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SENNWALD: Die SP Sennwald ist 100 Jahre alt

Am 1. April 1918 wurde die SP Sennwald als letzte Sektion im Bezirk Werdenberg gegründet. Ein Blick ins Protokollbuch vermittelt einen Eindruck der damaligen Zeit, als beispielsweise bei Wahlen die «stolze Burg des Freisinns» gebrochen wurde.
Otto Ackermann
Jakob Fenk (1879-1968) war einer der wichtigsten SP-Politiker im Bezirk Werdenberg. Er war Gemeindeammann und wurde schliesslich auch Ehrenbürger von Sennwald.

Jakob Fenk (1879-1968) war einer der wichtigsten SP-Politiker im Bezirk Werdenberg. Er war Gemeindeammann und wurde schliesslich auch Ehrenbürger von Sennwald.

Otto Ackermann

redaktion@wundo.ch

Das Protokollbuch beginnt mit einem undatierten Eintrag: «Nachstehende Bürger der politischen Gemeinde Sennwald erklären sich hiermit als Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Sennwald und anerkennen deren Statuten.» Darauf folgen die eigenhändig eingetragenen Namen von 28 Mitgliedern, allesamt wohlbekannte Bürgernamen aus dem Sennwald, so je viermal Reich und Göldi neben Bernegger, Tinner, Inhelder, Berger usw. An dritter Stelle steht der Fenk Jak. Unterstein, Sennwald.

Im Bericht von der ersten Versammlung am «Sonntag, den 1. April 1918, Nachmittags 1 ? Uhr in der Restauration in Salez» liest man: «Herr Gemeinderat Fenk von Sennwald eröffnet die Versammlung und heisst die Anwesenden freundlichst willkommen. Er erklärt den Genossen in kurzen Worten die Notwendigkeit einer heutigen Arbeiterorganisation und den Zweck einer Sozial-Demokratischen Partei in unserer Gemeinde... Reich Heinrich, Ortspräsident von Salez wird als Tagespräsident und Reich Johann von Sennwald als Tagesaktuar ernannt.»

Anschliessend wurde eine provisorische Kommission gewählt mit Ortspräsident Reich als Vorsitzenden und sechs Mitgliedern, dabei an dritter Stelle Fenk Gemeinderat Sennwald. Der Kommission wurden sogleich die Vorbereitungen auf die Kantonsratswahlen übertragen: «In erster Linie wurde das Wort an Gemeinderat Fenk erteilt, welcher den Anwesenden in klaren Worten den Gang der proportionalen Wahlen erklärte. Auch von anderen Genossen wurde die Diskussion lebhaft benutzt und zeigte allen ein zunehmendes Interesse an den sozialen Fragen. Ein kurzes Dankeswort noch an Genosse Müller von Wartau, der unsere Mitglieder in trefflichem Wort zu eifrigen Zusammenarbeiten anhielt.»

Grosser Erfolg bei den Kantonsratswahlen

Allerdings wurde dieses Protokoll nach den Kantonsratswahlen geschrieben, denn der Aktuar bilanziert: «Mit voller Zuversicht können wir Sozial-Demokraten auf das errungene Resultat zurückblicken. Trotz der Propaganda von Seite unserer Gegner wurde die stolze Burg des Freisinns in unserer Gemeinde gebrochen. Mit 600 Stimmen wurden unsere 2 Kandidaten Herr Fenk von Sennwald und Herr Erler von Buchs in den Kantonsrat gewählt.»

Mit Elan wurden am 14. April im «Schäfli» in Frümsen die Statuten bereinigt und zwei Tage später wurde in Salez eine vollständige und parteipolitisch gemischte Wahlliste für die Gemeinderatswahlen beschlossen mit «1. Haltner Jakob, Gemeindeammann, Frümsen, 2. Göldi Johann, Polizeikassier, Sennwald, 3. Rhyner Gottlieb, Präsident, Sax, 4. Berger Heinrich, alt Schulratspräsident Salez, 5. Leuener Wilhelm, alt Präsident Sennwald.» Danach schien etwas Ruhe eingekehrt zu sein, denn der nächste Protokolleintrag datiert vom 23. März 1919.

