Sesselrücken bei Lyoness hält an

Bei der Holdinggesellschaft Lyoness Europe AG in Buchs geht das Sesselrücken in den Führungsgremien munter weiter. Vor wenigen Tagen traten drei Verwaltungsratsmitglieder zurück. Auch die Direktion ist neu besetzt.

Hanspeter Thurnherr
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Der Lyoness-Holdingsitz befindet sich heute in diesem neuen Geschäftshaus an der Buchser Bahnhofstrasse 22. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Der Lyoness-Holdingsitz befindet sich heute in diesem neuen Geschäftshaus an der Buchser Bahnhofstrasse 22. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

BUCHS. Entgegen den Ankündigungen vom Februar 2013, Lyoness werde die Europe AG in eine europäische Aktiengesellschaft mit Sitz in Österreich umwandeln, ist die Holding des weltweit tätigen «modernen Rabatthändlers» immer noch in Buchs. Als Direktor amtete bis vor wenigen Tagen Hubert Freidl, der Lyoness-Gründer und starke Mann im Unternehmen, das von Graz aus operativ tätig ist. Im Februar und März sind gemäss Handelsregisterauszug die drei Österreicher Bernhard Koch, Alexander Lerch und Mario Kapun aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden.

Freidl ist als Direktor zurückgetreten und wechselte als Mitglied in den Verwaltungsrat. Sein Nachfolger, nun als «Vorsitzender der Geschäftsleitung», ist der Portugiese Fernando Ferreira Grave da Silva. Präsident des Verwaltungsrates der Lyoness-Holding bleibt Karl-Heinz Feddermann aus Frümsen. Bürochefin vor Ort in Buchs ist die Schaanerin Yvonne Hasler. Gemäss Handelsregister ist sie auch Mitglied der Geschäftsleitung.

Private Firma am gleichen Ort

Feddermann und Hasler liessen im Herbst 2012 die Egypt Immo Invest GmbH im Handelsregister eintragen. Hasler firmiert seither als «Gesellschafterin und Geschäftsführerin», Feddermann als Direktor. Sitz der Firma: Bahnhofstrasse 7. Inzwischen hat Feddermann die Direktion an Christian Künzler, Walzenhausen, abgetreten. Ausserdem hat die Gesellschaft – wie auch Lyoness – an die Bahnhofstrasse 22 gezügelt. Firmenzweck: Erwerb, Verwaltung, Handel und Verkauf von Immobilien in Ägypten und Erbringen von Dienstleistungen im kaufmännischen Bereich. Auf Anfrage des W&O liess Lyoness-Mediensprecher Mathias Vorbach kurz und bündig verlauten: «Diese Firma steht in keinerlei Verbindung zu uns.» Yvonne Hasler bestätigt dem W&O auf Anfrage, es handle sich um eine private Personengesellschaft, die aber nicht aktiv sei und jetzt zum Verkauf stehe.

Zahlreiche Verfahren

Auf juristischer Ebene laufen in Österreich zahlreiche Verfahren, weil Lyoness von Graz aus operiert und von dort aus die ersten «Mitglieder» rekrutierte. Unter anderem geht es um den Vorwurf an Lyoness, ein Schneeballsystem zu betreiben – und um Rückzahlungsforderungen.

Durch die bei der Zentralen Staatsanwaltschaft Wien liegenden Bilanzen und Erfolgsrechnungen der Jahre 2007 bis 2010 der Lyoness Europe AG, Buchs, ist bekannt, dass Lyoness in diesen vier Jahren 418,2 Mio. Franken an «Anzahlungen und Provisionen auf Gutscheinen» zugeflossen sind. Es laufen inzwischen mehrere hundert Klagen auf Rückzahlung dieser Anzahlungen.

Alle 61 Klauseln unzulässig

Lyoness hat jedoch in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB und in den zusätzlichen AGB (ZAGB) die Rückzahlung der Anzahlungen aus «in sachlich nicht nachvollziehbarer und vor allem im weitgehenden Ermessen der Beklagten liegenden Gründen beschränkt», wie das Handelsgericht Wien entschied. Der Verein für Konsumentenschutz (VKI) bekam also Recht, als er im Auftrag des Sozialministeriums gegen Lyoness eine Verbandsklage führte. Das Gericht hat sämtliche 61 (!) Klauseln in den AGB's und in den ZAGB für unzulässig erklärt. Nach ersten Gerichtsentscheiden hat Lyoness bereits im Herbst in 49 Fällen 310 000 Euro Rückzahlungen geleistet. Inzwischen sind weitere Zahlungen erfolgt – und weitere «Geschädigte» schliessen sich auf Internetplattformen zusammen.