SEVELEN: Ein Eldorado für Wildschweine

Wenn sich eine Rotte Wildschweine auf einer Wiese im Winterhalbjahr verpflegt, bleiben grosse Schäden an der Grasnarbe zurück – ein Augenschein im Ranserholz.

Katharina Rutz
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Wildhüter Silvan Eugster erfasst die Wildschweinschäden im Ranserholz. (Bild: Katharina Rutz)

Wildhüter Silvan Eugster erfasst die Wildschweinschäden im Ranserholz. (Bild: Katharina Rutz)

Katharina Rutz

katharina.rutz@wundo.ch

Die Laubmischwälder und das ­relativ milde Klima des Werdenbergs bieten Wildschweinen ­einen idealen Lebensraum. Die erste Wildschweinrotte der Region hat sich in Sevelen gebildet. Von dort aus haben sich die ­Sauen nach Wartau und Grabs ausgebreitet. Inzwischen leben im Gebiet mindestens fünf Bachen, das heisst weibliche Wildschweine, mit ihren Jungen. Und sie hinterlassen ihre Spuren.

So muss der Werdenberger Wildhüter Silvan Eugster immer wieder Wildschweinschäden protokollieren, um festzustellen, ob das Amt für Natur, Jagd und Fischerei eine Entschädigung entrichten muss oder nicht. Dies ist ab einer Schadensgrenze von 300 Franken auf landwirtschaftlicher Nutzfläche der Fall. Da Wildschweine ihre Fressplätze immer wieder aufsuchen, dür­fenAABB22die Schäden innerhalb des ­Jagdjahres vom 1. April bis zum 31. März kumuliert werden.

Würmer, Schnecken und Blumenzwiebeln

An diesem Morgen nimmt der Wildhüter eine Weide im Ranserholz in der Gemeinde Sevelen auf. Er zählt die aufgebrochenen Stellen und schreitet zusammenhängende Schadenflächen ab. Für die Beseitigung der Schäden gilt ein Ansatz von 40 Quadratmetern in der Stunde, und die Stunde wird mit 30 Franken entschädigt. Im Ranserholz ziehen sich die Schäden über die gesamte Weide. Die nachtaktiven Wildschweine haben hier über das Winterhalbjahr Würmer, Schnecken und Blumenzwiebeln gesucht. Damit decken sie ihren ­Eiweissbedarf, während sie sich von den Tonnen an Eicheln und Buchennüsschen der umliegenden Wälder ernähren. Im dichten Unterholz finden sie zudem ihre Verstecke, wo sie sich tagsüber zurückziehen.

Die Gegend ist ein Eldorado für Wildschweine. Auch ein harter Winter wird nicht unbedingt ein Problem für die Schwarzkittel, denn sie können sich in die tieferen Lagen zurückziehen. So hat sich das Werdenberg in den letzten fünf Jahren zum vierten Schwerpunktgebiet der Wildschweine im Kanton St. Gallen (siehe Front) entwickelt. Die Jäger und die Landwirte mussten sich darauf einstellen. Letztere sind natürlich alles andere als erfreut über die immer wiederkehrenden Schadenstifter. Deshalb hat der Landwirtschaftliche Verein nun eine Maschine zur Instandstellung der Schäden angeschafft. Noch wurde der Planiermeister nicht geliefert, wie der Vereinskassier Rudolf Senn ge­genüber dem W&O sagt. «Geplant ist, dass ein bis zwei Personen die Maschine bedienen werden», erklärt der Landwirt. Ausebnen und Ansäen können mit dem Planiermeister in einem Arbeitsgang ausgeführt werden.

Wildschweine muss man anders jagen

Auch für die Jäger bedeutet die Jagd auf die Wildschweine eine Umstellung. «Wildschweine muss man anders bejagen als Rehe oder Hirsche. Es ist schwieriger», sagt Wildhüter Silvan Eugster. Die Jagd findet nicht in der Dämmerung statt, sondern nachts. «Häufig kommen sie am frü­henAABB22Morgen auf die Wiesen», so Eugster. Wenn dann die Windrichtung stimme, sei es mög­lich, die Tiere auf offener Fläche auf Schussdistanz anzupirschen. «Der Bestand an Wildschweinen lässt sich durchaus durch die Jagd regulieren», ist Eugster überzeugt. «Aber die Jäger brauchen genügend Erfahrung.» Diese haben die Werdenberger Jäger nun offenbar gesammelt. So konnten letztes Jahr so viele Wildschweine wie noch nie erlegt werden. Es waren 26 Tiere. Im Jahr 2015 waren es noch 12 und in den Vorjahren 5 (2014) bzw. 2 (2013) Wildschweine. Dies, obwohl die hie­sige Jägerschaft bereits mit der Hirschjagd sehr viel Aufwand betreiben musste.