Im Bericht zu der Gründung der SP Sevelen wurde J. J. Fenk als langjähriger Aktuar zitiert –allerdings mit falschem Vornamen. Zu dessen 80. Geburtstag würdigte die «Volksstimme» die Rolle und überragende Bedeutung dieses Mannes bei der Gründung und inneren Festigung der Sozialdemokratie im Werdenberg.1

J.J. Küng war als Zeichnerchef der Firma Lindsay, Thompson & Co nach Sevelen gekommen. «Im Werdenberg nahm unser Genosse Küng lebhaften Anteil an dem politischen Leben. (...) Rasch nacheinander gründete er sozialdemokratische Parteisektionen in Grabs, Sennwald und in Wartau und nahm den Kampf mit der bisher allmächtigen Freisinnigen Partei entschlossen auf.» (vgl. Kasten) Bei der Gründung der SP Sennwald tritt J.J. Küng allerdings namentlich nirgends in Erscheinung. Hingegen zeigt sich, dass Jakob Fenk, der als Förster der Landwirtschaft nahe stand und als Mitglied der Freisinnigen Partei bereits im Gemeinderat sass, als einer der führenden Köpfe bei der Gründung der SP Sennwald mitwirkte. Er wurde gleichzeitig in den Kantonsrat gewählt und setzte damit den Anfang zu einer lebenslangen und erstaunlichen politischen Tätigkeit in Kanton und Bund (vgl. Kasten).2

Weit überdurchschnittliche Stimmenanteile

Der Aufstieg der SP Senwald war wegweisend für die Sozialdemokratie im «roten Werdenberg». Werner Hagmann hat im Werdenberger Jahrbuch 2006 dem Phänomen, dass eine ländliche Region während Jahrzehnten weit überdurchschnittliche Stimmenanteile für die Sozialdemokratie hervorbrachte –zwischen rund 40% bei den Kantonsratswahlen 1930 bis rund 46% als stärkste Partei bei den Nationalratswahlen 1960– eine längere Darstellung gewidmet. «Die SP konnte mit Recht von sich behaupten, die ‹Lohnabhängigen› zu vertreten», hält er als Fazit fest. Die SP Sennwald machte laut Protokoll während der Krisenjahre nach 1929 immer wieder Vorstösse für wirksame Massnahmen gegen die Arbeitslosigkeit. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und das Fröntlertum war nirgends so eindeutig und entschieden wie in der SP.

Zwischen 1924 und 1930 hatte die SP Sennwald stets die absolute Mehrheit bei den Grossratswahlen.3 Ausschlaggebend war eine relativ homogene ländliche und reformierte Bevölkerung, anders als in katholischen Gebieten, wo aufgrund konfessioneller Gebundenheit mit klerikaler Einmischung und der Organisation von sogenannten katholischen Standesvereinen die «gottlosen» Sozialisten geächtet blieben –bis heute.

Meines Erachtens ist dies Hauptgrund dafür, dass bereits auf der ersten Liste der Mitglieder, und vor allem bei den Kandidatenlisten der anschliessenden Wahlen, bewährte Gemeindepolitiker zu finden sind. Damit war es von Anfang an kaum möglich, sie als «Genossen» zu diskreditieren. Trotzdem hatten auch hier SP-Mitglieder mit beruflichen Repressalien und Entlassungsdrohungen durch den freisinnigen Tuchfabrikanten und Dorfgewaltigen Aebi zu rechnen.4 Am deutlichsten zeigt sich diese gegenüber städtischen Verhältnissen ganz andere Ausgangslage in der Person von Jakob Fenk: Als Politiker weit über die Parteigrenzen hinaus angesehen, wurde er 1941 bis 1948 Gemeindeammann und später Ehrenbürger. Er wusste auch die Standpunkte der kantonalen und eidgenössischen Partei zu vermitteln.

