SENNWALD: Bei den Sozialdemokraten herrscht Aufbruchstimmung

Die SP Werdenberg feierte ihr 100-Jahrjubiläum. Und so wurde der Ostermontag für die SP Sektion Sennwald zu ihrem Feiertag – im Gründungsdorf Salez, wo die Sektion am 1. April 1918 aus der Taufe gehoben wurde.

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Referent Sepp Gähwiler, Präsident Urs Schlegel und Willi Fenk, Urgrossneffe von Jakob Fenk (von links). (Bild: Heidy Beyeler)

Referent Sepp Gähwiler, Präsident Urs Schlegel und Willi Fenk, Urgrossneffe von Jakob Fenk (von links). (Bild: Heidy Beyeler)

Heidy Beyeler

Präsident Urs Schlegel lud die SPler zum Apéro zu sich nach Hause ein. Anschliessend ging es zu Fuss durch das Naturschutzgebiet Galgenmaad und Schriibersmaad zum Mittagessen in den «Löwen» Salez.

Dort führte Kantonsrat Sepp Gähwiler, Buchs, die Anwesenden mit einer Tour d’Horizon ins Jahr 1918. Dabei erinnerte er Genossinnen und Genossen, an die Geschehnisse während dieser ereignisreichen Jahres – auch für die SP. Die spanische Grippe griff um sich, die Zarenfamilie wurde ermordet, das Ende des Ersten Weltkriegs erfolgte und im November kam es zum Generalstreich der Arbeiterschaft. Aber vor all diesen Ereignissen gründeten 28 Bürger am 1. April 1918 in Salez die SP Sektion Sennwald.

Ein Sechstel unter dem Existenzminim

Es war die soziale Notlage, welche die Linken geradezu antrieb, in den Werdenberger Gemeinden Sektionen der Sozialdemokratischen Partei zu gründen, weil die Bürgerlichen (Freisinnigen) nicht auf Forderungen der Arbeiterschaft eintraten. Im Juni 1918 lebte ein Sechstel der Bevölkerung in der Schweiz unter dem Existenzminimum. Der Missmut der Arbeiterschaft gegenüber dem Bürgertum verfestigte sich in den folgenden Jahren, die SP gewann an Stärke und die Industrialisierung nahm Fahrt auf. Unter den 28 Gründungsmitgliedern war auch Jakob Fenk, der vom 1919 bis 1948 im Kantonsrat sass. 1925 wurde er in den Nationalrat gewählt, wo er bis 1947 verblieb. Von 1942 bis 1948 war er zudem Gemeindeamman von Sennwald. An der Jubiläumsfeier vom Ostermontag war Willi Fenk, Sevelen, Urgrossneffe von Jakob Fenk, ebenfalls anwesend – er ist der SP bis heute treu geblieben. An der Jubiläumsfeier herrschte so etwas wie Aufbruchstimmung unter den SPlern.

Gegen Ausländer hetzen hilft nicht

Jüngste Wahlerfolge in anderen Kantonen geben der SP Aufwind, das war spürbar. Zum Schluss seiner Ausführungen nannte Sepp Gähwiler Themen, mit denen sich die Partei befassen will: Zur Flüchtlingsthematik meinte er, «indem man gegen Ausländer hetzt, ist noch niemandem geholfen. Da müssen wir Lösungen aufzeigen können, und zwar vor Ort, bei den Leuten, dann kann etwas bewegt werden.»Es stünden auch Fragen im Raum, wie man die wachsende Bevölkerung in Zukunft unterbringen könne, ohne die Natur zu zerstören und den Lebensstandard zu schwächen? Fortschritte der Digitalisierung und Automatisierung dürfen nicht ausser Acht gelassen werden. Der Arbeitsmarkt werde sich stark verändern, prognostizierte Gähwiler. Die zentrale Frag sei: «Wie können wir garantieren, dass jene Leute, die nicht zu den gefragten Spezialisten zählen, ihren Platz in der Gesellschaft behalten können?»