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SENNWALD: Abenteuerliches in Norwegen

Die Norwegen-Reise von Verena Signer und ihrer Tochter Laura hatte es in sich: endlose Landschaften, Tunnels 260 Meter unter Meer, eine Schatztruhe voller Schnuller, ein Fest mit norwegischen Rockerinnen im edlen Hotel und ein Besuch beim Götti.
Mengia Albertin

Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

Die 15-jährige Laura Signer ist mit Trisomie 21, auch bekannt als Down-Syndrom, geboren worden. Die Auswirkungen der Genmutation sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. «Bei Laura kann die Aussprache undeutlich sein. Das ist besonders dann der Fall, wenn sie aufgeregt ist», sagt ihre Mutter. «Ich hatte deshalb etwas Bedenken, was geschieht, wenn mir während der Reise etwas zustossen sollte. Ob sie dann wüsste, was zu tun ist, und dies auch kommunizieren kann.» Deshalb haben die beiden aussergewöhnliche Vorbereitungen getroffen: eine detaillierte A4-Seite für Notfälle. Darauf notiert sind alle Informationen zu der Reise der Sennwalderinnen, Telefonnummern – eine davon von einer Kollegin direkt beim Flughafen Kloten – und die Bitte, diese anzurufen, falls Verena Signer etwas zustösst. Den Zettel sollte Laura im Falle jemandem geben. Gottseidank war dies während der aufregenden Reise aber nie der Fall. Verwandte und Bekannte bekamen ebenfalls den detaillierten Reiseplan der beiden. «Das verschaffte mir eine gewisse Ruhe und Sicherheit», sagt Signer. Denn noch nie sind Mutter und Tochter alleine verreist.

Holpriger Start ohne Gepäck

In diesem Jahr hatten Lauras Geschwister andere Pläne, und so entwickelte sich die Idee, zu zweit nach Norwegen zu reisen. Grund dafür: Lauras Götti ist vor 39 Jahren in das Land der Berge, Seen, Fjorde und endlosen Landschaften ausgewandert. Die Reise wurde von einem Reiseveranstalter durchgeplant: Verena und Laura Signer hatten einen kleinen Ordner mit ihren Zielen und Beschreibungen davon. «Für Laura war zum Beispiel sehr gut, dass jeweils Bilder der Hotels im Ordner waren», erzählt Signer. «Eigentlich mag ich solche durchgeplanten Reisen nicht, aber für dieses Abenteuer war das sehr gut, alles hat super geklappt und war wirklich wunderschön.»

Aufgeregt flogen die beiden Mitte Juli nach Tromsø im Norden Norwegens, ihrem ersten Reiseziel. Der Start war etwas holprig: Ihr Gepäck ging unterwegs verloren. Verena und Laura Signer erhielten am Flughafen Notfalltaschen mit Pyjamashirts und Zahnbürsten. Auf ihr Gepäck mussten sie dann bis abends um elf Uhr warten. Mit dem Mietauto und in den «neuen Pyjamas» ging es also zurück zum Flughafen. «Diese Geschichte war für Laura herrlich. Immer wieder erzählte sie, dass sie in der Nacht im Pyjama am Flughafen war», lacht Signer. «Ausserdem war es natürlich hell um diese Nachtzeit, das machte alles noch spezieller.»

Am nächsten Tag fuhren sie dann über Alta mit seinen berühmten Höhlenzeichnungen bis rauf ans Nordkap, dem nördlichsten Punkt Europas. «Wir wurden gewarnt, dass uns auf dem Weg Rentiere begegnen werden», erzählt die Mutter. «Je weiter wir Richtung Norden fuhren, desto mehr Rentiere standen mitten auf der Strasse, und oft mussten wir warten.» Die unvorstellbare Weite des Nordens und das eigensinnige Landschaftsbild mit wenig Bäumen und vielen tieferen Stauden hat beide schwer beeindruckt. Obwohl die Gegend wegen der norwegischen Ureinwohner, der nordischen Nomaden Samen, eher touristisch ­«vermarktet» wird, war wenig Zivilisation vorhanden. Etwas Unbehagen löste ein steiler Tunnel 260 Meter unter Meer aus. «Wären wir nicht vorher instruiert worden, wie dabei gebremst wird, hätten die Bremsen geraucht.» Das Nordkap sei mystisch gewesen. Auch wegen der Reisenden, die mit ihren Velos dorthin fuhren.

Der Höhepunkt zum Schluss

Weiter ging die Tour ins internationale Hammerfest. Dann fuhren die zwei mit der Fähre einen Teil der berühmten Hurtigrouten von Hammerfest nach Harstad. Schliesslich landeten sie auf den kargen, wunderschönen Lofoten-Inseln. Dieser Ort war für Verena Signer ein absoluter Höhepunkt. Übernachtet haben die beiden in einer klassischen roten Fischerhütte an «knallblauem» Wasser und weissem Sand. Nach den Lofoten stand ein Flug nach Bergen auf dem Programm. Dort verbrachten sie Zeit auf dem bekannten Fischmarkt und probierten Riesenkrabben. Die Küste entlang fuhren Mutter und Tochter nach Stavanger, einem alten Hafenstädtchen. Wegen schlechten Wetters wurden die Pläne geändert. Statt in die norwegischen Fjorde ging es spontan an ein Kinderfest im Ort.

Am nächsten Tag ging es dann die eindrücklichen Jæren entlang nach Lindesnes, dem südlichsten Punkt des Landes. «Auf dieser Fahrt hatte ich wirklich das erste Mal Angst. Der Regen fiel unaufhörlich sehr stark. Die bergigen Jæren sind am Meer. Auf der einen Seite rauschten also Wasserfälle herab, und auf der anderen war das Meer. Auf der Strasse war sehr viel Wasser.» Heil kamen die zwei dann am Leuchtturm in Lindesnes an und fuhren danach weiter nach Kristiansand. Dort besuchten sie den Tierpark und die «Stadt» des norwegischen Kinderhelden Kapitän Säbelzahn. Die norwegischen Kinder schicken ihm ihre Schnuller, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Diese bewahrt der Kapitän in einer riesigen Schatztruhe auf, welche die Besucher begutachten können.

In Vrådal dann ein besonders aussergewöhnlicher Abend im Hotel: Die beiden treffen eine norwegische Harley-Davidson-Crew – Chef der Rockerbande ist eine Frau. «Es war ein sehr lustiger Abend. Laura hatte einen Riesenspass und konnte sogar auf eines der Motorräder sitzen. Wir passten eigentlich überhaupt nicht in diese Gruppe, in diesem edlen Hotel, hinein. Es war einfach einzigartig», schwärmt Verena Signer. Am nächsten Morgen standen die Sennwalderinnen früh auf, um der Gruppe zum Abschied zu winken.

Und dann Lauras Höhepunkt am Ende dieser vielseitigen Reise: der Besuch beim Götti in der Nähe von Oslo. Zwei Tage lang wurde geschwatzt, gegessen und das Wiedersehen genossen. Mit dem Götti besuchten sie «das Ende der Welt», Verdens Ende. Es flossen Tränen, als die Signers nach zwei Wochen Abenteuer wieder abreisten. «Norwegen hat mich nicht nur wegen der schönen Landschaft sehr beeindruckt. In vielen Dingen können wir in der Schweiz eine Scheibe abschneiden», ist sich Signer sicher. «Zum Beispiel in punkto Gleichberechtigung: In den Männerklos hat es Wickeltische. Und Laura und ich konnten uns ganz normal bewegen. Niemand starrte uns komisch an wegen ihres Down-Syndroms – einzig manchmal andere Touristen.»

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