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SENNWALD: Vom Thunder zum Zünder

Was einst mit «Wiiberfürz» in leeren Dosen begann, ist für den 40-jährigen Michael Roduner zu einer grossen Leidenschaft geworden.
Ein Feuerwerk braucht lange Planung: Michael Roduner aus Sennwald in seinem Element. (Bild: Mareycke Frehner)

Ein Feuerwerk braucht lange Planung: Michael Roduner aus Sennwald in seinem Element. (Bild: Mareycke Frehner)

Andrea Müntener

Während seiner Primarschulzeit verbrachte der Sennwalder Bauernsohn in Sommer mehrere Wochen seiner Schulferien auf einem Bauernhof im Safiental. Für seine Mithilfe bei der Hofarbeit erhielt er am Ende seines Aufenthaltes einen «Sackrappen». Diesen setzte er nicht wie vielleicht manch’ andere Buben in seinem Alter in Süssigkeiten oder Spielzeug um. Er investierte ihn und sein gespartes Taschengeld in die Knallerei, seinem persönlichem 1.-August-Feuerwerk. «Für mich hatte der Schweizer National­feiertag einen so hohen Stellenwert wie für andere Kinder Geburtstag und Weihnachten zusammen!», beschreibt Michael Roduner seine Gefühle von damals.

Lang andauernde Faszination

«Das ‹Zösle› fasziniert mich schon, seit ich denken kann. Als Buben zündeten wir die allseits bekannten ‹Wiiberfürze› und erfreuten uns an der Knallerei. Und vor allem auch daran, wenn die Mädchen vor Schreck zusammenzuckten», erinnert sich der Kranlastwagen-Chauffeur an seine Kindheit ­zurück. Im Teenageralter entdeckte er nebst den im Handel erwerblichen ­Raketen auch die Thunder, welche ­lediglich einen lautstarken Knall verursachten. «Bei den Thundern interessierte mich insbesondere der Energieaufwand», erzählt der Familienvater. So veranstaltete er hinter seinem Elternhaus Feldversuche mit Thundern in Backsteinen. Die Backsteine waren stabil genug, sie hielten der Energieladung in Form der Thunder stand.

Wovon sich Michael Roduner bereits als Jugendlicher distanzierte, war das mutwillige Zerstören bei Dritten. «Ich kann es bis heute nicht ver­stehen, warum man mit Feuerwerkmaterial fahrlässig fremde Brief­kästen oder dergleichen sprengt – wo liegt der Sinn und Reiz?», stellt er klar. «Ich muss jedoch zugeben, ein einziges Mal habe ich aus heutiger Sicht ‹en Seich› gemacht. Das war vor rund 25 Jahren und ist hoffentlich verjährt!» Vor 25 Jahren wollte der Oberstufenschüler wissen, ob ein Thunder genug Energie besitzt, um einen weissen Strassenpfahl aus Plastik zu sprengen. Wie sich herausstellte, reichte die Kraft des Thunders lediglich für das Wegsprengen des oberen weissen Teils. Dass die ganze Sprengaktion in der Nähe des Schulhauses erfolgte, war wohl eher Zufall.

Feuerwerker aus Leidenschaft

Die Leidenschaft für Pyrotechnik begleitete der turnbegeisterte Roduner mit ins Erwachsenenleben. Aus einem Impuls heraus kaufte er sich Mitte zwanzig eine sogenannte Feuerwerksbatterie, welche während einer Minute ein buntes Lichtspektakel veranstaltete. Diese Batterie nahm er mit ans Turnfest, wo er um Mitternacht seine Vereinskollegen für ein Mini-Feuerwerk zusammentrommelte. Sein begeistertes Publikum erfreute sich an seiner Darbietung. «Dort wurde mir be­wusst, dass ich den Leuten mit ­meinem Hobby – das von vielen als Knallerei abgetan wird – eine Freude bereiten konnte. Denn während dieser kurzen Zeit tauchten sie ab in eine Fantasiewelt voller farbiger Lichter und Träume!», schwärmt der handwerklich versierte Mann. So wurde der Grundstein zu seinem professionellen Feuerwerker-Dasein gelegt. Michael Roduner war einer der ersten in der Schweiz, die sich der theoretischen Pyrotechnikprüfung stellten. Er ist seither im Besitz des FWA-Fähigkeitsausweises und darf sich offiziell Feuerwerker nennen und grössere Feuerwerke zünden als eine Privatperson das darf. Privatpersonen ab 18 Jahren dürfen lediglich Feuerwerke der Kategorie III erwerben. Diese unter­liegen keiner Bewilligungspflicht der Behörden, im Gegensatz zur Kate­gorie IV.

