

Dabei wäre er um ein Haar Zahnarzt geworden. Nach der Matura hatte er sich schon an der Uni ­Zürich dafür eingeschrieben. Vor dem Semesterbeginn wollte er aber noch sein Studentenbudget aufbessern. Da kam ihm eine Lehrerstellvertretung gerade recht. Im Frühling 1973 wurde an der Oberstufe Sevelen ein Lehrer gesucht. Ein Stellvertreter war fristlos entlassen worden, weil er vor den Augen der Klasse eine Katze getötet hatte, um sie im Unterricht zu sezieren. Mario Bokstaller bekam vom damaligen Lehrerberater Adolf Gort eine dreitägige Einführung ins Unterrichten, und los ging’s. Weil ihm das Unterrichten unerwartet viel Spass machte, entschloss er sich, 1974 den einjährigen Sonderkurs für das Primarlehrerpatent zu machen. Zwei Jahre nach Eintritt an der Schule absolvierte er die neue, berufsbegleitende Aus­bildung zum Reallehrer für die sprachlichen Fächer.

«Er wagte gerne Neues, hatte gleichzeitig Autorität im Schulzimmer. Er hatte auch etwas ­Väterliches. Die Schülerinnen und Schüler konsultierten ihn. Er war ein guter Kollege. Er brachte auch Witz und Fröhlichkeit ins Team. Er war bei den Kollegen beliebt, auch als Gruppen­mitglied, denn er war ein seriöser Schaffer. Man wusste, was er sagt, zieht er durch», blickt Schulleiter Rudolf Küng zurück. Das gelte auch für seine Arbeit in den zahlreichen kantonalen Kommissionen und Gremien. So gestal­tete er beispielsweise ein kan­tonal vertriebenes Themenheft zur Entwicklung des Rock und Blues.

Jetzt möchte er endlich Italienisch lernen

Mario Bokstaller sagt selbst: «Es ist mir im Beruf als Lehrer nie langweilig geworden. Schule ist immer wieder anders, weil immer wieder andere Menschen mit im Spiel sind, man mit und für Menschen arbeiten und dort ­einiges bewegen kann.» Er habe auch Stellenangebote anderer Schulen bekommen, aber sie ausgeschlagen, weil er sich an der Schule Sevelen immer sehr wohlgefühlt habe.

Wenn er über die Jahrzehnte zurückblickt, stellt er Veränderungen im Schulwesen fest. «Die Jugendlichen wissen zwar über mehr Dinge Bescheid als früher, dafür ist das Verständnis weniger tief.» Überhaupt müsse heute auch in der Schule alles schneller gehen, und das häufig auf Kosten der Differenziertheit. In die viel gehörte Klage von der immer schlechteren Moral der Jugend mag er nicht einstimmen. Er findet allerdings: «Die Jugendlichen sind heute unsicherer als früher, weil sie weniger wissen, wo sie stehen.» Sie würden immer mehr wie ­junge Erwachsene behandelt, was sie nicht seien, und bekämen dadurch von den Erwachsenen weniger klare Rückmeldungen und Leitplanken. Dafür seien die Schülerinnen und Schüler heute offener und vielfältiger gebildet.

Wenn er das Klassenzimmer zum letzten Mal abgeschlossen hat, möchte Mario Bokstaller endlich Italienisch lernen. Er sei immer wieder gerne in diesem Land und wolle mit den Menschen von dort besser reden können. Mehr verraten möchte er nicht über seine Pläne. «Ich freue mich darauf, dass meine Person nicht mehr so sehr in der Öffentlichkeit steht.» (pd)

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