Dazu waren immer Sozialdemokraten als Behördenmitglieder eingebunden und hatten meist auch Einfluss auf einen pragmatischen und gemässigten Kurs. Auf dieser Grundlage werden die jahrelangen Erfolge der als konservativ geltenden Sozialdemokratie im Werdenberg als Arbeit mit diesem «Startkapital» verständlich, stammte doch seit Jahrzehnten meist ein Regierungsrat aus deren Reihen. Über die Arbeiterpolitik im engeren Sinne war auch das Eintreten für eine liberale und offene Gesellschaft die Folge einer weltanschaulichen Ausrichtung, was sich unter anderem in einer klaren Ablehnung des Nationalsozialismus zeigte.

Ebenso wichtig wie die lokalen und kantonalen Wahlerfolge ist für mich, dass während 100 Jahren eine Organisation ihren Mitgliedern eine weltanschauliche Grundlage und politische Anregungen gab und gegen wirtschaftliche und kapitalistische Missstände auftrat, Wertvorstellungen für eine internationale Entwicklung und Friedensordnung teilte und sich einsetzte für den sozialen Fortschritt und den Schutz der sozial Schwachen, der Kinder, Frauen und Immigranten. So vermittelte sie vielen parteipolitisch nicht gebundenen Mitbürgern Orientierung, und dies aus einer Überzeugung, die sich auch von äusserer Polemik und zeitweisem Misserfolg nicht beirren lässt.5

Fussnoten

1 Volksstimme 10.4.1935. Den Hinweis verdanke ich Werner Hagmann.

2 Im W&O vom 5. April 1918 kritisiert ein Leserbrief den Parteiwechsel von J. Fenk: «Wenn ein Herr, wie Herr Fenk, der bis vor kurzer Zeit sich als guter Anhänger des Freisinns ausgab, nun plötzlich sich als Grossratskandidat dem Werdenberger Volke aufdrängt, so gibt dies auch einem stillen Bürger zu denken. Ich gratuliere Herrn Fenk, wenn er das Wesen der Sozialdemokratie in so kurzer Zeit erfasst hat...» Die Volksstimme schreibt dazu nach den Wahlen: «Nachdem im W&O gegen unseren Genossen Fenk so vorgegangen worden war, waren wir diesen Resultats sicher. Denn wer einen rechtschaffenen Mann derart mit Kot bewirft, der setzt sich ins Unrecht und macht sich verhasst.»

3 Absolute Mehrheiten gab es auch in Buchs 1930 und 1960, 1954 und 1972 in Sevelen. Oft traten FDP und SP mit gemeinsamen Listen bei den Gemeinderatswahlen an. Hagmann 2006, S. 198.

4 Besonders instruktiv ist der Fall des gebürtigen Sevelers Christian Litscher, SBB-Beamter, Organisator der SP in Glarus, der nach Mobbing bis zur Verweigerung von Nahrungsmittelverkäufen in Linthal den Kanton mit seiner Familie verlassen musste. (Südostschweiz, 30. Dez. 2017. Hinweis F. Rigendinger und W. Hagmann)

5 So z. B. der brillante Rorschacher Anwalt Johannes Huber, Mitbegründer und er-ster Präsident der SP St. Gallen, von 1919 bis 1947 Nationalrat (1933/4 dessen Präsident). In 69 Kommissionen sowie in unzähligen Verbänden setzte er sich ein für die Erhaltung und den Ausbau des Rechtsstaates und des Genossenschaftswesens.

Quellen und Literatur

- Protokollbücher der SP Sevelen und Sennwald

- Volksstimme

- Werdenberger & Obertoggenburger

- Werner Hagmann: Krisen- und Kriegsjahre im Werdenberg, Buchs 2001

- Werner Hagmann: Eine ländliche Region als SP-«Hochburg», Werdenberger Jahrbuch 2006

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