SENNWALD: «Für uns ist das ein Todesstoss»

Gegen zwei Fussgängerprojekte haben die Bäckereien Siegrist und Berger sowie Anwohner Einsprache erhoben. Nötigenfalls nehmen sich die Bäckereien einen Anwalt. Den Geschäften geht es ums Überleben.

Alexandra Gächter
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Die nördliche Zufahrt zur Bäckerei Berger soll eingeschränkt werden.

Die nördliche Zufahrt zur Bäckerei Berger soll eingeschränkt werden.

Alexandra Gächter

alexandra.gaechter@wundo.ch

«Ich begreife nicht, wieso nichts gegen das Lädelisterben unternommen wird», sagt Barbara Siegrist. Sie und ihr Mann betreiben die gleichnamige Bäckerei in Sennwald. Weil ein Fussgängerstreifen nicht sicher ist, soll vor ihrem Geschäft unter anderem ein Sichtschutzstreifen entstehen (siehe Titelseite). «Das heisst, dass keine Autos vor unserer Türe mehr parkieren dürfen. Für uns ist das ein Todesstoss», sagt Barbara Siegrist. «Wir leben davon, dass unsere Kunden bei uns vorbeifahren, auf unserem Grundstück anhalten und im Geschäft einkaufen.»

«Bäckerei gibt es seit über 120 Jahren»

Einige Meter vor ihrem Geschäft halte der Bus Richtung Buchs und warte etwa fünf Minuten auf denjenigen in Richtung Gams. Gemäss Projekt soll die Bushaltestelle nun direkt vor ihrer Haustüre erstellt werden. Da es für den Bus keine Ausbuchtung mehr gibt, müssen die Autos dahinter warten. Ebenfalls könnten wegen der eingeschränkten Zufahrt zu der Bäckerei Siegrist Lieferanten nicht mehr einfach auf ihrem Grundstück halten und würden die Strasse ebenfalls blockieren. Auch in unmittelbarer Nähe der Bäckerei Siegrist, gegenüber der Raiffeisenbank, sollen Parkplätze verschwinden. «Wir fürchten, dass wir Kunden verlieren. Diese Bäckerei gibt es seit über 120 Jahren. Wir können nichts dafür, dass wir an einer Kreuzung mit Fussgängerstreifen sind», so Barbara Siegrist.

Das Tiefbauamt des Kantons St. Gallen sieht in den Parkplätzen gegenüber der Raiffeisenbank ein Problem. «Man muss rückwärts auf die Strasse fahren. Das stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Deshalb versuchen wir, dies bei Neubauten zu vermeiden und bei Umbauten zu ändern», sagt Projektleiter Florin Scherrer.

«Ich stelle mir das chaotisch und nicht sicherer vor»

Vor einer ähnlichen Ausgangslage steht die Bäckerei Berger in Salez. «Wir sind die fünfte Generation, die hier eine Bäckerei betreibt. Als kleines Dorflädeli haben wir sonst schon zu kämpfen. Also sollen es uns die Behörden nicht noch schwerer machen», sagt Ueli Berger. Über die eine Zufahrt gelangen die Kunden zu seiner Bäckerei, über die andere verlassen sie die Bäckerei wieder. Ebenfalls nutze der Schulbus, ein Landwirt und Anwohner die Zufahrt. Das Fussgängerprojekt des Kantons sieht nun vor, die südliche Zufahrt mit drei Pollern zu schliessen. Die nördliche Zufahrt soll mittels Pollern verschmälert werden.

Realisiere der Kanton sein Projekt, so halte der Rheintal-Bus vor seinem Grundstück, dahinter gäbe es eine Autokolonne, Lastwagen, Traktor, Schulbus, Bäckereikunden und Anwohner müssten es irgendwie schaffen, aneinander vorbei zu kommen und in die schmale Einfahrt zu fahren. Weil der südliche Ausgang zu ist, müssten sie durch die selbe Zufahrt wieder herausfahren. Ausserdem müssen Lastwagen, welche Getränke anliefern, auf die Gegenfahrbahn ausholen, um zur Bäckerei zu gelangen. «Ich stelle mir das chaotisch und nicht sicherer vor», so Berger. Seine Kundschaft könnte verärgert werden. Er fürchtet deshalb Umsatzeinbussen. Gemäss dem Tiefbauamt des Kantons habe sich auf den beiden Fussgängerstreifen in den vergangenen fünf Jahren kein Unfall ereignet, welcher von der Polizei erfasst wurde. «Ich schicke meine Tochter mit gutem Gewissen über den Fussgängerstreifen vor meiner Türe», sagt Berger.

Die beiden Bäckereien sowie Anwohner haben Einsprache gegen die Fussgängerprojekte erhoben. Projektleiter Florin Scherrer sagt, dass sich das Tiefbauamt des Kantons mit den Beteiligten treffen werde und eine Lösung suche. Falls keine gefunden wird, entscheide der Kanton. Die Bäckerei Siegrist und Berger werden sich einen Anwalt nehmen, falls die Lösung für sie nicht tragbar sei, wie sie gegenüber dem W&O sagen. «Werden die Einsprachen weitergezogen, entscheidet in zweiter Instanz das Verwaltungsgericht und danach das Bundesgericht», so Scherrer.