Licht in Perfektion

Mittlerweile hat der Sennwalder schon mehrere 1.-August-Feierlichkeiten, Hochzeiten und weitere Events mit seinen präzisen Feuerwerken be­geistert. Einen grossen Teil seiner Freizeit investiert der vielseitig interessierte Mann in die Pyrotechnik. «Es fängt da­mit an, dass ich im Internet re­cherchiere, welche Kombinationen und Effekte perfekt zusammenpassen. So kann ich mir meine eigenen Kombinationen besser zusammenstellen und abgleichen.» Denn eines gibt es beim Feuerwerker Roduner nicht: zweimal dasselbe Feuerwerk! Und darauf ist er stolz. «Vielleicht ähneln sie sich etwas, aber das hat dann wohl eher mit Stil zu tun. Jeder Feuer­werker hat seinen eigenen Stil, setzt sein Markenzeichen.» Der maximale Durchmesser des einzelnen Abschussrohres beträgt 7,5 Zentimeter. Damit erreicht er eine Steighöhe bis 80 Meter. Rund sieben Minuten dauert ein für Roduner optimales Feuerwerk. «Bei unserer Hochzeit diesen Frühling dauerte das Feuerwerk zwar etwas länger. Alle möglichen Effekte baute ich in unser elf Minuten dauerndes Hochzeitsfeuerwerk ein. Gerne wollte ich unseren Gästen präsentieren, was ich kann und auch, was machbar ist!»

Jedes Feuerwerk wird von ihm ­akribisch genau zusammengestellt. Es wird auf die Höhe, aber auch auf die Dauer der einzelnen Zünder geachtet und nicht zuletzt auch auf die Farbkombination. Das Gesamtbild soll für den Betrachter stimmig sein. Für Roduner sind noch weitere Punkte von grosser Wichtigkeit: Da seine Feuerwerke fast ausschliesslich aus natürlichen Materialien – im richtigen Verhältnis zusammengemischt – bestehen, sind sie umweltverträglich. Die elektrische Zündanlage, welche er vor geraumer Zeit erwerben konnte, bietet ihm viele Vorteile. «Die elek­trische Zündanlage erlaubt es mir, bei meinem Publikum zu sein. Ich muss nicht mindestens 50 Meter weg vom Publikum an der kurzen Zündschnur herumhantieren und anschliessend schnellstmöglich davonrennen», erklärt der begeisterte Pyrotechniker.

Qualität und Sicherheit

Auch kann er sofort reagieren, wenn die Feuerwerksbatterien einen Mangel aufweisen. Dies kann durch eine schlechte Verarbeitung der meist in China hergestellten Feuerwerksware oder auch durch Transportschäden vorkommen. Solche Vorfälle, bei denen Michael Roduner nichts zutun kann, ärgern ihn am meisten. Ist er selbst doch ausserordentlich pingelig in der Vorbereitung des Feuerwerkes sowie in Bezug zur Sicherheit: «Die Zuschauer merken es mir nicht an, äusserlich bleibe ich ruhig. Doch innerlich koche ich, wenn etwas nicht so klappt, wie ich es minutiös geplant habe!»

Seine Frau Ramona weiss, wie sie ihn in brenzligen Situationen beruhigen kann, sie holt ihn aus seiner bunten Lichterwelt wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Seinen Lebensunterhalt verdient Michael Roduner nicht mit dem fantasievollen Feuerwerken. «Das Lastwagenfahren und das Führen des Kranes ist mein Job und gefällt mir. Feuerwerken ist lediglich mein Hobby und Geld verdiene ich damit kaum. Seien wir mal ehrlich, welches Hobby ist schon kostenlos?» Doch träumt er ab und zu von grossen Anlässen, wo er seine hellen Kunstwerke zur Show stellen kann. «Wer weiss, vielleicht klopft irgendwann doch jemand an meine Tür mit der Anfrage für ein grosses Feuerwerk? Es muss ja nicht unbedingt der Fürst persönlich sein!»

Die Technik hat schon längst Einzug gehalten bei den Feuerwerkern. (Bild: Mareycke Frehner)

Die Technik hat schon längst Einzug gehalten bei den Feuerwerkern. (Bild: Mareycke Frehner)

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